Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Warum es mit der Artenvielfalt am Straßenrand noch nicht klappt | BR24

© BR/Herbert Ebner

In Traunstein sind die Mittelstreifen mit Wildblumen begrünt. Das freut die Bienen - und das Auge.

7
Per Mail sharen
Teilen

    Warum es mit der Artenvielfalt am Straßenrand noch nicht klappt

    30.000 Hektar - so viel Grünfläche gibt es an bayerischen Straßenrändern. Eine Chance für die Artenvielfalt - die allerdings oft wenig genutzt wird. Auch aus Sicherheitsgründen.

    7
    Per Mail sharen
    Teilen

    Addiert man sämtliches sogenanntes Straßenbegleitgrün in Bayern, erhält man eine weitestgehend zusammenhängende, unversiegelte Fläche fast so groß wie das Stadtgebiet von München. Wertvolle Rest-Natur für Pflanzen und Insekten, meinen Naturschützer. Seit dem 1. August ist der schonende Umgang mit diesen Flächen auch im Begleitgesetz zum Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ festgehalten. Darin heißt es unter anderem: „Begrünte Teile der […] Straßenbegleitflächen sind bei Staatsstraßen mit dem Ziel zu bewirtschaften, die Luftreinhaltung, die Artenvielfalt und den Biotopverbund zu fördern“.

    Sicherheit geht vor Artenvielfalt

    Doch an vielen Orten in Bayern sieht man nach wie vor auf wenige Zentimeter gestutztes Gras an Rand- und Mittelstreifen. Die Vorgaben kommen vom Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Für die Pflege der Grünflächen neben den Fahrbahnen sind je nach Region und Straßenart Autobahndirektionen, Bauämter oder Gemeinden zuständig. Der drei bis vier Meter breite Abschnitt direkt neben den Straßen wird als intensiver Bereich bezeichnet. Da geht es um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, also um freie Sicht auf Schilder, Reflektoren, Begrenzungen und auf die Fahrbahn. Hier wird bis zu dreimal im Jahr gemäht.

    Am besten gar nicht mähen, wo es möglich ist

    Für die Artenvielfalt interessanter ist der Abschnitt dahinter, der auch mehrere Meter breit sein kann. Herbert Rebhan, Sachgebietlsleiter Naturschutz von der Regierung von Oberfranken sagt: „Hier sollte man mit der Mahd warten, bis die Pflanzen ausgesamt haben. Das heißt, am besten nicht vor Mitte, Ende Juni mähen.“ Das sei im Bereich der Staatlichen Baumamts Bayreuth Standard, betont Stefanie Braun, die hier als Landschaftspflegerin arbeitet. Ihre Aufgabe besteht darin, die Belange des Naturschutzes und die Vorgaben der Straßenmeistereien in Einklang zu bringen. Und sie fügt hinzu: „Es gibt auch Bereiche, in denen wir gar nicht mähen. Und für die Zukunft ist es angedacht, dass man schon darüber sprechen kann, wo es weitere Bereiche gibt, in denen eine Mahd nicht erforderlich ist.“

    Alte Methoden und Zwänge treffen auf neue Herausforderungen

    Ein Kritikpunkt der Naturschützer ist auch die Art und Weise des Mähens. Es wird nämlich nicht gemäht, sondern gemulcht. Das bedeutet: Das Mähgut bleibt auf der Fläche liegen und bedeckt den Boden. Das ist schlecht für die Insekten. Um das zu ändern, müsste man neue Mähgeräte anschaffen. Kurt Schnabel vom Staatlichen Bauamt Bayreuth sieht hier eine Chance: „Das ist eine Aufgabe für die Zukunft zu prüfen, ob es Geräte gibt, die auch mit einer vernünftigen Technik ausgestattet sind, aber für die Insekten verträglicher arbeiten können.“

    Letztendlich haben Naturschützer und Behörden dasselbe Ziel: die Artenvielfalt zu fördern. Die Behörden haben sich auf den Weg gemacht, stecken aber zum Teil noch in alten Abläufen und mit den Zwängen herkömmlicher Arbeitsgeräte fest. Die Naturschützer würden den Prozess allerdings gerne auf der Überholspur sehen.