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Wegen Biber oder Trockenheit? Fischsterben im Grabfeld | BR24

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Biber legen mit ihren Dämmen im unterfränkischen Mühlfeld die Wasserzufuhr immer wieder lahm. Das verursacht jedoch immer mehr Trockenheit und schadet den Fischen. Da der Biber geschützt ist, aber die Fische nicht, entsteht so ein Konflikt.

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Wegen Biber oder Trockenheit? Fischsterben im Grabfeld

Im Grabfeld in Unterfranken sind hunderte Fische verendet. Angler und Behörden streiten darüber, wer Schuld hat - der streng geschützte Biber oder die Trockenheit.

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An der Grenze zu Thüringen, unweit von Mellrichstadt, liegt das idyllische Örtchen Mühlfeld. Der Name sagt es schon: Dort standen einst Mühlen – also muss es ja auch Wasser geben. Tatsächlich fließt der rund vier Meter breite Mahlbach durchs Dorf – oder besser: Er floss dort. Denn seit ein paar Wochen sitzen die Mühlfelder komplett auf dem Trockenen. Und das hat nicht nur mit der anhaltenden Trockenheit zu tun. Vielmehr haben sie ein tierisches Problem, das vor allem die Mitglieder des Angelvereins verzweifeln lässt.

Mühlbach trockengelegt

Normalerweise ist der Mahlbach in Mühlfeld rund vier Meter breit und 60 Zentimeter tief. In diesem Sommer aber ist dort nichts. Zwei Kilometer weiter nördlich fließt der Fallbach – normalerweise. Auch der liegt trocken. Und so kann kein Wasser in Fischteiche abgeleitet werden.

300 tote Weißfische

Die Folge: ein Fischsterben. Rund 300 Weißfische haben die Angler vergangene Woche aus dem Becken geholt – tot. So extrem hat das Frank Rittweger in 35 Jahren als Gewässerbeauftragter noch nicht erlebt. Schuld an der Situation, sagen die Angler, sei der Biber.

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Weil Biber Dämme bauen, verenden andernorts Fische - so passiert im Grabfeld in Unterfranken. Denn die Nager legen die Wasserzufuhr für einen Bach immer wieder lahm und verschärfen damit das Problem der Trockenheit. Doch der Biber ist geschützt.

Fünf Biberpaare legen Bach trocken

Er fühlt sich offensichtlich rund um Mühlfeld pudelwohl – insgesamt haben sich hier gleich fünf Paare angesiedelt. Eines direkt hinter der Grenze in Thüringen. Es sorgt dafür, dass der Fallbach trockenfällt. Damit fehlt Wasser für die Fischteiche und für den Mühlbach. Das Problem: Der Biber ist eine streng geschützte Art – darf also nicht verfolgt oder gar getötet werden.

Reaktion der Behörden

Doch die zuständige Behörde, das Landratsamt Schmalkalden-Meiningen, sieht den Biber gar nicht als Übeltäter. So sei es nicht ungewöhnlich, dass der Fallbach vorübergehend trockenfalle: "Der aus Bayern beklagte Wasserverlust tritt bei Trockenheit somit auch ohne ein Zutun der Biber ein. Eine Zerstörung der Biberdämme und eine Umsiedlung des Bibers würden nicht zur Problemlösung beitragen." Die Angler sind mehr als enttäuscht von der Reaktion aus Thüringen.

Ist gar nicht der Biber schuld?

Auch das Landratsamt Rhön-Grabfeld beschäftigt sich mit dem Fall, sieht aber die fehlenden Niederschläge als Hauptursache für die trockenen Bäche. Trotzdem prüft die Behörde aktuell, ob es eine Lösung geben kann – ob man den Biber vielleicht umsiedelt oder gar "entnehmen" –sprich: töten – darf. Was ist schützenswerter? der Biber oder das Gewässer samt den Tieren? Eine Entscheidung wird es wohl erst nächstes Jahr geben.