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Was können Frauen tun, um der Altersarmut zu entgehen? | BR24

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Knapp 42.000 Frauen in Bayern müssen ihre Rente mit Grundsicherung aufstocken. Was können Frauen tun, um der Altersarmut zu entgehen? Welche Lösungen muss die Politik finden? Wissenschaftlerin Irene Götz hat mit Betroffenen gesprochen.

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Was können Frauen tun, um der Altersarmut zu entgehen?

Knapp 42.000 Frauen in Bayern müssen ihre Rente mit Grundsicherung aufstocken. Was können Frauen tun, um der Altersarmut zu entgehen? Welche Lösungen muss die Politik finden? Die Münchner Wissenschaftlerin Irene Götz hat mit Betroffenen gesprochen.

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Schon heute bekommen fast drei Prozent aller Frauen in Bayern zusätzlich zu ihrer Rente die Grundsicherung im Alter. Dass diese Quote in den letzten Jahren relativ stabil ist, sagt zunächst nichts aus, meint Irene Götz, Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Es gehe auch um das Gefühl, in der Rente kaum noch Möglichkeiten zu haben:

"Vom subjektiven Empfinden ist es bei vielen Frauen durchaus so, dass sie Angst haben vor einem Abstieg. Alles wird teurer, vor allem die Mieten. Die Renten dagegen steigen eigentlich nur wenig. Daher die Befürchtung: Wir sind bedroht und können vielleicht schon die nächste Nebenkostenerhöhung nicht mehr mitmachen." Irene Götz

Private Vorsorge nicht für jeden machbar

Die Wissenschaftlerin warnt davor, dass die private Vorsorge kein Allheilmittel ist. Diese treibe im Gegenteil die soziale Spaltung voran, denn wem kein Geld übrig bleibt am Monatsende, der habe auch nichts, um es für spätere Jahre anzulegen.

Ihr Tipp für Frauen, die in einer Ehe für längere Zeit nicht arbeiten: Die Beträge, die einem dann fehlen, könnte der Partner in eine private Altersvorsorge einzahlen.

Viele Frauen gehen lieber nicht zum Sozialamt

Dass die offiziellen Zahlen nicht die ganze Wahrheit sagen, stellt Irene Götz auch in ihrem Buch "Kein Ruhestand - Wie Frauen mit Altersarmut umgehen" dar. Darin hat sie mit Kolleginnen 50 Frauen zwischen 65 und 85 Jahren in München interviewt. Dass viele Frauen den Weg zum Sozialamt scheuen, liegt auch an einer verbreiteten Scham: Frauen wollen ihren Kindern nicht zur Last fallen, sie nicht um Geld bitten, obwohl es bereits gewisse Freibeträge gibt, die die Kinder nicht belasten.

"Man muss viel darüber sprechen, auch mit den Kindern. Selbst in den Familien ist häufig nicht klar, wie wenig Geld den Eltern zur Verfügung steht. Und auch politisch muss sich etwas tun: Die Diskussion um die Grundrente trägt dazu bei, dass sich jüngere Menschen schon frühzeitig mit dem Alter auseinandersetzen und vorsorgen." Irene Götz

Götz glaubt zwar, dass die Generation der heutigen Rentnerinnen noch besser mit Armut umgehen kann, weil viele von ihnen auch die Jahre nach dem Krieg erlebt haben und dadurch wissen, wie man in einer Mangelwirtschaft zurechtkommt. Das könnte in Zukunft für jüngere Generationen aber schwieriger werden.

Die Politik muss Veränderungen herbeiführen

In Sachen Grundrente hat sich Irene Götz klar positioniert. Die Autorin spricht sich für eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung aus. Diese Prüfung würde Menschen zu "Almosenempfängern" machen, meint sie.

Es müsse eine eigenständige Rente sein, die nicht von den Familienverhältnissen abhängt. Frauen sollten in ihrer Selbstständigkeit gewürdigt werden, so Götz.

"Es gibt Studien, etwa von der Hans-Böckler-Stiftung, die zeigen, dass maximal zehn Prozent derer, die jetzt Grundrente beziehen könnten, noch jemanden zuhause haben, der ein Einkommen hat. Und wenn ein wohlhabenderer Partner im Haushalt ist, wird das ja über die Steuer bereinigt. Unsere Interviewten haben gesagt: Wir wollen selbstständig bleiben und nicht zu Bittstellerinnen werden. Sie gehen lieber nicht zum Sozialamt, weil sie dort durchleuchtet werden." Irene Götz

Auch die Grundrente würde nicht allen gerecht

Trotzdem bleibt auch die Grundrente für Götz nicht die Lösung aller Probleme: Zwar könnten bei den geforderten 35 Jahren Erwerbstätigkeit großzügigere Erziehungs- und Pflegezeiten angerechnet werden, aber wer gesundheitsbedingt deutlich früher in Rente gehen muss, bliebe außen vor.

Und in Städten wie München wird man selbst mit einer Grundrente kaum in einem Single-Haushalt leben können. Der Vorteil im Vergleich zur Grundsicherung im Alter wäre, dass Frauen – sofern sie es körperlich noch schaffen – sich etwas dazu verdienen können.