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Wanderer am Gipfelkreuz des Großen Arber im Nationalpark Bayerischer Wald

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Wegen Corona: Enormer Touristenandrang im Bayerwald

Die Corona-Krise beschert dem Nationalpark Bayerischer Wald einen enormen Andrang an Besuchern. Darunter viele, die sonst ihren Urlaub wohl eher anderswo verbracht hätten. Manche denken, es sei ein Freizeitpark und fragen nach Fahrgeschäften.

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Von
  • BR24 Redaktion

Wegen Corona bleiben die meisten Menschen dieses Jahr in ihrem Urlaub zu Hause oder suchen sich Ausflugsziele in Deutschland. Sehr beliebt derzeit: der Nationalpark Bayerischer Wald. Das hat Parkplatzprobleme, Gedränge und Missverständnisse zur Folge.

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Volle Parkplätze, schlechte Laune

Mehr Besucher als sonst tummeln sich momentan im Nationalpark, sagt der Direktor Franz Leibl. Deshalb seien einige Orte mit Verkehr überlastet und Parkplätze am Limit. Auch der Ton sei rauer geworden. Rangerin Christine Schopf berichtet, dass manche Besucher schnell gereizt seien oder auf freundliche Hinweise, sich an die Nationalpark-Regeln zu halten, unfreundlich reagierten. Die Rücksichtslosigkeit nehme zu. Das sagt auch Leibl: "Das ist ein Trend, der sich durch Corona verfestigt hat."

"Wo sind die Fahrgeschäfte?"

Zudem komme es immer öfter zu Irritationen. Manche verwechseln offenbar den Nationalpark mit einem Freizeitpark. Aber genau das sei der Nationalpark nicht, sagt die Rangerin. "Die wollen etwas erleben und fragen: Wo sind die Fahrgeschäfte?" Franz Leibl erklärt sich das so, dass viele, die sonst ihren Urlaub wohl eher anderswo verbracht hätten, nun in den Bayerischen Wald kommen und sich wohl vorher nicht genau informieren.

"In normalen Jahren wissen die meisten Leute schon, warum sie hier sind. Im Moment ist das Klientel ein bisschen anders." Franz Leibl, Nationalpark-Direktor

Leibl zufolge haben in Umfragen die Besucher bislang zu 95 Prozent geschrieben, sie kämen, um Ruhe und Erholung zu finden und die Natur zu erfahren. Das habe sich nun etwas geändert.

Manche E-Bike-Fahrer unterschätzen den Bayerischen Wald

Ein weiteres gefährliches Problem seien E-Bikes mit Fahrern, die sich und ihr Können überschätzen würden. Durch den E-Antrieb sei es möglich, auf immer anspruchsvolleren, illegalen Strecken durch den Bayerischen Wald zu fahren. Früher seien Mountainbiker auf den ausgewiesenen Radwegen geblieben, sagt Schopf. Immer öfter müssten sich die Ranger nun mit wild fahrenden Bikern auseinandersetzen - und in Zeiten von Corona umso mehr.

50 Jahre Nationalpark: Natur soll sich entwickeln können

Der Nationalpark Bayerischer Wald ist das älteste Waldschutzgebiet Deutschlands. Er wurde vor genau 50 Jahren gegründet. Die Idee: Hier sollte sich Natur ihrer Natur entsprechend entwickeln können. Inzwischen seien etwa 11.000 Tier-, Pilz- und Pflanzenarten im Bayerischen Wald nachgewiesen worden - darunter alleine 16 Urwaldrelikt-Käferarten. Diese sind auf von Menschen ungestörte Waldstrukturen angewiesen. Auch Fledermäuse, Rotwild, Luchse und Biber fühlen sich in dem Areal wohl. Tiere wie Wolf und Elch können Besucher im Freigehege sehen. Das sei ein Kompromiss, damit die Menschen die Tiere ein Stück weit erleben könnten, sagt Rangerin Christine Schopf. Der Nationalpark hat neben den Themen Naturschutz und Forschung auch einen Bildungsauftrag.

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Rotwild ist im Nationalpark zu Hause

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Der Bayerische Wald ist die Heimat vieler Pflanzenarten, die dort ungestört wachsen dürfen

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Auch der Luchs ist wieder heimisch geworden

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Ein paar Rudel Wölfe leben im Nationalpark Bayerischer Wald

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Besucher bekommen Elche im Tiergehege zu sehen

Corona und der Nationaplark

Die Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur auf die Stimmung der Besucher und die Parkplätze aus, die häufig völlig überfüllt sind. Auch der Festakt zur 50-Jahr-Feier ist abgesagt worden. Der soll aber im kommenden Jahr nachgeholt werden, sagt Leibl. Eine Erweiterung des Nationalparks wäre ein schönes Geschenk. Im Gespräch sind rund 600 Hektar Staatswald an der Grenze zum tschechischen Nationalpark Sumava, die dem Nationalpark zugeordnet werden könnten. Mit der Erweiterung könnte der größte deutsche Waldnationalpark geschaffen werden, sagte kürzlich Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW).

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