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Was ist los mit Gorilla Thomas im Nürnberger Tiergarten? | BR24

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Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert den Nürnberger Tiergarten scharf. Nach ihrer Meinung soll ein verhaltensauffälliger Gorilla jetzt "umerzogen" werden. Tiergarten-Chef Dag Encke weist die Kritik strikt zurück.

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Was ist los mit Gorilla Thomas im Nürnberger Tiergarten?

Gorilla Thomas im Nürnberger Tiergarten hat für Schlagzeilen gesorgt, weil er sich gegenüber Besuchern mit Teleobjektiven aggressiv verhalten hat. Die Maßnahmen, die der Tiergarten deshalb ergriffen hat, stießen bei Tierschützern von PETA auf Kritik.

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Von
  • Ursula Schmidt

Der Silberrücken im Tiergarten Nürnberg hat eine Abneigung gegen große Fotoapparate und macht in seinem Gehege Krawall, wenn er von Besuchern fotografiert oder gefilmt wird. Zuletzt hat er sogar mit Holzstückchen geworfen, das ist gefährlich für die Besucher des Tiergartens Nürnberg. Jetzt soll er desensibilisiert werden.

Gorilla fühlt sich durch Kamera belauert

Gorilla Thomas inspiziert vor dem Gehege die Lage: sind die Besucher mit großen Kameraobjektiven und Selfiesticks auf der Jagd nach DEM Foto vom Silberrücken, dann fühlt er sich belauert. Dabei "liest" der Menschenaffe die Körperhaltung und –spannung des Fotografen. "Es ist das sogenannte große Auge, vor dem er sich wie auch andere Tiere in der freien Wildbahn belauert fühlt", so Tiergartendirektor Dag Encke.

Schreie, Imponiergehabe, Steinchen und Hölzchen

Gorilla-Männchen Thomas empfindet das als Herausforderung, und nimmt diese auch an, mit der schlechten Angewohnheit, dann etwas nach dem vermeintlich großen Auge zu werfen." Meist verzieht sich der 18-jährige Gorilla-Mann, trommelt auf seinen muskelbepackten Körper oder stößt einen Schrei aus, der durch Mark und Bein fährt und die Besucher zurückweichen lässt. Die letzte Eskalationsstufe hat Thomas erreicht, als er sich zuletzt gezielt kleine Steinchen oder Holzstücke zurechtgelegt und die Fotografen damit beworfen hat.

Schutzmaßnahmen für den Gorilla

Zuletzt hat der 195-Kilo-Kollos ein Holzstück weit über 20 Meter geworfen – die Konsequenz: die Besucherplattform ist gesperrt, aus der Ferne machen ihm die Fotografen keine Angst mehr. Außerdem wurden neue Sträucher am Rande des Geheges gepflanzt – dahinter kann sich der Silberrücken gut verstecken. Und: Gorilla Thomas hat während der Corona-Quarantäne ein Kameratraining bekommen – also eine Desensibilisierung.

Kameratraining als Desensibilierungsstrategie

Eine kleine Forschungsgruppe mit Studenten und Zoomitarbeitern übt seit Wochen mit Thomas den Umgang mit dem "großen Auge", den großen Film- oder Fotoobjektiven und langen schwarzen Stöcken, wie etwa Selfisticks. Das Training hat zunächst zwei Stufen, erklärt Revierleiterin Dagmar Fröhlich. Erstens soll der Gorilla die Anwesenheit der Gerätschaften akzeptieren, und weiterhin die "Statisten" – also Zoomitarbeiter, die Besucher mimen – sich nicht von Thomas' Affentheater beeindrucken lassen. Wenn Thomas sich entspannt, gibt es eine Belohnung. So verknüpft er die Objektive nicht mehr mit etwas Bedrohlichem. Zusätzlich soll in den kommenden Tagen ein Netz vor dem Außengehege angebracht werden, um die Besucher vor möglichen Wurfattacken zu schützen. Auch auf diese neue Situation wird der Gorilla vorbereitet.

Tierrechtler sind gegen die Affenhaltung

Die Tierschutzorganisation PETA hält das Desensibiliserungsverfahren für grundlegend falsch. Das Verhalten des Gorillas dürfe nicht an die Besucherströme des Tiergartens angepasst werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Tiergartendirektor Dag Encke widerspricht, und erklärt, dass in zoologischen Gärten die Interessen beider Seiten gewahrt werden müssen, die des Menschen und der Tiere.

Thomas hat einen Ruf zu verlieren

Der sehr stattliche Gorilla ist seit Herbst 2018 in Nürnberg und kann sich nur sehr schwer mit dem Leben als Foto-Superstar anfreunden. Seine Rolle als Chef der Gorilla-Truppe, Haremsbeschützer und frischgebackener Papa füllt er aber sehr gut. Dazu gehört auch, so Tierpflegerin Dagmar Fröhlich, sich vor möglichen Herausforderern wie fotografierenden Besuchern aufzupumpen und rumzubrüllen. Das finden "seine Mädels" genauso gut, wie Thomas' sanfte Seite.

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