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Weg von der Zone: Unterfranken blüht nach Wiedervereinigung auf | BR24

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Die deutsche Wiedervereinigung 1990 führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in Unterfranken. Besonders der Landkreis Rhön-Grabfeld profitierte davon.

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Weg von der Zone: Unterfranken blüht nach Wiedervereinigung auf

Früher Zonenrandgebiet, heute mitten in Deutschland: Unterfranken profitierte unmittelbar von der deutschen Wiedervereinigung. Dank neuer Absatzmärkte in den neuen Bundesländern zieht insbesondere der Landkreis Rhön-Grabfeld eine positive Bilanz.

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Von
  • Frank Breitenstein

Unterfranken hat von der deutschen Wiedervereinigung unmittelbar profitiert. Bis 1989 war die Region Zonenrandgebiet, nun liegt sie mitten in Deutschland: In Bayerns nördlichstem Regierungsbezirk zieht man Dank neuer Absatzmärkte in den neuen Bundesländern auch wirtschaftlich eine positive Bilanz der Entwicklung seit 1990.

Wandel besonders deutlich in der Rhön

Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel in der Rhön. Die Rhön gilt als Land der offenen Fernen. Und doch war sie bis vor 30 Jahren zerschnitten durch die deutsch-deutsche Grenze. Unmittelbar nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begannen die Verantwortlichen in den Bundesländern Bayern, Thüringen und Hessen, ein gemeinsames Konzept für eine grenzenlose Rhön zu erarbeiten.

Schon 1991 war es soweit: das Unesco-Biosphärenreservat verbindet seither Ost und West. Davon hat der bayerische Norden ganz erheblich profitiert, vor allem touristisch.

Norden Bayerns profitiert vom Tourismus

Die extensive landwirtschaftliche Nutzung schafft nicht nur Raum für Natur- und Artenschutz, sondern lockt auch Wanderer oder Fahrradfahrer, im Winter auch Skisportler an, die nicht das Massenerlebnis suchen, sondern den sogenannten sanften Tourismus. Bei dieser Klientel punktet die Rhön auch mit der Vermarktung regionaler Produkte.

Rhön-Grabfeld Gewinner der Deutschen Einheit

Besonders der Landkreis Rhön-Grabfeld zählt zu den wirtschaftlichen Gewinnern der Deutschen Einheit. In den Jahren nach der Wende wuchs die Bevölkerungszahl um rund zehn Prozent an. Der Grenzlandkreis profitierte von Arbeitssuchenden aus dem benachbarten Thüringen. Bis heute pendeln täglich bis zu 4.000 Menschen aus dem Nachbarlandkreis Meiningen nach Unterfranken, sagt Rhön-Grabfelds Landrat Thomas Habermann.

Viele von ihnen haben Arbeit in der Industrie gefunden, etwa bei Siemens oder Preh. Sie alle erfuhren mit der Grenzöffnung neue Entfaltungsmöglichkeiten. Auch das Rhönklinikum konnte dadurch sein Einzugsgebiet ausweiten und ist mittlerweile der größte Arbeitgeber im Grenz-Landkreis.

Bayerische Unternehmen gründen Niederlassung in Thüringen

Vor der Wende sah die Zukunft düster aus, erinnert sich Landrat Habermann. Menschen wanderten ab in die Ballungsräume. Man war auf die Zonenrandförderung angewiesen. Das hat sich mit der Wiedervereinigung zum Guten gewendet, sagt Habermann.

Es gebe zum Beispiel viele Unternehmen, die neben ihrer traditionellen Niederlassung in Bayern inzwischen auch einen Betrieb in Thüringen aufgemacht hätten. "Auch das ist ein Indiz dafür, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit sehr, sehr gut läuft. Ohne die Wiedervereinigung hätten wir heute eine ganz schwierige Situation", sagt Thomas Habermann.

Infrastrukturprojekte Schlüssel für Aufschwung

Gemeint ist damit etwa die im Straßenbau aktive Steinbachgruppe, die auf bayerischer und thüringischer Seite expandierte. Das Unternehmen mit Sitz in Salz bei Bad Neustadt produziert Baustoffe wie Kies und Asphalt. Und die waren für die Wiederherstellung der Verbindungswege zwischen Ost und West gefragt wie nie zuvor.

Nach Ansicht von Ralf Jahn, Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, wurden gerade Infrastrukturprojekte wie die Wiedereröffnung der Bahnlinie Mellrichstadt-Meiningen und der Neubau der A71 nach Erfurt zum Schlüssel für den wirtschaftlichen Aufschwung.

"Das war ungemein wichtig für die mainfränkische Wirtschaft, insbesondere für die Automobilzuliefererindustrie, um die Produktionsstätten in Eisenach, in Leipzig, in Zwickau zu erreichen. Das hat uns wirklich gut getan." Ralf Jahn, Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt

30 Jahre Wiedervereinigung: Neue Horizonte in Unterfranken

Vor 1990 habe Unterfranken wie in einem Dornröschenschlaf gelegen, urteilt die IHK. Mit der Deutschen Einheit hätten sich neue Horizonte aufgetan. Ein klares Indiz dafür ist nach Ansicht der IHK auch die Tatsache, dass sich die Zahl der Mitgliedsbetriebe der mainfränkischen Kammer in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt habe.

Das liege auch an vielen Neugründungen, die es ohne die Chancen eines nun um 17 Millionen Menschen erweiterten Wirtschaftsraumes so nicht gegeben hätte.

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Die deutsche Wiedervereinigung vor 30 Jahren hat der Wirtschaft in Unterfranken einen kräftigen Schub gegeben. Vor allem der Tourismus in den ehemaligen Grenzgebieten kam ordentlich in Schwung.

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