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Wechsel, Distanz und Mebis: Wie Bayerns Schüler derzeit lernen | BR24

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Schülerin am Bildschirm (Symbolbild)

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    Wechsel, Distanz und Mebis: Wie Bayerns Schüler derzeit lernen

    Wegen hoher Corona-Infektionszahlen gehen immer mehr bayerische Städte und Gemeinden wieder zum Wechsel- oder Distanzunterricht über. Doch auch in der zweiten Welle gibt es massive Probleme - etwa mit der Lernplattform Mebis und der Quarantäne-Regel.

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    • BR24 Redaktion

    Aufgrund der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen, ist der Präsenzunterricht für ältere Schüler in Bayern derzeit deutlich eingeschränkt. Rund 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler im Freistaat haben ab sofort bis zu den Weihnachtsferien Wechsel- oder Distanzunterricht. Ab der achten Klasse werden die Klassen überall geteilt und gehen in den Wechselunterricht.

    In Hotspots ab 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche sollen die Schüler ab der achten Jahrgangsstufe sogar komplett in den Distanzunterricht gehen. Berufsschüler müssen bis zum Start der Weihnachtsferien ausschließlich zu Hause lernen. Jüngere betrifft das alles nicht – für sie geht der normale Präsenzunterricht weiter – ebenso für Abschlussklassen.

    Umsetzung in München variiert

    Die bayerische Landeshauptstadt zum Beispiel hatte am Dienstag den Corona-Schwellenwert von 200 überschritten. Das bedeutet für die Schülerinnen und Schüler wieder Distanzunterricht - allerdings nicht für alle, und auch nicht sofort. Erst ab Donnerstag (10.12.) haben in München definitiv alle Schüler ab der achten Klasse Distanzunterricht.

    Man wolle den Eltern, Schülern und Lehrkräften die Gelegenheit geben, sich noch auf die neue Situation vorzubereiten, hieß es aus dem Münchner Rathaus. Einige Schulen setzten die neuen Vorgaben aber schon jetzt um. Zumindest einen Tag lang gibt es also innerhalb der Stadt unterschiedliche Regelungen für Schüler ab der 8. Klasse.

    Schule in Ostbayern probiert es mit täglichem Wechsel

    In Ostbayern haben dagegen manche Schulen aus dem Lockdown im Frühjahr gelernt. Das Von-Müller-Gymnasium in Regensburg zum Beispiel gestaltet den Wechselunterricht heute anders als beim ersten Mal. Der Schulleiter Ralf Krottenthaler sagte auf BR-Anfrage: "Im letzten Schuljahr haben wir wochenweise gewechselt, erst die eine Gruppe, dann die andere. Da haben wir gesehen, dass es nicht so optimal läuft. Viele Schüler, die nicht in der Schule sind, verfallen in eine Art Ferienmodus. Wir reagieren damit jetzt, wie viele andere Schulen darauf, indem wir täglichen Wechsel einführen." Dadurch hoffe man, dass die Anbindung an die Schule besser erhalten bleibe, als im wöchentlichen Wechsel, so der Schulleiter.

    Neu ist diesmal, dass die elften Klassen zu Hause bleiben und nicht mehr als Abschlussklasse zählen. Schulleiter Krottenthaler hält das für keine gute Idee. Gerade, weil in der elften bereits Punkte fürs Abitur gesammelt würden.

    Wechselunterricht sei jedoch nicht nur für die Schüler eine große Herausforderung, so Lehrerin Andrea Baumer. Sie unterrichtet Mathe und Physik am Von-Müller-Gymnasium in Regensburg. "Der Unterricht in der Schule wird mir nicht genommen, ich muss noch genauso viel dafür vorbereiten wie vorher", so Baumer. "Zusätzlich soll ich die Schüler zu Hause auch noch am besten hochwertig beschäftigen, das ist ein erheblicher Mehraufwand."

    Wechselunterricht für Hofer Schüler ab 5. Klasse

    In Hof, wo die Sieben-Tage-Inzidenz bei 391 liegt, müssen Schulkinder bereits ab der fünften Klasse in den Wechselunterricht. Das heißt, die Schulklassen werden geteilt und abwechselnd zuhause und in der Schule unterrichtet. Der Wechselunterricht wird derweil nicht überall gleich gehandhabt.

    Main-Spessart: Distanzunterricht ab Klasse acht

    In Unterfranken liegt derzeit nur der Landkreis Main-Spessart über dem Inzidenzwert 200 und hat damit Distanzunterricht. Die Abschlussklassen, seien davon jedoch ausgenommen, so Landrätin Sabine Sitter (CSU). Für die Schüler ab der achten Jahrgangsstufe finde laut Verordnung "kein Unterricht in Präsenzform statt". Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt diese Maßnahmen, kritisiert aber, dass sie nur in Corona-Hotspots gelten.

    Sitter sieht ihren Landkreis für den Distanzunterricht gut vorbereitet. Sie sei seit einiger Zeit mit dem Schulamt und den Schulen in Kontakt. Wo nötig, seien Geräte wie Laptops zur Verfügung gestellt worden.

    Kritik an Lernplattform "Mebis" reißt nicht ab

    Unterdessen scheint es erneut Probleme mit Mebis zu geben. Bayerns Lernplattform steht bereits seit den ersten Schulschließungen im Frühjahr immer wieder in der Kritik. Nun war das Portal ausgerechnet am Morgen des Tages nicht erreichbar, an dem etwa 40 Prozent der bayerischen Schülerinnen und Schüler zumindest teilweise wieder von daheim aus lernen mussten. Es dauerte bis 10:30 Uhr, das Problem zu beheben.

    Grund war laut Kultusministerium ein Caching-Fehler, also der Ausfall eines Zwischenspeichers, der eigentlich den Zugriff auf Seiten beschleunigen soll. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, der Fehler sei nicht wegen zu geringer Serverkapazitäten aufgetreten. Grundsätzlich sei Mebis jedoch gut aufgestellt, so Kultusminister Michael Piazolo gegenüber dem BR: "Wir bauen es aber immer wieder aus, wir werden auch weitere Lasttests machen."

    Kritik kommt von Max Deisenhofer, Grünen-Sprecher für digitales Lernen. Er nennt es ein Armutszeugnis, dass Mebis auch nach acht Monaten Pandemie nicht zuverlässig funktioniere, wenn es gebraucht werde. Ähnlich äußerte sich auch Stefan Lippold, Schulleiter am Peutinger-Gymnasium in Augsburg. Gegenüber dem BR sagte er, dass es bayernweit große Schwierigkeit mit der Lernplattform gebe. Er frage sich, wie das so passieren könne. Dies sei "ein Desaster". Alle seien davon negativ betroffen. Da müsse dringend nachgebessert werden.

    Verkürzte Quarantäne funktioniert nicht überall

    Auch gibt es Verwirrung um eine verkürzte Corona-Quarantäne für Schüler. Ist eine ganze Klasse wegen einem Corona-Fall in Quarantäne, können die Schülerinnen und Schüler mit einem negativen Test nach dem fünften Tag wieder in den Unterricht. In manchen Schulen, zum Beispiel in München, wurde die Regel sofort umgesetzt. Aus anderen Landkreisen gibt es dagegen Meldungen über Verwirrung bei Ämtern, Schulen und Eltern.

    Zeitlicher Verzug bei Weisungen an Ämter

    Dass in seinem Landkreis etwa bisher keine verkürzte Quarantäne gegolten habe, begründete der Landrat von Donau-Ries, Stefan Rößle (CSU), mit Kommunikationsproblemen. Das Schreiben des Gesundheitsministeriums über die Möglichkeit der verkürzten Quarantäne habe sein Gesundheitsamt am 5. Dezember erreicht, die Regeln galten aber bereits seit dem 2. Dezember.

    Generell gebe es in der Corona-Krise immer einen zeitlichen Verzug, zwischen den Ankündigungen des Ministerpräsidenten und der schriftlichen Weisung des Gesundheitsministeriums an die Gesundheitsämter. Da lägen immer Tage dazwischen, sagte Rößle dem BR.

    Gesundheitsministerium weist Kritik zurück

    Das bayerische Gesundheitsministerium verteidigte sich jedoch gegen diese Kritik. Ein Sprecher teilte dem BR mit, es habe keine Verzögerungen gegeben. Er fügte aber hinzu: Weitere Durchführungsbestimmungen seien "in Abstimmung" – liegen also auch eine Woche nach Inkrafttreten der neuen Regeln den Gesundheitsämtern noch nicht vor.

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