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Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Die Feuchtgebiete sind nicht nur wichtige CO2-Speicher, sie bieten auch seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum. Ortstermin im Haspelmoor bei Fürstenfeldbruck.

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Warum Moore das Klima retten können

Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Die Feuchtgebiete sind nicht nur wichtige CO2-Speicher, sie bieten auch seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum. Ortstermin im Haspelmoor bei Fürstenfeldbruck.

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"95 Prozent der deutschen Moore sind kaputt", sagt Cornelia Siuda. Die Landschaftsplanerin streift durch das Haspelmoor in der Nähe von Fürstenfeldbruck. Ihre Stiefel sinken nur leicht in den Boden ein: "Das Moor ist kaum mehr nass, sondern an der Oberfläche fast ausgetrocknet". Man könnte jetzt die Nachteile für die Tier- und Pflanzenwelt bedauern, schließlich sind Moore ein zentraler Lebensraum für viele Arten, die auf der Roten Liste stehen. Doch auch für den Menschen ist der Erhalt der Moore enorm wichtig. Denn wer sie zerstört, schafft einen Klimakiller.

Moore haben große Bedeutung

Werden Moore trockengelegt, dann verschwindet mit dem Wasser gewissermaßen ihr Deckel. Mikroorganismen beginnen, Torf zu zersetzen, der über Jahrtausende abgelagert wurde. Der Kohlenstoff reagiert mit Sauerstoff aus der Luft zu Kohlendioxid. Auch Lachgas, das sogar noch um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2 ist, wird freigesetzt.

Die Bedeutung der Moore ist nicht zu unterschätzen: Sie speichern doppelt so viel Kohlendioxid wie alle Wälder der Erde zusammen. Vor über hundert Jahren begann vielerorts ihre Entwässerung, mit dem Ziel, Torf zu gewinnen, der als Heiz- und Brennstoff diente. Auch heute wird Torf noch industriell abgebaut als Hauptbestandteil von Blumenerde.

Moorgebiet wird wiederbelebt

Ausgetrocknete Moore lassen sich oft wieder renaturieren. Meist wird ein Damm errichtet, um Wasser zu stauen. Läuft alles wie geplant, saugt sich der Boden voll, das Moor fängt von neuem an, zu wachsen und Kohlendioxid zu speichern. In Münsing am Starnberger See steht man noch ganz am Anfang. "Das sieht erstmal nicht so schön aus", sagt Elisabeth Pleyl vom Landratsamt Bad Tölz. Abgesägte Bäume liegen neben großen Erdhaufen, die ein Bagger aufgeschüttet hat. Auf einer Fläche von 60 Hektar soll wieder ein richtiges Moorgebiet entstehen. Der Freistaat Bayern fördert Renaturierungen seit Jahren, auch weil sie günstiger als andere Maßnahmen sind, die CO2 einsparen und das Kohlenstoffdioxid etwa im Gegensatz zum Wald auch dauerhaft einlagern.

Natürlicher Hochwasserschutz

Ganz nebenbei sind Moore ein wichtiger Wasserspeicher. Moose können sich wie ein Schwamm vollsaugen und geben die Feuchtigkeit erst langsam wieder an die Umwelt ab. Bei tagelangem Starkregen können sie so wirksam vor Hochwasser schützen. Trotz vieler Vorteile ist es nicht immer einfach, alle Beteiligten zu überzeugen, sagt Pleyl. Für das Projekt hatte sie mit fast hundert Eigentümern gesprochen. Manchmal bekommt sie die Flächen unentgeltlich, möglich sind aber auch Pacht oder Kauf. Bis alles wieder ist wie früher, kann es dauern, sagt Pleyl. "Man kann ein Moor schnell zerstören, aber es vergehen manchmal Jahrzehnte, bis es vollständig renaturiert ist."

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