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Junge Frauen beim Fußballspielen

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Warum immer weniger Mädchen in Bayern Fußball spielen

Egal ob Förderung oder Jahresgehalt: Bayerische Fußballerinnen haben Männern gegenüber das Nachsehen. Ein Grund, warum die Zahl der Mädchenmannschaften in den letzten zehn Jahren um fast die Hälfte zurückging. Manche Teams trotzen dem Trend jedoch.

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Katharina Grießemer hat es in die Auswahl der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft geschafft. Elf Tore erzielte die heute 33-Jährige für die U-19. Angefangen hat sie beim SV Leerstetten, einem kleinen Verein im mittelfränkischen Landkreis Roth mit 3.500 Einwohnern. Vor 30 Jahren hatten fünf junge Frauen beschlossen, beim SV ein Frauenfußball-Team zu gründen. "Seither waren die Frauen immer erfolgreicher im Fußball als die Männer", sagt der Vereinsvorsitzende Peter Weidner.

"Du musst die richtige Person finden"

Der Grund für den Erfolg: engagierte Trainerinnen und Trainer. Sylvia Schreyer ist seit 1998 Cheftrainerin beim SV Leerstetten. 2013 bekam sie für ihr Engagement den Ehrenamtspreis des Bayerischen Fußball-Verbandes. "Sylvia hat den Frauenfußball in Leerstetten groß gemacht, mit teilweise sieben verschiedenen Teams", erzählt Weidner.

Ähnliches berichtet auch Wolfgang Scheidacker, Vorstand beim SV Weinberg: "Du musst die richtige Person finden, eine, die engagiert ist." Die Frauen seines Vereins waren bayerischer und süddeutscher Meister, spielten in der Regionalliga, Bayernliga und der 2. Bundesliga.

© Katharina Pfadenhauer/BR

Die Frauenfußballmannschaft des SV Leerstetten

Wertschätzung ist auch Frage des Geldes

Das hohe Engagement ist nötig, weil die Rahmenbedingungen im Frauenfußball immer noch so schlecht sind. 1989 wurden die deutschen Nationalspielerinnen Europameister. Als Prämie gab es für jede ein vollständiges Kaffee-Service. Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Frankreich hätten sie für den WM-Titel 75.000 Euro Prämie erhalten, die Männer im Jahr zuvor: 350.000 Euro. "Männerfußball ist immer noch höher angesehen", sagt Scheidacker. "Selbst die dritte Liga ist bei den Herren gut bezahlter Fußball. Auch die Zuschüsse sind ungleich."

In der zweiten Bundesliga bekam sein Frauenteam 35.000 Euro Zuschuss vom DFB. Mit dem Geld konnte der Verein Fahrtkosten, Unterkunft und Schiedsrichtergebühren begleichen, aber wie Scheidacker erklärt: "Wenn du absteigst in die Regionalliga ist es sofort bei null."

Immer weniger Mädchen spielen in Bayern Fußball

Insgesamt gibt es in Bayern derzeit 712 Mädchen-Fußballmannschaften - vor zehn Jahren waren es fast doppelt so viele. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) sagt dazu: Frauenfußball, das bedeutet - besonders auf dem Land - viel Zeit investieren, viel Eigen-Engagement, viel Fahrerei, eben einen enormen Kraftakt. "Wir als Fußball-Verband sind gefordert, den Vereinen klar zu machen, welches Potential im Mädchen- und Frauenfußball liegt", so Silke Raml, Vize-Präsidentin des Bayerischen Fußball-Verbands und Vorsitzende des Ausschusses für Mädchen- und Frauenfußball beim DFB. "Hier können sie Mitglieder gewinnen, um zukunftsfähig zu bleiben."

Ein Problem ist Raml zufolge auch, dass es heutzutage mehr Freizeitangebote gibt als vor zehn Jahren. Mit dem Projekt "Ballbina kickt!" will der BFV Vereinen helfen, neue Mädchenfußballmannschaften zu gründen: "Wer noch keine hat, den unterstützen wir finanziell, dass sie einen Trainer finden, außerdem gibt es Materialpakete."

Familiäre Atmosphäre und Zusammenhalt

Als der SV Weinberg dieses Jahr von der 2. Bundesliga in die Regionalliga abgestiegen ist, hat der Frauenkader zusammengehalten, keine ist gegangen. "Unsere Mädels sind ein eingefleischter Haufen", schwärmt Scheidacker. "Wir haben ein enges Verhältnis, das ist wie eine kleine Familie."

Diesen Zusammenhalt erlebt auch Peter Weidner beim SV Leerstetten. 2002 hat er den Verein übernommen und eine Weihnachtsfeier erlebt, die er nicht vergessen wird: "Die Fußballerinnen haben ein fünf Stunden Programm mit Rock-Konzert hingelegt. Das war fernsehreif, da waren 200 Leute in der Halle. Und diese Begeisterung haben sie verstanden, auf den Fußball zu übertragen." Auch so etwas macht Weidner zufolge einen Frauenfußballverein erfolgreich.

© BR Fernsehen

Deutschlandweit sind die Zahlen im Mädchenfußball seit 2011 rückläufig. Laut einer Studie der Uni Würzburg hat sich in Bayern fast jedes zweite Juniorinnen-Team aufgelöst. Besonders dramatisch ist die Lage in Nordbayern.