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Heilige Leere: Wenn Kirchen nicht mehr gebraucht werden | BR24

© picture alliance / Arco Images GmbH

Alte, leere Kirchenbänke

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    Heilige Leere: Wenn Kirchen nicht mehr gebraucht werden

    Kirchen, Pfarrhäuser, Gemeindehäuser, Bildungshäuser: Die Kirchen im Freistaat besitzen zahlreiche Gebäude. Ihr Erhalt kostet Geld. In Zeiten von steigenden Kirchenaustritten stellt sich die Frage: Was passiert in Zukunft mit diesen Immobilien?

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    Für 600.000 Euro kann man sie haben: Die evangelische St. Lukas-Kirche in Kelheim-Saal in Niederbayern. So steht es in dem Exposé des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, das im Internet zu finden ist. Ein runder Sakralbau, dazu Gemeindesaal, Pfarrwohnung, ein großes Gartengrundstück sowie eine Garage. Die evangelische Kirchengemeinde, der insgesamt vier Kirchen gehören, hat sich zum Verkauf entschlossen.

    "Die Gemeindegröße ist geschrumpft", sagt Pfarrer Armin Kübler, "es muss wohl fast 6.000 Evangelische im Raum Kelheim gegeben haben, als die Kirche gebaut wurde, mittlerweile hat die Gemeinde nur noch 3.000 Mitglieder."

    Kostenfaktor Immobilien

    Der Erhalt von Kirchengebäuden und Gemeindehäusern ist ein hoher Kostenfaktor. Nach wie vor investieren evangelische Landeskirche und katholische Bistümer in Bayern in Millionenhöhe in ihre Immobilien – für Kirchenrenovierungen, energetische Sanierungen oder Umbauten. Einzige Ausnahme: Das Bistum Würzburg, wo derzeit nur noch die notwendigsten Baumaßnahmen genehmigt werden.

    In der evangelischen Landeskirche wird derzeit genau überlegt, welche Gebäude erhalten und welche aufgegeben werden sollen, sagt Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner. "Die Situation wird schwieriger, die Baumittel werden nicht steigen, sie werden weniger, weil wir jedes Jahr deutliche Baukostensteigerungen haben." Weil zugleich die Mitgliedszahlen in der Kirche abnehmen, müsse auch der Gebäudebestand konzentriert und reduziert werden, so Hübner.

    Evangelische Kirche will jedes fünfte Gebäude aufgeben

    In der evangelischen Landeskirche rechnet man mit rund 20 Prozent der Immobilien, die in Zukunft aufgegeben werden, vor allem Pfarr- und Gemeindehäuser. Kirchengebäude sollen möglichst erhalten bleiben. Auch in katholischen Bistümern wie Bamberg oder Eichstätt macht man sich Gedanken, wie man die Baulast reduzieren kann.

    "Aufgrund sinkender Priesterzahlen werden weniger Pfarrhäuser benötigt", sagt Harry Luck, Pressesprecher des Erzbistums Bamberg. "Wir streben an, Pfarrheime zu verkleinern oder von mehreren Gemeinden nutzen zu lassen. Letztlich wird eine Verringerung von Baulasten vor dem Hintergrund künftig abnehmender Kirchensteuereinnahmen bereits heute intensiv in den Blick genommen."

    Baulasten verringern muss dabei nicht unbedingt Verkauf heißen. In katholischen Bistümern wie Bamberg und Passau werden Immobilien auch in Erbpacht vergeben. Das heißt, die Kirche verpachtet das Gebäude auf bis zu 90 Jahre, bleibt aber Eigentümer. "Vorrangig streben wir an, Immobilien in Erbpacht abzugeben", sagt der Finanzdirektor im Bistum Passau, Josef Sonnleitner, "sollte aber die Vermarktung sehr schwierig sein, insbesondere bei alten Pfarrhöfen, so kann auch ein Verkauf hier in Erwägung gezogen werden."

    Kirchenverkauf macht Schwierigkeiten

    Wie schwierig es ist, eine Kirche zu verkaufen, erlebt zur Zeit Pfarrer Armin Kübler. Seit 2016 ist die evangelische St-Lukas-Kirche in Kelheim entwidmet. Inzwischen steht sie unter Denkmalschutz. Und das bringt noch einmal ganz neue Probleme. "Es gibt Auflagen, auch die freie Fläche ist unter Ensembleschutz, da darf nur ein Flachbau angebaut werden. Was unsere Möglichkeiten sehr einschränkt", sagt Kübler.

    Die Kirche zu behalten, ist keine Option, sagt Armin Kübler. Denn das kann die Gemeinde nicht finanzieren. Deshalb will sie einen Makler beauftragen, der mit denkmalgeschützten Immobilien Erfahrung hat.