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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Rolf Vennenbernd

In Bayern fehlen rund 3400 Schüler im Unterricht, weil sie Corona-Schnelltest morgens in den Klassen ablehnen. Daher müssen sie wieder heimgehen und verpassen die Schulstunden. Wie soll ein Lehrer die Test-Verweigerer benoten?

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Was tun mit Testverweigerern in der Schule?

An bayerischen Schulen fehlten 3.400 Kinder in der Schule, weil sie keine Corona-Schnelltests machen wollten. Lehrkräfte fühlen sich allein gelassen. Denn es fehlt an klaren Regeln für den Umgang mit Testverweigerern.

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Von
  • Anna Tillack

3.400 bayerische Schülerinnen und Schüler weigern sich, morgens bei Schulbeginn einen Corona-Test zu machen, und können darum nicht am Präsenzunterricht teilnehmen. Am Ludwig-Thoma-Gymnasium Prien etwa lehnen 12 Kinder oder deren Eltern den Corona-Selbsttest ab und bleiben dem Unterricht fern.

Testverweigerer stellen Schulleitungen vor Probleme

Für Schulleiter Andreas Schaller ist das ein Problem, denn die Schülerinnen und Schüler legen weder Prüfungen ab noch können sie benotet werden. Zwar bekommen sie Angebote des Distanzunterrichts, mit dem normalen Präsenzunterricht sei das aber nicht vergleichbar, sagt Schaller. Der direkte Kontakt zur Lehrkraft sei unersetzlich, außerdem sei es nicht leistbar, den Unterricht für diese wenigen Schüler zu streamen.

Vater betrachtet Tests als Missachtung des Datenschutzes

Vater Wolfgang Veith nimmt den Unterrichtsausfall in Kauf. Er hat zwei Kinder auf dem Gymnasium in Prien. Beide wollen nicht getestet werden und lehnen die Tests nach Aussage der Eltern selbst ab. Seit Anfang Dezember 2020 haben sie ihre Schule nicht mehr von innen gesehen.

Der Vater sieht nicht ein, seine Kinder testen zu lassen. Schließlich seien sie gesund sind und hätten keine Symptome. Außerdem befürchtet er, dass mit der Testung "Tür und Tor geöffnet" für weitere Maßnahmen, die seiner Meinung nach nicht in die Schule gehören und den Datenschutz missachteten.

Piazolo: Testverweigerer sind nur 0,2 Prozent

Da Schülerinnen und Schüler ohne Test das Schulgelände nicht betreten dürfen, gibt es für die Lehrkräfte auch keine Möglichkeit, sie mittels Ausfragen oder Kurzarbeiten zu benoten. Schulleiter Andreas Schaller hat viele Fragezeichen im Umgang mit diesen Schülern. Er habe sich deswegen auch schon öfter beim Ministerium nach dem Umgang mit den Testverweigerern erkundigt, habe aber noch keine Antwort bekommen.

Auf Nachfrage von BR24 betont Kultusminister Michael Piazolo, dass sich eine überwiegende Mehrheit testen lasse. Die Verweigerer stellten nur 0,2 Prozent aller bayerischen Schüler dar. Eine härtere Gangart hält er deshalb nicht für nötig. Es sei nicht möglich, jedem einzelnen Verweigerer "hinterherzulaufen" und ihm oder ihr "all das anzubieten, was wir denen möglich machen, die die Tests machen". Es gebe die Möglichkeit der Nachprüfung, so Piazolo.

Lehrer: Mittlere Reife ohne Nachweise

Doch im Schulalltag gestaltet sich das schwierig: Lehrkräfte berichten von Schülern, die seit Herbst nicht mehr in der Schule anwesend waren, wochenlang keine Noten mehr bekommen hätten und trotzdem ohne Leistungsnachweise die mittlere Reife erlangt hätten.

Darüber hinaus beklagen Lehrkräfte, man lassen den Eltern zu viele Freiheiten - eine konsequentere Durchsetzung der Schulpflicht mit Anwesenheit sei vonnöten. Denn die Leidtragenden seien die Schüler, die aus sozialen und fachlichen Gründen schnellstmöglich wieder am Schulleben teilhaben sollten.

Auch im kommenden Schuljahr könnten ihre Stühle leer bleiben, denn die Selbsttests an Schulen werden weiterhin ein fester Bestandteil im Kampf gegen Corona sein.

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