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Was bleibt von Nürnbergs Kulturhauptstadtbewerbung? | BR24

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Nürnberg hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um Kulturhauptstadt zu werden. Am Ende hat es aber nicht gereicht. Chemnitz erhielt vor einer Woche den Titel. Wie geht es nun in Nürnberg weiter?

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Was bleibt von Nürnbergs Kulturhauptstadtbewerbung?

Nürnberg hat in den vergangenen Jahren viel investiert, um Kulturhauptstadt zu werden. Am Ende hat es aber nicht gereicht. Chemnitz erhielt vor einer Woche den Titel. Wie geht es nun in Nürnberg weiter?

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  • Tina Wenzel

Über Jahre haben sie hart an der Kulturhauptstadtbewerbung gearbeitet: Das Team des Nürnberger Bewerbungsbüros. Bis Ende Januar laufen noch ihre Verträge, dann wird das Team aufgelöst. In der Zeit heißt es aufräumen, dokumentieren und abrechnen. "Die drei Monate, die jetzt vor uns stehen, sind für die Kultur in Nürnberg sehr wichtig", sagt der Leiter des Bewerbungsbüros Hans-Joachim Wagner. Welche Ideen können weiterverfolgt werden, welche nicht?

Ohne Titel weniger Förderung

Im Zentrum steht die Frage: Wie viel Kultur kann sich Nürnberg in Zukunft überhaupt noch leisten – und das in Zeiten der Corona-Krise und klammer Kassen? Mit hohen Fördersummen, die der Kulturhauptstadt-Titel mit sich gebracht hätte, kann Kulturbürgermeisterin Julia Lehner nun nicht mehr rechnen. Immerhin hat der Freistaat Bayern zwei Millionen Euro zugesagt. Auch der Bund wird den Städten, die in der Endausscheidung waren, Mittel überweisen, sagt Lehner. Wie hoch diese sind, steht noch nicht fest.

"Das hässliche P-Wort: Priorisierung"

Wie viel Geld die Stadt Nürnberg selbst im kommenden Jahr für die Kultur aufbringen wird, werden die Haushaltsverhandlungen zeigen, die in zwei Wochen starten. Einfach werden sie nicht – der Stadt sind wegen der Corona-Krise Einnahmen weggebrochen. Gleichzeitig stehen bereits mehrere Kultur-Großprojekte an: Die Sanierung des Opernhauses und des Dokuzentrums sind zwei große Brocken. Was das für die Zukunft anderer kleinerer Kulturprojekte aus dem Bewerbungsprozess bedeutet, bringt der Leiter der städtischen Museen, Thomas Eser, auf den Punkt: "Man muss das hässliche Wort, das P-Wort, die Priorisierung, jetzt auch offen aussprechen."

Raum für Künstler im Fokus

So stehen zum Beispiel die Ideen rund um das Albrecht-Dürer-Haus aus dem Bewerbungsprozess auf Halt. Drängender sind andere Projekte: Das Museum für Industriekultur zum Beispiel will Thomas Eser auf jeden Fall neu aufstellen. Dringend nötig sei es auch, Räume für Nürnberger Künstler zu schaffen, betont der Leiter des Bewerbungsbüros Hans-Joachim Wagner – ob in der ehemaligen NS-Kongresshalle oder der Alten Feuerwache, wie im Bewerbungsbuch vorgestellt. "Ohne Räume ist es schwierig für die Szene voranzukommen und damit Nürnberg zu einem international attraktiven Standort für junge Kreative zu machen", sagt Wagner.

Neue Dynamiken vs. starres Verwaltungshandeln

Unbezahlbar sind wiederum die Dynamiken, die während der Bewerbungsphase entstanden sind. Stadt und Kulturschaffende haben diskutiert und sich neu vernetzt. Doch es gibt auch einen Rückschlag, aus Sicht der freien Szene. In der Nacht vor der großen Jury-Entscheidung hatte ein anonymes Künstlerkollektiv die Zeppelintribüne bunt angemalt. Die Stadt Nürnberg ließ in kürzester Zeit die Farbe entfernen – da diese den Naturstein angreifen soll – und erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt. Die Nürnberger Kulturszene ist empört. "Die Stadt hat mit Verwaltungshandeln reagiert. Ein symbolträchtiges Werk wurde einfach abgewaschen", sagt Hanna Rentschler vom Soziokulturprojekt Heizhaus.

Ob die Aufbruchsstimmung aus der Bewerbungsphase anhält, die nötigen Gelder fließen und Nürnberg damit eine vitale Kulturstadt bleibt, wie die Stadtspitze verspricht, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen.

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