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Grüne fordern, GEW klagt: Wechselunterricht an Bayerns Schulen? | BR24

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Direktorinnen und Direktoren von Bayerns Gymnasien warnen vor den negativen Folgen eines reinen Online-Unterrichts. Allerdings ist man sich in der Politik nicht einig, wie der Schulunterricht in Corona-Zeiten ablaufen soll.

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Grüne fordern, GEW klagt: Wechselunterricht an Bayerns Schulen?

Wie geht es weiter mit Bayerns Schulen? Die Grünen fordern, bis Weihnachten ab der 7. Klasse auf Wechselunterricht umzusteigen. Die Erziehungsgewerkschaft GEW klagt sogar gegen den Präsenzunterricht. Minister Piazolo bleibt vorerst bei seiner Linie.

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Die Vorwürfe der Opposition sind scharf: "Die pennen wirklich, wie der Vatikan", sagte die SPD-Bildungsexpertin Margit Wild über das Kultusministerium. Und Grünen Fraktionschefin Katharina Schulze beklagte, Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) habe sich "im Elfenbeinturm seines Ministeriums verschanzt und den Bezug zur Schulrealität verloren". Die Grünen-Fraktion fordert nun, bis Weihnachten alle Klassen aber der 7. Jahrgangsstufe zu teilen und die Gruppen im Wechsel zu unterrichten.

Förderschulen, Grundschulen und 5. sowie 6. Klassen sollen demnach weiter im Präsenzunterricht arbeiten, allerdings unter Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Anna Toman, betonte, dass Klassen auch in Wirtshäusern und Museen unterrichtet werden könnten. Hier sei Kreativität gefragt.

GEW: Schüler und Lehrkräfte nicht ausreichend geschützt

Die Erziehungsgewerkschaft GEW lässt es nicht bei Forderungen. Mit einem Eilantrag will die Gewerkschaft vor dem Verwaltungsgericht München erreichen, dass der Mindestabstand auch im Unterricht eingehalten wird. "Aus Sicht der GEW ist die Situation an bayerischen Schulen auf keinen Fall mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz vereinbar", hieß es zur Begründung. Schülerinnen und Schüler, sowie Lehrkräfte seien in den Schulen nicht ausreichend vor einer Ansteckung geschützt.

Kultusminister: "Wir sind auf alles vorbereitet"

Kultusminister Piazolo wollte sich zu der Klage der GEW zunächst nicht äußern. Er betonte, dass 95 Prozent der Klassen im Präsenzunterricht seien. Der Minister fügte aber hinzu, dass auch in Zukunft Klassen in den Distanz- oder Wechselunterricht gehen würden. "Für alles sind wir vorbereitet."

Piazolo rechnet mit Blick auf die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder nächsten Mittwoch mit einer Entscheidung zu den sogenannten Hotspots. Dort könnte Wechselunterricht eingeführt werden. Piazolo plädiert allerdings dafür, Grundschüler weiter im Präsenzunterricht zu halten. Die Ministerpräsidentenkonferenz müsste allerdings erst einmal festlegen, was Hotspots sind.

Grüne: Wo bleiben Luftfilter, Verstärkerbusse, Laptops?

Der Kultusminister steht nicht nur wegen des Präsenzunterrichts unter Druck: Kritik von Opposition und Verbänden gibt es auch wegen der schleppenden Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen. Für Luftfilter an Schulen hat die Staatsregierung einen zweistelligen Millionenbetrag zur Verfügung gestellt, Verstärkerbusse, um überfüllte Schulbusse zu vermeiden, bezahlt der Freistaat komplett. Und auch das Geld für Laptops für Lehrer und Schüler ist bereits bewilligt. Für die Umsetzung sind aber eigentlich die Kommunen zuständig.

Grünen-Bildungsexpertin Toman sieht dennoch den Kultusminister in der Pflicht, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. "Es hilft nicht, wenn wir uns hier an Zuständigkeiten abreiben", sagte sie. Wenn es nicht funktioniere, müsse eben der Freistaat Luftfilter und Laptops anschaffen und an die Schulen verteilen. Die FDP geht bei den "digitalen Endgeräten", also Laptops und Tablets, noch weiter. Sie fordert seit Monaten einen Rechtsanspruch der Schülerinnen und Schüler auf ein solches Gerät. Außerdem solle es Schnelltests für die Schulen geben. Ein Testkonzept fordern auch die Grünen. Ganz anders die AfD, die verlangt, sämtliche Anti-Corona-Maßnahmen sofort einzustellen - auch an Schulen.

SPD sorgt sich um benachteiligte Schüler

Konzepte für schwächere Schüler fordert die SPD-Bildungsfachfau Margit Wild vom Kultusministerium. "Ich fürchte, dass die Zahl der Bildungsverlierer größer wird", sagte sie dem BR. Unterstützung für schwächere Schüler finde nicht statt. "Das finde ich ungut."

Kultusminister Piazolo wiederholte, es gehe um ein faires Miteinander innerhalb der Schulfamilie. Man müsse die Erwartungshaltung senken, betonte der Freie-Wähler-Politiker, der für den Nachmittag zu einem internen, virtuellen Dialog mit Vertreterinnen und Vertretern der sogenannten Schulfamilie verabredet war.

Weiter betonte Piazolo, dass die Lehrerbildung in Sachen Digitalisierung auf einem guten Weg sei. Allein am schulfreien Buß- und Bettag diese Woche hätten 18.000 Lehrkräfte an Fortbildungen teilgenommen. Künftig sollen auch an jeder Schule FFP2-Masken für Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden. Damit gibt das Kultusministerium einer Forderung von Lehrerverbänden und Opposition nach. "Also da geschieht einiges", resümierte der Minister, "aber das heißt nicht, dass wir nicht immer wieder nachbessern müssen."

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