Mit einer verpflichtenden Frauenquote wollte CSU-Chef Söder die Partei umgestalten. Dieser Plan scheiterte beim Parteitag krachend an den Stimmen der Basis. Auffallend bei der Debatte war, dass vor allem junge Frauen gegen die Quote sind.
Jünger, weiblicher, digitaler sollte die CSU werden. So der Plan von Parteichef Markus Söder. Beim Parteitag vor knapp zwei Wochen in der Olympiahalle in München ging das aber gründlich schief. Weil die Basis sich dagegen stemmte, gibt es - anders als geplant - keine verpflichtende Frauenquote auf Kreisebene. Vor allem junge Frauen halten nicht viel von der Quote.
Mehr Frauen, aber wie?
"Ich möchte keine Quotenfrau sein", sagt Gina-Maria Mojr. Sie ist 19 Jahre alt und Mitglied der Jungen Union (JU) Garmisch-Partenkirchen. Mojr ist sich sicher, dass sie ohne Frauenquote in der Politik Erfolg haben wird.
Nur weil es auf Kreisebene einen verbindlichen Frauenanteil gibt, kommen nicht mehr Frauen zur CSU - davon ist auch die stellvertretende JU-Landesvorsitzende Stefanie Hümpfner überzeugt.
Die jungen CSU-Frauen wollen andere Frauen mit Themen für ihre Partei gewinnen und mit anderen Veranstaltungsformaten. Vorschläge dafür gibt es genug: familienfreundliche Sitzungszeiten und ein verbindliches Ende für Sitzungen beispielsweise.
Heftige Debatten bei Parteitag
Dass die CSU für Frauen attraktiver werden soll, ist unumstritten. Über den Weg dorthin wurde auf dem Parteitag vor knapp zwei Wochen heftig debattiert. "Wir schneiden bei den jungen Frauen verheerend ab", konstatierte CSU-Chef Söder. Seine Parteispitze und die Frauenunion traten für die verbindliche Frauenquote in Kreisvorständen ein.
Nach vielen, teils sehr emotionalen Wortbeiträgen gegen die Quote und dem eindringlichen Appell von Vorstands- und Kabinettsmitgliedern für einen verbindlichen Frauenanteil kam als Kompromiss eine freiwillige Quote für Kreisvorstände heraus.
Als Debakel werteten aber viele den Verlauf der Debatte. Die 19-jährige Gina Mojr meint, viele wollten nicht die schnelle Schlagzeile, dass die CSU weiblicher sei durch die Quote. Sie wollten, dass sich wirklich etwas ändert für Frauen in der Partei.
Delegierter: "Warum sitzen da drei Typen?"
Ein Delegierter äußerte beim Parteitag die Kritik, dass die Sitzungsleitung "drei Typen" seien. Eine Wortwahl, die Parteichef Söder kritisierte. Allerdings legt sie offen, was einige Quotengegner denken.
Zugespitzt lässt es sich so formulieren: Die Parteispitze will den Kreisverbänden eine verbindliche Quote aufzwingen. Der Parteichef, der Generalsekretär und der Vizegeneralsekretär sind aber allesamt Männer.
Frauen sehen Männer mit Angst vor Machtverlust
Kompetente Frauen, die etwas werden wollen in der CSU, schafften das ohne Quote. Davon ist Melissa Goossens überzeugt. Und das, obwohl die stellvertretende JU-Landesvorsitzende selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht hat.
"Es gibt immer Männer, die Angst haben, dass sie Macht verlieren. Und da wird dann versucht, die Frau an den Rand zu drängen." Melissa Goossens, stellvertretende JU-Landesvorsitzende in Bayern
Sie habe aber die Erfahrung gemacht, dass es zum Erfolg führt, wenn man für seine Interessen einsteht. Ihr Rat an junge Frauen in der Politik: Sie sollen sich mehr zutrauen, machtbewusster sein, sich auf gute Positionen bewerben und dafür kämpfen.
Frauenunion: Frauen hinterfragen sich mehr
Viele in der Frauenunion argumentieren anders. Eine verbindliche Quote würde die Kreisvorsitzenden zwingen, mehr auf Frauen zuzugehen, sagt Ulrike Grimm, Vorsitzende der Frauenunion im Bezirk München. Denn Frauen würden sich mehr hinterfragen und müssten deshalb öfter aufgefordert werden, für ein Amt zu kandidieren.
"Das können die Männer vielleicht ein Stück weit lernen, dass sie mehr auf uns Frauen zugehen." Ulrike Grimm, Vorsitzende der Frauenunion im Bezirk München
Der Streit über die Frauenquote offenbart einen Generationenkonflikt: Viele junge Frauen glauben, dass sie die Quote nicht brauchen. Erfahrenere Frauen argumentieren meist für eine Quote.