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Was steckt hinter den Bauernprotesten? | BR24

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In letzter Zeit protestierten Landwirte vermehrt vor Zentrallagern von Supermarktketten - und das bundesweit. Mit der Protestaktion wollen die Landwirte gegen niedrige Preise und den Umgang des Handels mit der Landwirtschaft demonstrieren.

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Was steckt hinter den Bauernprotesten?

In letzter Zeit protestierten Landwirte vermehrt vor Zentrallagern von Supermarktketten - und das bundesweit. Mit der Protestaktion wollen die Landwirte gegen niedrige Preise und den Umgang des Handels mit der Landwirtschaft demonstrieren.

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Von
  • Julia Haas

Rund 300 Landwirte haben Anfang der Woche das Aldi-Zentrallager in Regenstauf im Landkreis Regensburg blockiert. Mit dabei viele Schweinehalter. 1,19 Euro bekommt Schweinemäster Andreas Fischer gerade für ein Kilogramm geschlachtetes Schwein.

Vor neun Monaten lag der Preis noch bei 2,02 Euro. Ein Preisverfall von knapp 60 Prozent. “So brutal wie jetzt, war es noch nie”, sagt Fischer. Momentan zahle er bei jedem Tier drauf. In der Schweinehaltung kommt gerade alles zusammen: Corona-Lockdown, Afrikanische Schweinepest, Exportprobleme.

Machtgefälle zwischen Erzeuger und Handel

Doch auch andere Landwirte protestieren, es geht ihnen nicht nur um die aktuelle Lage. Sie organisieren sich selbst über Whatsapp oder sprechen sich über die Verteiler der Initiative “Land schafft Verbindung” ab. Sie kritisieren das große Machtgefälle, das seit Jahrzehnten zwischen Erzeugern und Lebensmitteleinzelhandel sowie Verarbeitungsindustrie herrscht.

"Alles wird teurer und unsere Preise bleiben gleich." Schweinebauer Andreas Fischer

Gerade, wenn aber auch die Anforderungen und Auflagen an die Landwirtschaft immer mehr werden, sei das irgendwann nicht mehr zu stemmen.

Forderungen an Verarbeitungsindustrie

Diese Agrarpolitik kritisiert auch Hans Foldenauer vom Bundesverband deutscher Milchviehhalter. Unter anderem mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Land schafft Verbindung hat der Verband die Initiative Milchdialog ins Leben gerufen. Auch sie veranstalten Protestaktionen und stellen ihre Forderungen vor allem an die Verarbeitungsindustrie, wie Molkereien und Schlachtereien.

Denn laut Foldenauer seien es ja die Verarbeiter, die die Produkte abnehmen und den Betrag an die Landwirte überweisen. Die Verarbeiter müssten deshalb ebenfalls in die Pflicht genommen werden. Der Milchdialog fordert, dass der Markt langfristig neu geregelt wird.

Niedrigpreisstrategie drückt auf Erzeugerpreise

Doch wer ist konkret verantwortlich für den Preisdruck auf die Landwirte? Marktexpertin Isabella Timm-Guri vom Bayerischen Bauernverband betont, dass gerade der Lebensmitteleinzelhandel mit seiner Niedrigpreisstrategie dazu beiträgt: "Die wird auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen und drückt seit Jahren auf Erzeugerpreise und die Wertschöpfung im landwirtschaftlichen Bereich", sagt Timm-Guri.

Discounter: Ein Euro mehr für Schweinefleisch

Nach den Protesten der letzten Wochen verkündete die Supermarktkette Lidl, dass sie 50 Millionen Euro Soforthilfe an Landwirte ausschütten wolle, allerdings nur, wenn die Bauern Mitglied bei der Initiative Tierwohl sind. Außerdem soll Schweinefleisch einen Euro pro Kilogramm teurer werden. Auch Rewe und Penny wollen den Preis für Schweinefleisch nun anheben.

Handel fordert Eingreifen der Politik

In einer Stellungnahme, die dem BR vorliegt, bestätigte Aldi Süd, dass der deutsche Handel in einem extremen Wettbewerb stehe und man um jeden Cent kämpfe. Der Handel allein könne die Probleme aber nicht lösen, sondern nur die Politik, schreibt Aldi. Eine Abgabe auf den Liter Milch oder das Kilo Fleisch müsse politisch erhoben werden.

Heimische Produkte statt Billigimporte

Marktexpertin Isabella Timm-Guri hingegen betont, dass der Lebensmitteleinzelhandel seine tägliche Einkaufspolitik dringend überdenken müsse. Statt Niedrigpreisen und statt die Landwirte wie Zitronen auszuquetschen, sollte der Einzelhandel heimische Lebensmittel bevorzugen und nicht auf preisgünstigere Importe zurückzugreifen, sagt sie. Denn nicht nur die Corona-Krise, sondern vor allem der ständige Preisdruck auf dem Weltmarkt setze die Landwirte unter Druck.

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