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Das Leben der Milchbauern ist hart, sagt die Bauernfamilie Popp.
© Bayerischer Rundfunk
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Das Leben der Milchbauern ist hart, sagt die Bauernfamilie Popp.

Mittags, auf einem Bauernhof südlich vom Ammersee. Maximilian Popp ist seit Viertel vor sechs auf den Beinen. Er hat schon 30 Kühe gemolken, gefüttert, den Stall aufgeräumt - und die Geburt eines kleinen Bullen betreut. "Ich stehe 365 Tage im Jahr im Stall, stehe jeden Tag früh auf. In den letzten zwei Tagen haben wir vier frische Kälber gekriegt. Das ist dann nochmal mehr Arbeit", sagt er. Seine Mutter fügt hinzu: "Das Leben der Milchbauern ist hart. Jeden Tag Arbeit, keine Freizeit, kein Urlaub."

Ein klassischer Grünland-Voralpen-Milchviehbetrieb

Der Hof der Familie in der Gemeinde Pähl hat 100 Hektar Fläche. 150 Tiere stehen im Stall, 60 geben Milch, der Rest ist Nachzucht. "Ein klassischer Grünland-Voralpen-Milchviehbetrieb", sagt Maximilian Popp.

Maximilian Popp, 32, möchte den Hof bald von seinen Eltern weiterführen.

Maximilian Popp, 32, möchte den Hof bald von seinen Eltern weiterführen.

Höfe wie der von Familie Popp stehen unter Druck. In den letzten acht Jahren haben im Freistaat fast 14.000 landwirtschaftliche Betriebe zugemacht. Mehr als in jedem anderen Bundesland. Ein Problem, das dabei allen Landwirten zu schaffen macht: die Pacht. Sie ist teuer und unsicher. Früher sei ein Zehnjahresvertrag Standard gewesen, sagt Popp. "Heute ist der zweijährige normal, oder der jährliche. Du weißt nicht, ob du das Feld nächstes Jahr noch hast oder nicht mehr - kommt die böse Überraschung oder nicht?"

Wachse oder weiche

Auch die Umstellung auf Bio und die damit verbundene Zertifizierung können sich kleine Höfe seltener leisten, selbst wenn gerade sie häufig tier- und naturnäher arbeiten. Das liegt an den Förderungen der EU, findet Maximilian Popp.

"Das ist ganz knallhart eine Folge von der extremen Förderung auf die Fläche. Jeder Hektar mehr Fläche bringt dir mehr Subvention. Das ist die Spirale: wachse oder weiche."

Der Bauernhof von Familie Popp in Pähl

Der Bauernhof von Familie Popp in Pähl

Subventionen unterstützen den Trend zur Massentierhaltung

Mit fast 60 Milliarden Euro jährlich fördert die EU die Landwirtschaft. Keiner weiß, wie schlecht es den Bauern ohne diese Zuschüsse ginge. Doch für Richard Mergner vom Bund Naturschutz (BUND) unterstützt die jetzige Verteilung der Subventionen den Trend hin zur Massentierhaltung.

"Wir haben schon riesige Betriebe, beispielsweise im Unterallgäu. Ein Milchvieh-Betrieb mit über 5.000 Milchkühen. Natürlich ist das industrielle Massentierhaltung, wenn man sich um das einzelne Tier nicht mehr kümmern kann." Richard Mergner, BUND

Seiner Ansicht nach kommt der Druck auf die Bauern vor allem von den billigen Preisen im Supermarkt. Statt Großbetriebe zu bevorzugen, sollte die EU kleinere Höfe und Ökobauern fördern.

"Wir müssen auch die Bauern mit Steuergeldern belohnen, die ihre Tiere artgerecht halten wollen. Dafür braucht es Investitionen zum Umbau von Ställen, die eine Landwirtschaft betreiben wollen, die den Naturschutz, den Menschenschutz, den Tierschutz miteinbezieht." Richard Mergner, BUND

Josef Schiepeck hat einen Milchviehbetrieb mit etwa 70 Milchkühen

Josef Schiepeck hat einen Milchviehbetrieb mit etwa 70 Milchkühen

Mehr Büro, weniger draußen

Szenenwechsel: Der Hof von Josef Schiepeck in Klotzenhof, südlich von Aschaffenburg. Gerade kriegen seine Kühe frisches Futter. "Wir haben einen Milchviehbetrieb mit 70 Milchkühen. Wir haben noch Bullenmast dabei und die weibliche Nachzucht", sagt er. Als Schiepeck mit seiner Familie den Hof 1971 kaufte, da waren die Rahmenbedingungen für Landwirte tatsächlich noch ganz andere.

"Es war einfacher. Es war ruhiger, weil die Hektik und der Stress mit den Vorgaben nicht war. Bis in den 80er-Jahren war das nicht der Fall. Dann ist es mit dieser EU schon anders geworden. Da sind dann die Auflagen immens gestiegen." Josef Schiepeck, Landwirt

Das merkt Schiepeck vor allem am bürokratischen Aufwand. Immer häufiger sitzt er im Büro, anstatt das zu tun, was er mal gelernt hat: Milch und Fleisch produzieren und Ackerbau betreiben.

"Diese ganzen Vorgaben. Datum der Gülleausbringung. Das hat man alles im Hinterkopf. Da denkt man schon nachts drüber nach: 'Hoffentlich mache ich nichts falsch.'" Josef Schiepeck, Landwirt

Mit Zuversicht in die Zukunft

Zurück zum Ammersee, auf den Hof von Familie Popp. Halb eins, Zeit fürs Mittagessen. Maximilians Mutter hat Nudelsalat, Brezen und jede Menge Würstl aufgetischt. Der Vater, der Bruder - sie alle leben und essen gemeinsam, stemmen den Hof, ohne Personal. Und der Sohn Maximilian will den Hof übernehmen, das weiß er, seit er 12 Jahre alt ist. Er würde vieles anders machen als der Vater.

"Ich möchte schon ganz gern etwas bauen. Die Bretterhüttn ist in die Jahre gekommen. Der Stall soll auch für uns Menschen passen, weil wir 365 Tage im Jahr da drinnen stehen."

Maximilian ist überzeugt: Mit Innovation und Weiterentwicklung gibt es eine Zukunft, auch für kleinere, familiär geführte Bauernhöfe. Doch auch die EU-Agrarpolitik muss die richtigen Weichen stellen.