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Was junge Handwerker auf der Walz fürs Leben lernen | BR24

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Zimmerer Kilian Ahlborn 2016 auf der Walz.

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    Was junge Handwerker auf der Walz fürs Leben lernen

    Zimmerer Kilian Ahlborn war fast drei Jahre lang auf der Walz - ohne festes Zuhause, ohne Telefon, nur ein paar Habseligkeiten im Rucksack. Die alte Tradition der Wanderschaft ist wieder im Kommen. Was hat er auf der Walz fürs Leben mitgenommen?

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    Als STATIONEN 2016 den Zimmermann Kilian Ahlborn auf der Walz trifft, ist dem 24-Jährigen vor allem eines wichtig. Er schwärmt von der ultimativen Freiheit: "Ich bin niemanden Rechenschaft schuldig. Wenn es mir nicht passt, gehe ich wieder", sagte er damals.

    Der gelernte Zimmermann aus Unterfranken hielt mit seiner Walz eine uralte Tradition aufrecht: Zwei Jahre und sieben Monate lang war er als Geselle auf Wanderschaft - ohne Telefon, ohne festes Zuhause. Nur mit einem Rucksack ausgestattet zog er los. Seine Reise führte ihn durch Deutschland, Österreich, die Schweiz und sogar bis nach Alaska. "In Alaska haben wir gelernt, aus wenig oder gar nichts, viel zu machen", erzählt Kilian. "Das war die Herausforderung, dass man einfach nicht denselben Werkzeugstandard hat wie in Deutschland. Wenn man in einer deutschen oder einer Schweizer Zimmerei ist, dann ist man Premium ausgestattet. In Alaska war es die Kunst, möglichst viel rauszuholen. Das hat ganz gut geklappt."

    Das Leben nach der Walz

    Seit eineinhalb Jahren lebt Kilian Ahlborn wieder in seiner Heimatstadt Würzburg. Nach der Wanderschaft hat er sich für ein Studium als Bauingenieur eingeschrieben, doch nach vier Semestern hatte er genug - "zu viel Stahl und Beton", sagt Kilian. Heute geht er auf die Meisterschule. Er ist seinem alten Handwerk, der Zimmerei, treu geblieben. Kilian wohnt nun in einer Wohngemeinschaft und hat seine Familie wieder näher bei sich. Aber die Umstellung war anfangs hart.

    Was ist die Walz?

    "Walz" nennt man die Zeit der Wanderschaft eines Handwerksgesellen nach Abschluss seiner Gesellenprüfung. Diese Tradition besteht bereits seit dem 12. Jahrhundert: Junge Handwerker ziehen durchs Land, um andere Regionen, Kulturen, aber vor allem auch neue Fertigkeiten in ihrem Fach kennenzulernen.

    Lange war die Walz eine Voraussetzung für die Meisterprüfung. Mittlerweile dürfen auch Frauen auf die Walz gehen. Bei den Vogtländern reisen seit 1910 Zimmerleute, Maurer, Dachdecker, Steinmetze und Bautischler für mindestens zwei Jahre. Ihre Bedingungen sind der Besitz eines Gesellenbriefes, dass man ledig und schuldenfrei sowie Mitglied in der Gewerkschaft ist. Außerdem gibt es feste Regeln, die eingehalten werden müssen: So muss der Wandergeselle immer seine traditionelle Zunftkluft tragen - dazu gehören Hut, gedrehter Wanderstab, Zunfthose und Zunftweste mit acht Knöpfen. Außerdem:

  • Hab und Gut: Er muss alles bei sich haben und er darf kein Geld für seine Reise ausgeben.
  • Wohnsitz: Er hat keinen festen Wohnsitz. Er schläft, wo er Arbeit bekommt oder in Herbergen
  • Bannkreis: Der Wandergeselle darf sich nicht näher als 50 km seinem Heimatort nähern
  • "Als ich wieder zu Hause war, habe ich vermisst, nicht mehr alles am Mann zu haben", erzählt Kilian. Auf Wanderschaft hatte er immer alles bei sich, alles war in seinem traditionellen Sack auf der Walz griffbereit."Nun steht er vor Schwierigkeiten, die er auf der Walz nicht hatte, etwa die Frage: "Wo ist der Schlüssel?"

    Wenig Besitz, viel Vertrauen

    Kilians Ziel ist es, bald seinen Meistertitel in der Tasche zu haben. Er hat während seiner Wanderjahre einen Zimmermann kennengelernt, der es gerne sehen würde, wenn er sich selbstständig machen und mit ihm zusammenarbeiten würde.

    "Das ist eine Option, aber es gibt noch viele weitere Optionen. Ich bin da zum Glück noch nicht so festgelegt", sagt Kilian. Seine Freiheit hat er sich behalten und eine wichtige Erfahrung, die er auf der Walz machte: "Ich habe gedacht: Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück. Wenn ich Leuten helfe, dann wird mir auch geholfen. Und wenn es nicht der ist, dem ich helfe, dann ist es jemand anderes. Das ist irgendwie ein Kreis. Der Kreis schließt sich am Ende eh immer."

    Mehr über den Zimmerer Kilian Ahlborn erfahren Sie in STATIONEN am Mittwoch, den 15.1.2020 um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.