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Bildrechte: picture alliance / dpa

Weil Frei- und Hallenbäder wegen Corona geschlossen sind, fallen Schwimmkurse aus und Hunderttausende Kinder können nicht schwimmen lernen. Der deutsche Schwimmlehrerverband rät deshalb: Eltern sollten ihre Kinder daheim ans Wasser gewöhnen.

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  • Artikel mit Video-Inhalten

Wassergewöhnung: Schwimmenlernen beginnt in der Badewanne

Die Schwimmbäder sind coronabedingt dicht: dementsprechend findet aktuell weder Schwimmunterricht noch Babyschwimmen statt. Die Stadt Nürnberg zeigt nun in Erklärvideos, wie Eltern ihre Kinder bereits zuhause an das Element Wasser gewöhnen können.

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Von
  • Constanze Schulze

Die Bäder sind geschlossen, Schwimmkurse finden nicht statt. Das führt dazu, dass viele Kinder bislang nicht gelernt haben zu schwimmen. Täglich rufen Eltern bei Schwimmlehrer Alexander Gallitz an, um zu erfahren wann es endlich wieder losgeht. Mit Blick auf den Sommer, seien viele Familien besorgt, dass ihre Kinder nicht schwimmen können und im Wasser in Not geraten, erzählt Gallitz.

Da viele Kleinkinder schon lange nicht mehr in einem Schwimmbad waren, würden sich zunehmend Ängste vor dem Wasser entwickeln. Deswegen sei es jetzt wichtig, die Kinder spielerisch etwa in der Badewanne oder unter der Dusche ans Wasser zu gewöhnen.

Freibäder geschlossen, Schwimmkurse finden nicht statt

Carina Partl aus der Nähe von Nürnberg versucht genau das mit ihrem dreijährigen Sohn Franz. Immer mal wieder probieren sie ein paar Schwimmzüge in der Badewanne. Carina gießt Franz außerdem mit einem kleinen Becher Wasser über den Rücken und auch mal ganz leicht über den Kopf, damit er sich daran gewöhnt.

Diese kleinen Gewöhnungsübungen hat sie von Erklärvideos von Alexander Gallitz, sie findet die Tipps und Hinweise super. Es sei eine kleine Anleitung, die man zu Hause gut umsetzen könnte. Und wenn man das immer wieder beim Baden und Duschen einbaut, dann verlieren die Kinder die Scheu vor dem Wasser, hat sie festgestellt. Carina übt mit Franz auch zu blinzeln, wenn er Wasser im Auge hat, Franz macht das alles Spaß.

"Mir ist das einfach wichtig, wenn wir irgendwann mal wieder ins Schwimmbad gehen können, dann wünsche ich mir, dass er da einfach Spaß dran hat, wieder ins Wasser zu gehen. Aber ich habe ein bisschen Angst, dass er da keine Lust mehr hat, dass er ein Schwimmbecken nicht mehr kennt und nicht mehr gewohnt ist." Carina Partl, Mutter

Als Franz anderthalb Jahre war, haben sie einen Babyschwimmkurs besucht. Franz hatte Spaß daran und konnte danach mit Schwimmflügeln im Pool paddeln und sich über Wasser halten. Der heute Dreijährige hatte Spaß am Wasser und hat es genossen, im Pool zu sein.

Aber dann kam die Pandemie, die Schwimmkurse konnten nicht fortgesetzt werden. Heute mag er es gar nicht, wenn er Wasser auf den Kopf bekommt. Seine Mutter beobachtet, dass er viel mehr Scheu entwickelt hat. Das will sie ändern. "Ich denke, das ist auch einfach die größte Angst, die man hat oder eine der größten Ängste, dass das Kind einfach auch mal im Wasser in Not geraten könnte und wenn man einfach weiß 'das Kind kann schwimmen', ist man da einfach schon mal ein bisschen sicherer."

Planschen mit dem Ziel, die Angst vor dem Wasser zu verlieren

Wassergewöhnung zu Hause, aus der Not geboren, denn Kurse finden ja nicht statt. Alexander Gallitz aus Nürnberg leitet eine der größten Schwimmschulen im Land. Er nimmt im Nürnberger Langwasserbad die Erklärvideos auf und zeigt darin Übungen zur Wassergewöhnung.

Die Idee ist gemeinsam mit der Stadt Nürnberg entstanden, um Eltern zu unterstützen. Ziel ist es, dass sich keine Ängste entwickeln. Das Seesternchen ist zum Beispiel eine Übung für das Schweben. Gallitz zeigt es im Video. Dabei sollen die Kinder Arme und Beine von sich strecken und auf dem Rücken waagerecht im Wasser schweben.

"In der Badewanne kann man das tatsächlich machen. Logischerweise ist das Kind alleine in der Badewanne. Bitte immer ohne Schaum im Wasser, damit keine Seife in die Augen kommt. Den Kopf halten von außen quasi den Rücken stabilisieren und dann immer mehr die Hände als Hilfsmittel wegnehmen." Gallitz ruft Eltern auf, zu Hause mit den Kindern solche Übungen zu machen. Wasser über den Kopf, dabei ruhig bleiben und auspusten. Kleine Tauchübungen, wenn das Kind mitmacht und sich traut, sind ebenfalls eine Möglichkeit sich auf das Schwimmen vorzubereiten, sagt Gallitz.

"Das ist ja das große Problem, dass ja viele Erwachsene auch ertrinken, weil sie nie gelernt haben, den Kopf unter Wasser zu stecken. Die wenigsten Kinder ertrinken, die meisten sind Erwachsene, die unsichere Schwimmer sind. Deswegen ist es so wichtig, in der Badewanne anzufangen." Alexander Gallitz, Präsident Deutscher Schwimmlehrer Verband e.V.

Die Warteliste für Schwimmkurse ist lang

Wenn Kinder keine Angst vor Wasser haben, könnten sie, wenn die Bäder wieder öffnen viel besser im Schwimmkurs abschneiden, davon ist Gallitz überzeugt. Die Warteliste auf einen Schwimmkurs sei lang und wenn es dann losgeht, wäre es wichtig, dass die Kinder nicht erst noch ans Wasser gewöhnt werden müssten. Franz und seine Mama arbeiten daran: immer mit dem Ziel, dass Franz irgendwann ein sicherer Schwimmer wird.

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