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Warum Neuschwanstein weltberühmt geworden ist | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Schloss Neuschwanstein ist eine Bildikone, eine Marke, ein Mythos. Tausendfach auf Souvenirs und Werbeartikeln weltweit abgedruckt und sogar mehrfach nachgebaut. Wie wurde das Schloss zu einem derart beliebten Besuchermagneten?

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Warum Neuschwanstein weltberühmt geworden ist

Ein romantischer Sehnsuchtsort, eine lukrative Marke. Täglich werden in der Hochsaison bis zu 7.000 Touristen durch das Schloss Neuschwanstein geschleust. Und das, obwohl es nie für die Öffentlichkeit gedacht war.

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Es ist eine der bekanntesten Bildikonen der Welt: Schloss Neuschwanstein wurde tausendfach auf Souvenirs und Werbeartikeln weltweit abgedruckt und sogar mehrfach nachgebaut. Für die einen ist es ein romantischer Sehnsuchtsort, für die anderen vor allem eine lukrative Marke. Bereits wenige Wochen nach dem Tod König Ludwigs II wurde es für Besucher geöffnet.

Heute werden in der Hochsaison bis zu 7.000 Touristen täglich durch das Schloss geschleust. Und das, obwohl Neuschwanstein nie für die Öffentlichkeit gedacht war. Ludwig II. wollte es ganz für sich allein. Ausgerechnet dieses Schloss ist zur weltweiten Bildikone mit jährlich 1,5 Millionen Besuchern geworden.

Nachts arbeiten Restauratoren

Der Erfolg von Neuschwanstein ist Fluch und Segen zugleich. Die Region um Hohenschwangau lebt von den Touristenmassen, aber sie bedeuten gleichzeitig puren Stress. Auch das Schloss selbst leidet unter ihnen, denn durch die vielen Besucher wird das Interieur stark beansprucht. Zahllose Finger berühren die Wände und beschädigen die Farbe, auf den Leuchtern setzt sich der Staub aus der ganzen Welt ab. Hinzu kommt die Feuchtigkeit. Um die Schäden zu beheben, müssen die Restauratoren nachts arbeiten, weil Schließungstage nicht in Frage kommen. Die Touristenmaschine muss weiterlaufen.

Eine Agentur hätte es nicht besser hinbringen können

Die paradoxe Geschichte von Neuschwanstein bringt Kunsthistoriker Marcus Spangenberg auf den Punkt:

"Ludwig II. hätte in keiner Weise gewollt, dass Fremde sein Schloss betreten. Das wäre sein Grauen gewesen. Aber durch die Art und Weise wie er gebaut hat, wie er das Schloss abgeschlossen hat vor der Öffentlichkeit, hat er selbst die Grundlage für diesen Tourismus gelegt. Eine Agentur hätte es gar nicht besser hinbringen können als der Bauherr selbst, der aber genau das nicht vorhatte." Marcus Spangenberg, Kunsthistoriker

1886 verbringt Ludwig II. die letzten Tage seines Lebens auf Neuschwanstein, bis er am 12. Juni 1886 in Gewahrsam genommen wird, weil er als geisteskrank gilt. Einen Tag später ist er tot. Der Beginn eines Mythos. Sofort beginnen die Leute, das Schicksal ihres Königs mit Neuschwanstein zu verbinden. Menschenmassen versammeln sich vor dem Tor. Bereits im Eröffnungsjahr besuchen 18.000 Touristen Neuschwanstein. Heute, 150 Jahre später, kommt dieselbe Personenzahl innerhalb von drei Tagen.

Wahnsinnig fotogenes Objekt

Die Gestalt des Bauwerks passt auch zur Romantisierung der Berge im 19. Jahrhundert. "Neuschwanstein ist auf die Welt gekommen als Tourismusmagnet, als eine Alpensehnsucht begann", sagt Markenexperte Christian Blümelhuber von der Universität der Künste in Berlin. "Es ist einfach ein wahnsinnig fotogenes Objekt". Dass nahezu zeitgleich zur Entstehung Neuschwansteins die Fotografie und Ansichtkarten als Medium aufkamen, machte die weiße Fassade des Schlosses inmitten seiner grandiosen alpinen Umgebung weithin bekannt.

1946 setzte die Tourismus-Maschinerie ein

Während vor 1945 Neuschwanstein nicht intensiver beworben wurde als die anderen Schlösser Ludwigs II., änderte sich das mit der Besetzung Bayerns durch die Amerikaner nach dem Kriegsende. Ab 1946 setzte die Maschinerie des Bayern-Tourismus ein, von allen Schlössern speziell Neuschwanstein zu vermarkten.

Walt Disney ließ sich inspirieren

Verstärkt wurde diese Entwicklung durch Walt Disney, der wohl selbst mit seiner Frau in Neuschwanstein war und sich dort inspirieren ließ für sein Märchenschloss im Film "Cinderella". Dank großer Nachbauten in Disney-Parks wie Orlando oder Tokyo erleben dieses Schloss Millionen von Menschen. "Das schöne ist, dass Disney es irgendwie geschafft hat, klarzumachen, wo das Orginial steht", sagt Markenexperte Blümelhuber.

"Die Bayerische Tourismus GmbH, oder wer immer werben würde, kann Millionen rausballern – sie würden nie den Werbewert erzeugen, denn Disney kostenfrei für Neuschwanstein liefert." Markenexperte Blümelhuber
© dpa

Eine große Nachbaut von Schloss Neuschwanstein steht im Disneyland in Florida.

© dpa

Auch in Kaliforniens Disneyland steht ein von Neuschwanstein inspiriertes Schloss.

© dpa

In Shanghai's Disneyland steht das größte Disney-Schloss - freilich angelehnt an Neuschwanstein.

Kunsthistoriker Spangenberg, der selbst Neuschwanstein-Kitsch wie Butterdosen oder Salami mit Aufdruck des Schlosses sammelt, hält es sogar für denkbar, dass Disneys Studiomitarbeiter auch weitere Anklänge aus dem Schloss für ihre Arbeit übernommen haben. So wird etwa vermutet, die Waldabbildung aus der Gralssage im Sängersaal von Neuschwanstein könnte die Inspirationsquelle gewesen sein für Disneys Bambi.

Bayern will sich für Neuschwanstein um den Unesco-Weltkulturerbetitel bewerben. Viele hoffen, dass dann endlich die Besucherzahlen begrenzt werden.