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Waschbären breiten sich aus – Bedrohung vor allem für Vögel | BR24

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Ein Waschbär auf der Suche nach Leckerbissen

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Waschbären breiten sich aus – Bedrohung vor allem für Vögel

Waschbären stammen aus Nordamerika – hierzulande gelten sie als so genannte "invasive Art", die eigentlich nicht ins europäische Ökosystem gehört. Trotzdem breiten sich Waschbären in Bayern immer weiter nach Süden aus.

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1934 wurden Waschbären in Hessen freigelassen, 1945 in Brandenburg. Ausgehend von diesen zwei Zentren breiten sie sich seither im Bundesgebiet aus. In Unterfranken gibt es Waschbären schon seit Jahrzehnten. Und seit den 1980er-Jahren haben sie sich langsam aber stetig immer neue Lebensräume in Bayern erobert. Inzwischen werden erlegte Waschbären auch aus dem Allgäu gemeldet, aus dem Berchtesgadener Land und dem Kreis Passau. Noch gibt es offenbar auch waschbärfreie Flecken südlich der Donau, aber das wird nicht so bleiben, sind sich Experten sicher.

"Da müssen wir davon ausgehen. Der Waschbär breitet sich gerade auch in Wäldern, entlang von Flüssen und so weiter, gut aus. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis Bayern flächendeckend besiedelt ist." Andreas von Lindeiner, Landesbund für Vogelschutz
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Immer mehr Waschbären gibt es inzwischen in Bayern.

Über 170.000 Waschbären von Jägern erlegt

In den meisten anderen Bundesländern ist es längst soweit. 172.594 Waschbären wurden in Deutschland in der Jagdsaison 2017/18 von Jägern erlegt (Quelle: Deutscher Jagdverband). Das ist eine Steigerung um rund 29 Prozent im Vergleich zur Vorsaison. In Bayern waren es im gleichen Zeitraum zwar nur 2.725 (Quelle: Bayerischer Jagdverband). Das sind jedoch rund 20 Mal so viele wie zur Jahrtausendwende.

Bedrohlich sind Waschbären vor allem für Vögel – wie Rebhühner oder Kormorane. Auch Greifvogelhorste räumen sie aus.

"Wir sagen jetzt nicht: Es ist der Weltuntergang für viele Tierarten. Aber wir sind sehr aufmerksam und unsere Jäger sind aufgerufen, Waschbären zu fangen und zu erlegen, wenn es denn möglich ist." Thomas Schreder, Bayerischer Jagdverband

Waschbär auf der Speisekarte?

Im Internet tauschen Jäger Waschbärenrezepte aus – der Geschmack soll an Rindfleisch erinnern. Aber die Tiere sind schlau und schwer zu fangen. Allein mit Flinte und Falle wird sich den Waschbären nicht beikommen lassen, meint Vogelschützer Lindeiner und fordert Managementpläne für Waschbären. Was die genau beinhalten sollen, bleibt jedoch offen.

"Die Ratlosigkeit teilen wir mit den zuständigen Behörden." Andreas von Lindeiner, Landesbund für Vogelschutz

So nimmt die Natur weiter ihren Lauf. Und die Waschbären werden auch südlich der Donau immer öfter anzutreffen sein. Possierlich sind sie ja.

💡 Was sind invasive Arten?

Eine "gebietsfremde" Art konnte sich in einem neuen Gebiet ansiedeln und fortpflanzen. Als invasiv wird sie bezeichnet, wenn sie unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten oder Biotope hat und die heimischen Ökosysteme gefährdet. Beispiele in Europa sind der Waschbär, das Nutria, die Bisamratte oder die Asiatische Hornisse.

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Waschbären kommen aus Nordamerikam und wurden hier vor knapp 100 Jahren ausgewildert.