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Auf die International School in Augsburg gehen gut 320 Schülerinnen und Schüler. Ihren Neubau will sie zur Hälfte über die Börse finanzieren, quasi als Bildungs-AG. Jetzt werden die Schulaktien gehandelt.

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Warum eine Privatschule bei Augsburg an die Börse geht

Die "International School Augsburg" ist seit nun an der Börse gelistet. Zunächst soll so ein Neubau finanziert werden. Langfristig will der Vorstand der Schule aber helfen, den Investitionsstau an deutschen Schulen über den Aktienmarkt zu lösen.

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Von
  • Andreas Herz

Zunächst ist es recht simpel: Marcus Wagner, der Vorstand der "International School Augsburg" - kurz ISA genannt - braucht Geld für einen Neubau. Denn die Schülerzahl der Privatschule, in der die Kinder global arbeitender Eltern unterrichtet werden, soll weiter steigen. Das Geld dafür sollen Aktien einbringen. Deshalb hat sich die ISA entschlossen, eine Aktiengesellschaft zu werden. Dass damit auch der Bekanntheitsgrad der Schule steigt, nimmt Wagner wohlwollend zur Kenntnis.

Aktien sollen den Investitionsstau lösen

Wagner geht es jedoch nicht nur um seine Schule: Er fordert neue Wege, um den Investitionsstau an deutschen Schulen zu lösen. Und dieser Weg könne auch für staatliche Schulen über die Börse führen, glaubt Wagner, der früher lange bei der IHK Schwaben gearbeitet hat.

Kommunen könnten zum Beispiel den Immobilienwert der Schulen nutzen, schlägt Wagner vor: "Eine Kommune fasst ihre Schulen, die zusammen rund 100 Millionen Euro wert sind, in einer gemeinnützigen AG zusammen, bringt sie für ca. 50 Millionen attraktiv an die Börse und sammelt dann rund 30 bis 40 Millionen ein, die sie dann in Bildung reinvestieren kann."

Die Einwände des Gemeindetags

Das ist rechtlich kaum möglich, heißt es schriftlich vom Bayerischen Gemeindetag: "Kommunen stellen dem Staat ihre Schulgebäude zur Verfügung, damit er mit eigenem Personal die Bildung künftiger Generationen sicherstellen kann. Die Kommunen nehmen nicht an einem Markt für Schulgebäude teil, wo zivilrechtliche Konstruktionen wie AGs oder GmbHs möglich wären."

Die Gesetze würden solche marktwirtschaftlichen Konstruktionen ausschließen, so ein Sprecher des Gemeindetags. Das Münchner ifo-Institut fügt hinzu, dass kaum jemand in Regionen investieren würde, in denen die Einwohner wegziehen und Schulen geschlossen werden.

ISA-Vorstand fordert Sinneswandel

Die Börse München sieht dagegen durchaus Möglichkeiten, dass auch staatliche Schulen den Weg an die Börse finden. Es gebe auch in anderen öffentlichen Bereichen ähnliche Modelle. ISA-Vorstand Wagner fordert einen Sinneswandel in Deutschland, um den Investitionsstau an den Schulen zu lösen.

Da bei gemeinnützigen Einrichtungen keine Gewerbe- oder Körperschaftssteuer abfließen würde, bleibe der Gewinn bei einem gemeinnützig deklarierten Börsengang bei den Schulen und stünde für eine langfristige Wertsteigerung zur Verfügung. Das sei für Investoren durchaus attraktiv.

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