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Warum die Sanierung des Deutschen Museums so teuer wird | BR24

© BR/Ulrich Trebbin

Statt 450 Millionen Euro soll die zehn Jahre dauernde Generalsanierung des Deutschen Museums 600 Millionen Euro Kosten - also ein Drittel mehr. Aber warum? Ein Besuch auf der Baustelle.

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Warum die Sanierung des Deutschen Museums so teuer wird

Statt 450 Millionen Euro soll die zehn Jahre dauernde Generalsanierung des Deutschen Museums 600 Millionen Euro Kosten - also ein Drittel mehr. Aber warum? Ein Besuch auf der Baustelle.

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400 Bauarbeiter und Handwerker von rund 100 Firmen sind auf der Museumsinsel in der Isar zu Spitzenzeiten unterwegs. Ihre Aufgaben greifen ineinander wie die Zahnräder eines Uhrwerks: Wenn einer länger braucht oder bestimmte Baumaterialien zu spät angeliefert werden, können andere nicht weiterarbeiten.

Kostenpunkt 1: Die Verzögerung

Alle Beteiligten müssen sich beeilen, denn jeder Tag mehr auf der Baustelle kostet Geld. Allein der erste von zwei Bauabschnitten ist jetzt schon mindestens ein halbes Jahr im Verzug. Eigentlich sollte der erste Bauabschnitt nämlich im Mai nächsten Jahres fertig sein, und 19 Teilausstellungen sollten wiedereröffnen; dann wurde der Termin auf Oktober 2020 verschoben, aber selbst dieses Datum ist laut Deutschem Museum nicht mehr zu schaffen. Jetzt wird es also 2021. Damit scheint auch der endgültige Abschluss der Sanierung zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2025 fraglich. Wie viele Millionen dieser Verzug kostet, kann das Deutsche Museum nicht beziffern.

Kostenpunkt 2: Maroder Beton

Das Deutsche Museum ist vor fast 100 Jahren unter anderem mit Eisenbeton gebaut worden - damals ein innovatives Material. Bei der Generalsanierung hat sich gezeigt, dass viele Wände und Decken ganz oder teilweise marode sind oder den heutigen statischen Anforderungen nicht mehr standhalten. Schließlich müssen sie eines Tages tonnenschwere Ausstellungsstücke tragen. Das waren Überraschungen für das Deutsche Museum: Denn nach über 1.000 Probebohrungen war man sicher, ein klares Bild vom Zustand des Bauwerks zu haben. Jetzt mussten ganze Wände und Decken neu gebaut werden. Außerdem mussten viele Decken mit Stahlträgern und Armierungen verstärkt werden. Eine millionenschwere Aufgabe, so das Deutsche Museum.

Kostenpunkt 3: Gestiegene Preise

Den größten Brocken der 150 Millionen Euro, die die Generalsanierung mehr kostet als geplant, verursacht laut Deutschem Museum aber die derzeit boomende Baukonjunktur. Mit der gestiegenen Nachfrage verlangen die Firmen nämlich auch mehr Geld für ihre Leistungen. Auf eine Ausschreibung antworten die Firmen entweder gar nicht oder sie verlangen saftige Preise. Viele Angebote liegen um 100 Prozent oder mehr über den veranschlagten Kosten, weil die Baufirmen den Preis bestimmen können.

"Es gibt dann genau zwei Lösungen: Sie können die Ausschreibung zurückziehen und neu ausschreiben. Man bekommt dann im nächsten Schritt unter Umständen ein günstigeres Angebot, im schlimmsten Fall bekommen Sie aber eines, das noch teurer ist.“ Gerrit Faust, Pressesprecher des Deutschen Museums

Außerdem kostet eine neue Ausschreibung wieder Zeit und auch die kostet Geld. Laut Gerrit Faust vom Deutschen Museum steigen die Preise im Baubereich derzeit jedes Jahr im zweistelligen Prozentbereich.

Kostenpunkt 4: Das Museums-Restaurant mit Dachterrasse

Ursprünglich waren im generalsanierten Deutschen Museum nur kleine Imbissstationen geplant. Nach Planungsbeginn hat sich das Haus aber für ein großes und hochwertiges Restaurant mit Dachterrasse entschieden - nach eigener Aussage der einzige Luxus nach Abschluss der Planungen. Schließlich brauche ein Museum, in dem sich die Besucher sechs Stunden und mehr aufhalten, ein vernünftiges Restaurant, wo sie sich erholen und die Eindrücke verarbeiten können. Das Restaurant wird übrigens samt Dachterrasse und Blick über Isar und Stadt auch für Besucher von außen geöffnet sein – auch abends. Finanziell sei das aber der kleinste Posten - auch hier nennt das Deutsche Museum keine Zahlen.

Nicht an den Ausstellungen sparen!

Gerrit Faust vom Deutschen Museum hofft, dass die öffentliche Hand für die zusätzlichen 150 Millionen Euro einspringt. Denn diese Summe verschlingen ja die Rohbauten und nicht die Ausstellungen, auf die es am Ende doch ankomme.

"Und wenn jetzt diese ganzen Baukostensteigerungen am Ende dazu führen, dass wir unsere Ausstellungen nicht mehr auf dem qualitativen Level fertig bauen können, den die Besucher vom Deutschen Museum gewohnt sind, das wäre wirklich jammerschade." Gerrit Faust, Pressesprecher des Deutschen Museums
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Baustelle Deutsches Museum

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