Dinesh Agnihotri mit seinem Coffee-Bike an der Isar in München.
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Dinesh Agnihotri mit seinem Coffee-Bike an der Isar in München.

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Behördenposse: Eisverkauf an der Isar erlaubt, Kaffee verboten

Vor allem an heißen Sommertagen lockt die Isar in München viele Menschen an. Zur Erfrischung sind Eisfahrräder in den Isarauen erlaubt. Coffeebikes sind im Stadtgebiet hingegen verboten. Nicht nur der Wirtschaftsreferent reagiert mit Unverständnis.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Wer in den Isarauen spazieren geht, dem begegnet gelegentlich ein Eisfahrrad. Die Stadt München hat bereits vor ein paar Jahren den Verkauf von Waffeleis am Ufer der Isar erlaubt. Seit einiger Zeit bemüht sich Dinesh Agnihotri um eine Erlaubnis für sein Coffeebike, allerdings vergebens.

In Pullach ist erlaubt, was in München verboten ist

Seit eineinhalb Jahren steht Dinesh Agnihotri mit seinem Coffeebike am Isarradweg, unterhalb der Großhesseloher Brücke. Er kennt viele seiner Gäste und viele kennen ihn und schätzen seinen Kaffee. An sonnigen Tagen stehen bei Manu`s Coffeebike, wie er sich nennt, ständig Kunden. Allerdings gibt es dieses Angebot nur hier, an der Großhesseloher Brücke. Denn dort hat die Gemeinde Pullach das Sagen und die hat ihm den Verkauf erlaubt.

Eigentlich würde er aber auch gerne an der Isar in der Stadt stehen, zum Beispiel bei der Thalkirchnerbrücke beim Tierpark oder beim Flaucher, doch das ist verboten. Im Stadtbezirk dürfen an der Isar nur Eisfahrräder unterwegs sein.

Kein Unterschied zwischen Eisfahrrad und Coffeebike

Warum der Verkauf von Waffeleis dort erlaubt ist, aber der Verkauf von Kaffee verboten, versteht Dinesh Agnihotri nicht. Wenn er abends wegfahre, werde man höchstens Reifenspuren von seinem Bike sehen. Er nehme seinen Müll mit.

Agnihotri ist auch stolz darauf, seinen Kaffee nur im Glas, das nach Gebrauch in einer Gastro-Küche gespült wird, oder im Mehrwegbecher, dem Münchner RECUP, anzubieten. Schon oft hat er sich deshalb bei den Behörden um eine Erlaubnis bemüht. Mittlerweile sei er frustriert, weil er bis jetzt keinen Grund dafür genannt bekommen habe, warum es nicht geht.

Kreisverwaltungsreferat verweist auf Grünanlagenverordnung

Wir haben beim zuständigen Kreisverwaltungsreferat nachgehakt, ein Interview wurde abgelehnt. In einer schriftlichen Erklärung heißt es:

"In Grünanlagen und städtischen Parks sind gewerbliche Aktivitäten grundsätzlich untersagt. Um eine Sondernutzung nach den Sondernutzungsrichtlinien erlaubt zu bekommen, muss ein passender Tatbestand einschlägig sein. Weder nach der Grünanlagensatzung noch nach den geltenden Sondernutzungsrichtlinien sind Coffee-Bikes erlaubt oder möglich. Eine Ausnahme wurde lediglich für Waffeleisfahrräder zugelassen."

Es handele sich nicht um eine willkürliche Entscheidung. Der Verkauf von Waffeleis werde erlaubt, um dem Bedürfnis der Bevölkerung in den heißen Sommermonaten gerecht zu werden. Im Vordergrund stehen dabei selbstverständlich Müllvermeidung und Naturschutz, wie es weiter heißt. Derzeit gibt es sieben Genehmigungen für Waffeleisfahrräder teilt das KVR auf Anfrage mit. Aber inwieweit sich hier ein Waffeleisfahrrad von einem Coffeebike unterscheidet, lässt das Kreisverwaltungsreferat unbeantwortet. Nur so viel, letztendlich entscheide der Münchner Stadtrat über die Richtlinien und Satzungen. Das Ermöglichen weiterer Erlaubnistatbestände sei somit auch eine politische Entscheidung.

Unverständnis beim Wirtschaftsreferenten

Vor ein paar Jahren hatte die CSU-Stadtratsfraktion den entsprechenden Antrag gestellt. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), habe dabei zu erkennen gegeben, dass er den Vorschlag gut finde, teilte sein Büro im Münchner Rathaus mit. Ein Interview lehnt auch Reiter ab.

Dafür äußert sich der Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU). Auch er kann wie der Betreiber des Coffeebikes nicht verstehen, warum Eisverkauf erlaubt ist und der Verkauf von Kaffee nicht. Man sei natürlich ganz klar gegen eine Kommerzialisierung der Isar. Aber es sei auch so, dass der eine oder andere an der Isar halt einen Kaffee trinken möchte und kein Eis schlecken. Er denke, wenn man das mit Augenmaß und Bedacht mache, anstatt schon wieder dran zu denken, was man regulieren könne, dann könne man für die Menschen sicher mehr erreichen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus, zumindest in München nicht.  

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