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Warum viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aufgeben | BR24

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2015 war eine große Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen zu erleben. Heute hat sich die Situation verändert, es gibt immer weniger Ehrenamtliche. Die, die sich engagieren, geraten oft an ihre Grenzen und beenden ihre Tätigkeit.

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Warum viele ehrenamtliche Flüchtlingshelfer aufgeben

2015 war eine große Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen zu erleben. Heute hat sich die Situation verändert, es gibt immer weniger Ehrenamtliche. Die, die sich engagieren, geraten oft an ihre Grenzen und beenden ihre Tätigkeit.

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"Wir hatten ein sehr offenes Haus als Kind, da kamen viele aus arabischen Ländern zu uns, aus dem Iran oder Jordanien. Ich fand das spannend und hatte keine Berührungsängste." Michaela Wollenberg-Hodges aus Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck arbeitet seit fünf Jahren als Asylkoordinatorin. Sie berät Geflüchtete, hilft bei Anträgen und begleitet zu den Behörden. Alles ehrenamtlich.

Immer weniger Flüchtlingshelfer

Seit der großen Welle an Hilfsbereitschaft im Jahr 2015, sagt Michaela Wollenberg-Hodges, hätten viele Freiwillige aufgegeben. Von den 40 Ehrenamtlichen, die in Maisach tätig gewesen wären, seien noch etwa zehn übrig. Viele verzweifelten an der Bürokratie, aber auch an der deutschen Asylpolitik. Das bestätigt Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat: Die Zahl der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe schrumpfe, unter anderem würden vielerorts keine Paten für Geflüchtete mehr gefunden.

"Ehrenamtliche wenden sich frustriert ab, weil sie es nicht mehr aushalten", beobachtet auch Elisabeth Ramzews, die bei der Inneren Mission München den Sozialdienst für Flüchtlinge und Asylsuchende leitet. "Das hat mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu tun, die in Berlin verabschiedet worden sind - die das Leben für Leute ohne Bleibeperspektive unerträglich machen. Das macht auch die Arbeit der Ehrenamtlichen unerträglich."

Helfer kommen an ihre Grenzen

Es ist ein Spagat, den die ehrenamtlichen Helfer vollziehen: Sie wollen helfen, erleben aber tagtäglich, wie sie an ihre Grenzen stoßen. Für Andrea Gummert, die hauptamtlich als Ehrenamtskoordinatorin bei der Caritas Fürstenfeldbruck arbeitet, geht es deshalb darum, zu schauen, was ein Ehrenamtlicher überhaupt leisten kann.

"Ich sage auch oft zu den Ehrenamtlichen: 'Lasst uns die Aufgaben suchen, wo wir sie wirklich auch weiterbringen können, und uns nicht verkämpfen in diesem Behörden-Hin-und-Her.'" Weniger Formalitäten, mehr Begegnung, das wäre ihr Wunsch - auch für neue Ehrenamtliche, die mit ihren Ideen zur Beratung kommen. "Wichtige Dinge wären auch Kleinst-Angebote zu entwickeln", sagt sie. Zum Beispiel ein schönes Sommerfest in einer Unterkunft.

Das sieht Michaela Wollenberg-Hodges ähnlich. Als ehrenamtliche Koordinatorin hat sie zwar viel mit Bürokratie zu tun. Es sind jedoch die zwischenmenschlichen Begegnungen, die sie in den fünf Jahren ihres ehrenamtlichen Engagements bei der Stange gehalten haben. "Wenn ich in den Unterkünften sitze und einen Chai und Kekse angeboten bekomme - das tut gut zu sehen: Deine Arbeit ist nicht für nix, es kommt Wertschätzung zurück."

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