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Kraftwerk Franken in Nürnberg Gebersdorf

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    Was Fernwärme ist – und was sie für Nürnberg bedeutet

    Nach dem brandbedingten Ausfall des "Kraftwerk Franken" ist die Wärmeversorgung durch mobile Ersatzanlagen wieder weitgehend hergestellt. Welche Rolle spielt Fernwärme in Nürnberg und wie wird sie erzeugt und verteilt? BR24 hat nachgefragt.

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    Von
    • Stanislaus Kossakowski

    Nach dem Brand im Block 1 des Kraftwerk Franken ist nicht absehbar, wann die Anlage wieder laufen wird. Doch was bedeutet das für die Wärmeversorgung der Stadt Nürnberg?

    "Mutter aller Gas- und Dampf-Kraftwerke"

    Das Kraftwerk Franken ist für den Betrieb der Fernwärme in Nürnberger eigentlich nur ein Aushilfsposten. In klirrend kalten Wintern wie diesem hat das älteste bestehende Kraftwerk der Stadt die Aufgabe, das zentrumsnahe Haupt-Fernwärmekraftwerk Sandreuth zu unterstützen. Die Technik, mit der es arbeitet, ist ein Vorläufer der heutigen Gas- und Dampf-Kraftwerke, die wegen ihres hohen Effizienzgrades Verbreitung gefunden haben. In der Fachwelt gilt das Kraftwerk Franken daher als "Mutter aller GuD-Kraftwerke".

    Fernwärme-Anteil in Nürnberg beträgt 25 Prozent

    Im Stadtgebiet von Nürnberg kommt genau ein Viertel der Wärmeversorgung aus Fernwärmetechnik. Das Leitungsnetz für die Fernwärme ist 350 Kilometer lang. Rund 5.500 Gebäude sind daran angeschlossen. Nach Angaben der Netzbetreiberin N-Ergie werden auf diese Weise 65.000 Haushalte mit Heiz- und Warmwasser versorgt.

    Kraftwerk Franken bei Fernwärme nur noch Aushilfsposten

    Insgesamt liefern bis zu sieben Heizkraftwerke in Nürnberg 940 Megawatt Leistung. 90 Prozent davon erzeugt das Heizkraftwerk im Stadtteil Sandreuth. Das Kraftwerk Franken ist für den Ergänzungsbetrieb vorgesehen und kann im Normalfall bis zu 30 Megawatt ins Fernwärmenetz zuliefern. Diese Energie kam bislang aus Block 1 des Kraftwerks, das jetzt bis auf weiteres außer Betrieb ist. Der Energieträger, den das Kraftwerk für die Gewinnung von Warmwasser und Heißdampf verbrennt, ist so genanntes leichtes Heizöl.

    Drei Heißwassernetze in Nürnberg

    Das Nürnberger Fernwärmenetz besteht aus drei Heißwassernetzen. Zwar sind diese Netze technisch miteinander verbunden. Die Übernahme von Heißwasser von einem in einen anderen Netzkreis ist aber nicht möglich, erläutert der Energieversorger N-Ergie auf Anfrage von BR24. Kommt es an einem Heißwassernetz zu Engpässen, muss eine der dezentralen Zusatzanlagen die Leistung steigern beziehungsweise – so wie Block 1 des Kraftwerk Franken – überhaupt erst hochgefahren werden. Der Block 2 des Kraftwerks erzeugt im Dauerbetrieb Strom und steht nicht in Verbindung mit der Fernwärmeerzeugung, betont der Anlagenbetreiber Uniper.

    Fernwärme gilt als umweltfreundliche Technik

    Fernwärme gilt als umweltfreundlicher Energieträger, da die angeschlossenen Gebäude keine eigene Heizanlage benötigen. Der Verbrauch von Brennstoffen wie Öl, Gas oder Holz entfällt. Die eigentliche Heizung ist gewissermaßen das Kraftwerk selbst, das über isolierte Fernleitungen warmes Wasser für Heizung und Bad liefert. Moderne Kraftwerke nutzen für die Fernwärmegewinnung überwiegend Abwärme, die sonst als Nebenprodukt bei der Energieerzeugung unverbraucht an die Atmosphäre abgegeben würde. Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen nutzen die Abwärme und liefern so ein Beitrag zu effizientem Energieverbrauch.

    Künftige Technische Universität soll ans Fernwärmenetz

    Allerdings ist für Verbraucher Fernwärme teurer als andere Heiztechniken, was vor allem an der Monopolstellung des örtlichen Anbieters liegt. Denn in den meisten Städten und Gemeinden liegt die Fernwärmeversorgung in den Händen des kommunalen Energieversorgers. Nach Angaben des Versorgers N-Ergie soll der neu geplante Stadtteil Lichtenreuth, auf dem die Technische Universität Nürnberg (TUN) errichtet wird, mit Fernwärme erschlossen werden.

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