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Was ein Augsburger über die Bombennacht herausfand | BR24

© Stadtarchiv Augsburg / BR

Zerbombtes Augsburg

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    Was ein Augsburger über die Bombennacht herausfand

    In der Augsburger Bombennacht vor 75 Jahren starben Hunderte, weit über 4000 Häuser wurden zerstört. Der Augsburger Hans Grimminger kennt fast alle Details dieser Nacht. Zum Beispiel die Geschichte mit dem gefrorenen Löschwasser.

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    Die Nacht vom 25. auf den 26. Februar ist als schwerster Luftangriff der Allierten des 2. Weltkriegs in die Stadtgeschichte eingegangen. 730 Menschen wurden getötet, 1.300 verletzt, 80 000 wurden obdachlos, weit über 4000 Häuser wurden zerstört.

    Einer, der diese Nacht bis ins Detail studiert und nachrecherchiert hat, ist der Augsburger Hans Grimminger. Der Mann aus dem Stadtteil Bärenkeller hat dazu sogar britische und US-amerikanische Militärarchive besucht. Er weiß wie kaum ein anderer, welche Bombe wo in Augsburg detoniert ist, hat dafür etwa die Abwurfkarten eingesehen, mit denen die Briten die Bombenwürfe dokumentiert hatten.

    Bomben in der bitterkalten Nacht

    Neben 380 High-Capacity-Bomben, den so genannten Häuserblockknackern, gingen 22.000 Flüssigbrandbomben und Hundertausende von Stabbrandbomben auf Augsburg nieder, so Grimminger.

    Bitterkalt war die Nacht, mit minus 18 Grad war es sogar so kalt, dass das Löschwasser eingefroren war. "Es ging dabei ums Anzünden, die wussten, dass Augsburg eine alte Stadt ist mit viel Holz", meint Grimminger. Ziel der Briten sei es gewesen, einen Feuersturm zu entfachen, das aber sei nicht gelungen, weil der Wind gedreht hatte, so Grimminger. Dennoch waren die Zerstörungen massiv.

    Amerikaner und Briten fliegen Angriffe

    Und: es gab viele Industrieanlagen mitten in der Innenstadt. Augsburg sei "an der Reihe gewesen", so Grimminger. Bereits am Tag hatten amerikanische Bomber am 25.2.1944 einen Angriff auf die Messerschmitt-Werke im Süden der Stadt geflogen, 320 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter 230 KZ-Häftlinge. Im Zuge der "Big Week", in der die Alliierten planmäßig die deutsche Rüstungsindustrie zerstören wollten, "da war Augsburg dran, das war bis dahin noch relativ unbeschädigt".

    Nach den Amerikanern kamen die britischen Bomber in zwei Wellen. Die Briten, so Grimminger flogen nur in der Nacht, weil sie im Gegensatz zur US-Luftwaffe keine Begleitjäger zum Schutz hatten. Es gab einen Angriff vor Mitternacht und einen Angriff nach Mitternacht.

    Der Wind macht Lechhausen zum Ziel der Bomben

    Beim ersten Angriff hatten die Briten beste Sicht, bei der der zweiten Welle waren daher bereits viele Alarmanlagen kaputt. Den Zielpunkt setzten die Briten auf den Platz vor dem Augsburger Dom. Weil der Wind aber stärker weht, als berechnet, versetzte sich die Markierung. In der Folge schlugen etliche Bomben etwas abseits der Innenstadt im Stadtteil Lechhausen ein.

    Dort in der Nähe landete auch die tonnenschwere Bombe, die dafür sorgte, dass am 1. Weihnachtsfeiertag 2016 rund 50.000 Augsburger ihre Häuser verlassen mussten. Um den brisanten Fund zu entschärfen, wurde die Innenstadt großflächig evakuiert. Die Bombenhülle ist heute bei der Augsburger Berufsfeuerwehr zu besichtigen.

    "Frieden um jeden Preis"

    Grimminger war im Nationalarchiv in Washington, im US-Luftwaffenarchiv in Alabama, im Nationalarchiv in London und im Freiburger Bundesarchiv, um zu recherchieren. Der heute 74-Jährige hat bereits in den 70er Jahren angefangen, sich für das Thema umfassender zu interessieren, nachdem er selbst als Kind viel von seinen Eltern und Verwandten dazu erzählt bekommen habe, und selbst zwischen den Ruinen aufgewachsen war - "das hat mich geprägt".

    Der Augsburger Bombenexperte Hans Grimminger hat für sich mittlerweile ein ganz persönliches Fazit gezogen: „Von den Bombentoten in Augsburg waren die allermeistem Zivilisten - Frauen, Kinder und alte Leute. Eigentlich kann es deshalb nur heißen, Frieden um jeden Preis.“