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Wegen Corona: Bleibt der Klimaschutz auf der Strecke? | BR24

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Aus der Pandemie lernen: Politikwissenschaftlerin Prof. Elvira Rosert analysiert Parallelen und Unterschiede zwischen Corona- und Klimakrise.

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Wegen Corona: Bleibt der Klimaschutz auf der Strecke?

In der Coronakrise rückt die Klimakrise in den Hintergrund. Warum auch Bayern in der Covid-19-Pandemie schneller handelt als im Kampf gegen den Klimawandel und was die Klimapolitik aus der Coronakrise lernen kann.

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Die Politik kann, wenn sie will: Die staatlichen Ausgaben für den Corona-Rettungsschirm belaufen sich in Bayern auf circa 60 Milliarden Euro. Das entspricht etwa dem Haushaltsetat des Freistaats in einem ganzen Jahr. Im Verhältnis zu dieser großen Finanzspritze ist das Budget für Maßnahmen gegen die Klimakrise deutlich geringer: So sind in Bayern beispielsweise "nur" 185 Millionen Euro im Jahr 2020 für das Klimaschutzprogramm 2050 veranschlagt.

Zwar kommen noch weitere Gelder, wie etwa für den Schutz der biologischen Artenvielfalt oder für den Schienenausbau dazu, die man indirekt auch als Investitionen in den Klimaschutz zählen kann. Doch insgesamt kommen sie lange nicht an das Volumen der Corona-Hilfen heran. Warum ist das so? Die Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert erklärt im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk, warum Regierungen in der Coronakrise Maßnahmen ergreifen, die weit über das Engagement in der Klimapolitik hinausgehen.

  • Bleibt der Klimaschutz auf der Strecke? Darüber diskutiert die Münchner Runde am Mittwoch (15.07.) live im BR Fernsehen und hier bei BR24.

    Staaten handeln in der Coronakrise schneller

    Die Politikwissenschaftlerin beobachtet: Viele Maßnahmen, die Staaten in der Covid-19-Pandemie ergreifen, fordern Klimaschützerinnen und Klimaschützer schon lange. Beispielsweise weniger fliegen oder sich im Alltag durch weniger Konsum beschränken. Die wirtschaftlichen Folgen von Corona-Schutzmaßnahmen werden deutlich bereitwilliger in Kauf genommen als Klimaschutz-Maßnahmen, so ihr Fazit. Ihrer Meinung nach war der politische Wille bei der Corona-Bekämpfung schnell da, während beim Klimaschutz der Widerwille dominiert.

    Zeithorizont: Krise ist nicht gleich Krise

    Als einen Grund dafür nennt sie den Faktor Zeit. Denn die Politik muss die Coronakrise in einem engen Zeitrahmen anpacken: Die Lage wird als sehr dringlich wahrgenommen, denn tagtäglich kann sich die Zahl der Corona-Infektionen dramatisch verändern. Viele andere Probleme schaffen es so erst gar nicht auf die politische Agenda. Während sich der Klimawandel über einen längeren Zeitraum entwickelt, hat die Covid-19-Pandemie innerhalb von drei Monaten einen Großteil der Welt erfasst.

    Menschen nehmen Krisen unterschiedlich wahr

    Als einen weiteren Grund nennt die Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert die Komplexität des Problems. Komplexe Aufgaben können blockieren. Und der Kampf gegen den Klimawandel ist so eine komplexe Aufgabe. Die Corona-Pandemie ist laut Elvira Rosert für die Menschen einfacher nachvollziehbar – auch weil alle schon einmal Erfahrungen mit ansteckenden Krankheiten gemacht haben. Womit die von der Politik getroffenen Maßnahmen leicht zu verstehen sind.

    Aus der Pandemie lernen: Mehr klare Ziele in der Klimapolitik

    Noch vor wenigen Monaten galt das Risiko aufgrund des Coronavirus für die deutsche Bevölkerung als gering. Erst nach einiger Zeit erkannte die Regierung die Dringlichkeit. Elvira Rosert erkennt hier Parallelen zur Klimakrise. Was die Politik unbedingt von der Corona-Pandemie lernen sollte: Problemlagen können sehr schnell eskalieren.

    Was könnte die Politik aus der Coronakrise noch für die Klimakrise mitnehmen? Die Politikwissenschaftlerin Elvira Rosert hat aus ihrer Arbeit einen wichtigen Schluss gezogen: "Ich habe in der Coronakrise gemerkt, dass es klare Botschaften braucht. Mein Plädoyer: Es braucht ein klares Ziel. Wenn es das gibt, dann sind die Menschen bereit, Einschränkungen in großem Maße zu akzeptieren."

    Außerdem stellt die Politikwissenschaftlerin allgemein fest: Je später die Politik Maßnahmen ergreift, umso teurer werden diese. Frühes Krisenmanagement, das auf den ersten Blick kostspielig erscheint, sei im Endeffekt immer noch kostengünstiger als reaktives Handeln.

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