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Wegen Corona – Flaute bei TrachtenschneiderInnen | BR24

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Kirchweihen und Volksfeste fallen heuer wegen Corona aus. Das wirkt sich negativ auf die Trachten-Branche aus, denn die SchneiderInnen bekommen keine Aufträge mehr. Der Gredinger Trachtenmarkt soll deshalb nun online stattfinden.

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Wegen Corona – Flaute bei TrachtenschneiderInnen

Kerwas, Oktoberfest, Festumzüge – alles abgesagt. Damit fehlen auch die Gelegenheiten, um Tracht zu tragen. Schwere Zeiten also auch für die Trachtenschneiderinnen und Trachtenschneider. Ein Besuch bei einer Schneidermeisterin in Burgthann.

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Von
  • Julia Hofmann

Die Nähmaschine rattert zwar noch im Atelier von Schneidermeisterin Rosalie Postatny in Burgthann im Nürnberger Land, aber Corona hat ihre Auftragslage sehr ausgedünnt. "Also ich kann im Prinzip wirklich sagen, dass ich an Neuaufträgen, was Trachten angeht, seit Januar/Februar nichts habe."

Trachten sind keine Spontankäufe

Die Trachtenschneiderin beobachtet, dass die Kundinnen und Kunden vom Wunsch nach einer eigenen Tracht bis zum Entschluss, sich eine eigen Tracht tatsächlich anzuschaffen, Zeit brauchen. Die Kosten dafür liegen schließlich um die 1.000 Euro. Eine originale, maßgeschneiderte Tracht sei also alles andere als ein Spontankauf.

Anlässe fehlen

Oft bräuchten die potenziellen Kundinnen und Kunden einfach auch einen Anstoß, um sich für eine Tracht zu entscheiden – eine Hochzeit, eine Geburtstagsfeier oder eben die Kerwa, in der Mann oder Frau dieses Jahr in Fränkischer Tracht hingehen würde. "Und da kommen sie ein halbes Jahr vorher zu mir – aber dieses Jahr ist alles ausgefallen", so Rosalie Postatny. Es fehlen also vor allem die Anlässe, um Tracht zu tragen.

Umorientierung notwendig

Noch im Winter waren ihre Auftragsbücher übervoll – die Schneidermeisterin ist deshalb sogar in ein großzügigeres Atelier umgezogen. Dann war über Wochen gar kein direkter Kundenkontakt möglich, was bei einer Anprobe aber unverzichtbar ist. Jetzt kann zwar wieder anprobiert werden, aber fast alle Trachtenaufträge aus dem Winter sind abgearbeitet, Neuaufträge gibt es so gut wie keine. Parallel zur Trachtenschneiderei hat sich Rosalie Postatny intensiv um andere Aufträge bemüht. Für ein Brautmodengeschäft in Forchheim näht sie jetzt die Änderungswünsche der Kundinnen – ihre Rettung in Corona-Zeiten.

Brautkleider statt Trachten

Jetzt liegen also kaum noch bunte Schürzen, bestickte Mieder und Westen unter ihrer Nähmaschine, sondern es bauschen sich die Brautkleider im Atelier. Denn geheiratet wird zum Glück ja immer noch, trotz Corona. Wann es mit den Volksfesten, Kerwas oder Umzügen wieder losgeht, kann und will jetzt noch niemand voraussagen.

Tracht hat viel überlebt

Trotzdem versucht Rosalie Postatny optimistisch zu bleiben: "Tracht hat wirklich sehr viel überlebt – ich blicke noch positiv in die Zukunft. Mein Gefühl sagt mir, wenn Veranstaltungen in der Größenordnung wieder gemacht werden dürfen, dass dann auch die Kunden wieder kommen, ich hoffe Trachten kommen wieder!" Und bis dahin werden eben Brautkleider geändert.

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