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Was über die bayerischen Terrorverdächtigen bekannt ist | BR24

© Silas Stein/dpa

Eine Person wird von Polizisten mit zum Bundesgerichtshof gebracht

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Was über die bayerischen Terrorverdächtigen bekannt ist

Nach einer bundesweiten Razzia sitzen seit Freitag zwölf Männer in Haft, weil sie eine Terrorzelle gebildet beziehungsweise unterstützt haben sollen. Drei von ihnen kommen aus Bayern. Was bisher über sie bekannt ist.

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Ermittler haben vergangene Woche eine rechte Terrorzelle hochgehen lassen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach heute von einem "großartigen Erfolg" der Sicherheitsbehörden. Dass der Ermittlungsrichter gegen zwölf Beteiligte gleich Haftbefehle ausgestellt habe, zeige wie ernst die Situation gewesen sei, sagte der CSU-Politiker. Drei der Männer stammen aus Bayern - hier ein Überblick über die bisher bekannten Informationen:

Der Kopf der Gruppe: Werner S.

Werner S. aus Mickhausen bei Augsburg gilt als Kopf der Terrorverdächtigen, weshalb die Ermittler die Gruppe nach ihm benannt haben. Der 53-Jährige, der sich selbst Teutonico nennt, soll nach Informationen des "Spiegel" von den Behörden jüngst als sogenannter Gefährder eingestuft worden sein. Bei der Hausdurchsuchung am Freitag wurde bei ihm eine scharfe Pistole samt Munition gefunden.

Über seine bisherigen Aktivitäten in der rechten Szene ist wenig bekannt, laut dem Antifaschistischen Dokumentationsarchiv "aida" in München taucht sein Name allerdings in einer mehr als zehn Jahre alten Kontaktliste der Münchner NPD auf. Aktiv war Werner S. auf Facebook, wo er mit zahlreichen Gesinnungsgenossen befreundet war, die einschlägige extrem rechte Parolen und Symbole gepostet haben.

Ein früheres Facebook-Profil von S. wurde offenbar gelöscht, was darauf hindeutet, dass er sich dort so explizit geäußert hat, dass die Facebook-Administratoren eingriffen. Werner S. legte sich daraufhin unter dem Aliasnamen Werner Schmidt ein neues Profil zu. In einem Dialog mit einem Facebook-Freund mokierte sich Werner S. über die Sperrung und drohte: "Aber warte noch ein wenig, dann laufen diese Cretinos ohne Hände herum."

Während Werner S. als Kopf der Gruppe gilt, die sich über eine Chatgruppe mit dem Namen "Der harte Kern" vernetzt hat, sind die beiden anderen in Bayern festgenommenen Männer der Unterstützung der Terrororganisation verdächtig. Die Ermittler gehen davon aus, dass von den zwölf Verhafteten insgesamt vier Personen die Terrororganisation gebildet haben, die acht anderen sollen vor allem finanzielle und logistische Unterstützung zugesagt haben. Ob sie sie tatsächlich auch geleistet haben, ist unklar.

"Präsident" einer Bürgerwehr: Frank H.

Frank H. aus München gehört schon seit einigen Jahren zu den bekannten Gesichtern der rechtsextremen Szene in der Landeshauptstadt. Er war insbesondere in selbsternannten Bürgerwehren aktiv, die sich seit 2015 in vielen Städten gebildet haben - und in vielen Fällen das staatliche Gewaltmonopol unterminieren und insbesondere politische Gegner sowie Minderheiten einschüchtern und attackieren wollten.

So bildete sich vor etwa drei Jahren auch in München ein Ableger der ursprünglich aus Finnland stammenden extrem rechten Gruppe "Soldiers of Odin" - mit dabei auch Frank H. Nach einigen Monaten spaltete sich ein Teil der Aktivisten nach internen Streitereien ab und gründete den bayerischen Ableger von "Wodans Erben Germanien" (WEG). Frank H. bezeichnete sich selbst als "Präsidenten" der Gruppe.

Wie "Soldiers of Odin" deutete auch der Name "Wodans Erben" mit seinem Bezug zur nordischen Mythologie auf eine Verbundenheit der Gruppe zur Nazi-Ideologie hin. Wie die Münchner Fachinformationsstelle Rechtsextremismus berichtet, patrouillierten "Wodans Erben" allein im Jahr 2019 mindestens neun Mal durch München, stets martialisch gekleidet in einheitlichen Jacken, T-Shirts, Pullovern und Mützen, die jeweils mit dem Logo der Gruppierung versehen waren. So drang die Gruppe im Februar 2019 im Münchner Stadtteil Moosach in eine Geflüchtetenunterkunft ein, um dort Angst und Schrecken zu verbreiten.

"Wodans Erben" und insbesondere auch ihr selbsternannter Präsident Frank H. waren jedoch auch außerhalb der Landeshauptstadt aktiv, so zum Beispiel in Augsburg bei einem Aufmarsch von rund 200 Neonazis, Rockern und Hooligans unter dem Motto "Rocker gegen Altersarmut". Frank H. beteiligte sich zudem an einem Fackelmarsch von Neonazis auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, der im vergangenen Jahr für einiges Aufsehen sorgte.

Betreiber eines Internetversands: Marcel W.

Auch der dritte Verhaftete aus Bayern, Marcel W. aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm, ist nach BR-Informationen Mitglied bei "Wodans Erben" und bezeichnet sich selbst als "Sergeant at Arms" der Gruppe – also derjenige, der für Ordnung und Sicherheit zuständig ist.

W. ist Betreiber eines Internetversands und droht auf seinem Facebook-Profil politischen Gegnern: "Leg dich niemals mit WEG an, denn wir kennen Orte, wo Dich niemand findet." In einem seiner Posts bedankt sich W. zudem ausdrücklich bei einem gewissen "Teutonico" - das ist der Spitzname von Werner S.

Die Anschlagspläne: Über Angriffe auf Moscheen gesprochen

Die Mitglieder der rechten Terrorgruppe um Werner S. sollen nach ARD-Informationen über Anschläge auf Moscheen gesprochen haben. Wie weit die Pläne gediehen waren, ist derzeit noch unklar. Nach ARD-Informationen gingen Bundesanwaltschaft und Polizei vor allem deshalb am Freitag mit einer bundesweiten Razzia gegen die Gruppe S. vor, weil der Kontakt zu einem V-Mann plötzlich abgerissen war und man um dessen Sicherheit fürchtete.

Insgesamt erinnert der Fall der Gruppe S. stark an die Terrorgruppe "Oldschool Society" (OSS), die vor fünf Jahren von der Bundesanwaltschaft ausgehoben wurde. Auch die OSS rekrutierte sich maßgeblich über Facebook. Die Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet entstammten ebenfalls dem Rocker-Hooligan-Milieu und tauschten sich mittels Chatgruppen über Waffen und Terrorziele aus.

Auch der Chef der "Oldschool Society" stammte aus dem Raum Augsburg, auch die "Oldschool Society" traf sich zu Grillabenden, bei denen dann Terrorpläne geschmiedet wurden. Und auch bei der OSS waren die konkreten Planungen noch nicht sonderlich weit gediehen, als die Behörden zuschlugen. Trotzdem wurden die führenden OSS-Mitglieder im März 2017 vom Oberlandesgericht in München wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung zu Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren verurteilt.

© BR

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat sich schockiert über die Anschlagspläne der mutmaßlich rechten Terrorzelle gezeigt.

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