BR24 Logo
BR24 Logo
Alles zur Maskenpflicht

Warum es in Unterfranken bis jetzt nur wenige Tiny Houses gibt | BR24

© BR / Achim Winkelmann

So gemütlich kann klein sein - Wohnen im selbst umgebauten Bauwagen

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Warum es in Unterfranken bis jetzt nur wenige Tiny Houses gibt

Wohnen auf reduziertem Raum, nachhaltig, nah an der Natur und auch noch preiswert. Die Idee der "Tiny Houses" begeistert viele Menschen. Dazu kommen vielerorts steigende Grundstückspreise. Bei der konkreten Umsetzung gibt es aber rechtliche Hürden.

Per Mail sharen

Einfach eines der Mini-Häuser in die Landschaft stellen – das geht natürlich nicht. Diese Erfahrung musste auch Johannes Müller machen. Der Zimmerer aus dem Weinort Nordheim am Main möchte zwei der "winzigen Häuser" in seinem Heimatort bauen. Müller hat genaue Vorstellungen, wie die beiden drei Meter breiten und sechs beziehungsweise neun Meter langen Häuschen ausgestattet werden. Heizen möchte er sie zum Beispiel über eine auf dem Dach installierte Solaranlage und zusätzliche Infrarot-Heizungen. Verwenden möchte er dabei wenn möglich nur ökologische Baustoffe wie Holz und Holzwolle für die Dämmung.

Rechtlich wie Einfamilienhäuser gestellt

Mit dem Grundstückseigentümer ist er sich über eine Pacht einig. Auch der Gemeinderat hat im Prinzip zugestimmt, wenn die Häuschen nicht als Ferienwohnungen dienen, sondern fest vermietet werden. Doch der Teufel sitzt wie so oft im Detail, denn das Baurecht ist kompliziert verlangt einen vollwertigen Bauplatz, erklärt er. "Man ist verpflichtet, ans Netz angeschlossen zu sein, also an Wasser und Abwasser und das Stromnetz. Eigentlich wird ein Tiny Home in der Bauplanung wie ein Einfamilienhaus gesehen." Der Trend der Mini-Häuser, die in der Regel rund 25 Quadratmeter groß sind, kommt aus den USA. Einige dieser "Tiny Houses" – von ganz puristisch und einfach bis hochkomfortabel - waren auch auf der Würzburger Landesgartenschau zu besichtigen.

© BR / Achim Winkelmann

Zimmerer Johannes Müller mit den Plänen für zwei Modulbauhäuschen

Pläne auch in Gerbrunn

Die kleinen containerartigen Mini-Häuser wurden bei ihrem Aufkommen vielerorts belächelt. Weil Bauland aber gerade in Stadtnähe knapp und teuer ist und auch kleine Baulücken nachverdichtet werden können, denken viele Gemeinden um. In Gerbrunn bei Würzburg etwa soll sowohl auf einer ehemaligen US-Schießanlage als auch auf einem Gelände am Ortsrand Platz für jeweils mindestens drei Tiny Houses entstehen. Im ersten Fall könnte es noch drei Jahre dauern, im zweiten voraussichtlich bis Ende des Jahres, sagt Geschäftsleiter Markus Meyer. Das Problem, sagt auch er, ist das deutsche Baurecht, in dem die winzigen Häuschen einfach nicht vorgesehen sind.

Was fasziniert am Leben auf kleinstem Raum?

Eine Ahnung, wie es sich anfühlt, in einem Tiny House zu leben, bekommt man bei Amelie Auer in Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt. Sie hat mit Freunden und Verwandten begonnen, einen Bauwagen auszubauen. Ein Tiny House ist das noch nicht, denn der Wagen steht bis im parkähnlichen Garten ihres Miets-Hauses. Aber die 34jährige Schauspielerin möchte hier mit ihrem Mann und den zwei kleinen Kindern zumindest zeitweise einziehen und weiter das Badezimmer und die Küche in der Hauptwohnung benutzen. Allerdings hat sie vor sechs Jahren schon einmal komplett in einem ähnlichen Bauwagen gelebt und kann sich gut erklären, was viele Menschen so daran fasziniert. "Diese reduzierte Art zu leben hat mir sehr gut getan. Ich habe gemerkt, ich habe alles, was ich brauche wenn ich mich auf die Dinge beschränke, die ich wirklich gerne bei mir habe. Das fand ich total schön", sagt Auer. In der Zukunft könnte sich Amelie Auer sogar vorstellen, mit ihren Geschwistern und deren Familien in eine Tiny-House-Siedlung zu ziehen.

© BR / Achim Winkelmann

Umgebauter Bauwagen in Gerolzhofen

Siedlung in Unterfranken noch ungewiss

Eine solche Siedlung gibt es in Franken bereits in Mehlmeisel. In Unterfranken soll zumindest wenn es nach dem Willen einer Gruppe von Planern geht, mehrere Häuschen an einem See bei Sennfeld im Landkreis Schweinfurt entstehen. Allerdings ist die Verwirklichung wohl unwahrscheinlich, sagt der Sennfelder Bürgermeister Oliver Schulze. Die Lage direkt am Sennfelder See wäre zwar ideal, gibt er zu, aber die entsprechenden Ämter haben bereits im vergangenen Dezember wegen des Trinkwasserschutzes ein Veto für jegliche Neu-Bauten eingelegt. Vorstellen könne er sich deswegen vor allem Freizeitanlagen wie zum Beispiel ein Beachvolleyball-Feld. Fazit: Das deutsche Baurecht hinkt den neuen Wohnformen oft noch hinterher. Manchmal scheitert die Verwirklichung an Kleinigkeiten wie der im Bebauungsplan vorgegebenen Dachneigung.