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Touristen laufen eine Straße zum Königssee hinunter. In der Urlaubsregion Berchtesgadener Land herrschen erhöhte Inzidenzen.

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    Warum die Corona-Zahlen an der Grenze zu Österreich so hoch sind

    Bayern ist wieder unter den Spitzenreitern bei der Zahl der Corona-Infektionen. Die Deutschlandkarte mit den Inzidenzen ist dabei vor allem am äußersten Zipfel Bayerns dunkelrot eingefärbt. Woran liegt das?

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    Von
    • Maren Breitling

    Bayern befindet sich in der vierten Corona-Welle. In manchen Landkreisen an der Grenze zu Österreich liegen die Corona-Inzidenzen über 200. Viele Menschen fragen sich, wieso das der Fall ist. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle:

    Viele Grenzgänger bedeuten hohe Zahlen

    Virologin Ulrike Protzer, Professorin an der TU München, sagt, es sei auffällig, wenn man sich die grenznahen Regionen anschaut. Dort waren und sind die Zahlen ihr zufolge immer höher als im restlichen Bayern und auch im restlichen Deutschland. Das betreffe nicht nur Bayern, sondern auch andere Bundesländer wie Sachsen.

    "Das ist sehr stark davon geprägt, wie hoch die Inzidenz im jeweiligen Nachbarland ist", sagt Protzer. Durch Grenzgänger für die Arbeit, Urlauber oder Wochenendtouristen gebe es Überträge aus den Nachbarländern, in denen es eine höhere Inzidenz als bei uns gebe, erklärt die Virologin. In den österreichischen Nachbarbundesländern von Bayern sind die Werte hoch: in Salzburg liegen sie bei 185 und in Oberösterreich bei 198 (Stand 12.10.).

    Bayern hat im Vergleich zu anderen Bundesländern auch lange Außengrenzen. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen außerdem, dass in Bayern mit 46.649 Menschen die meisten Grenzpendler arbeiten, die ihren Wohnsitz im Ausland haben. Darauf folgen Baden-Württemberg (26.341), Nordrhein-Westfalen (21.202) und Sachsen (20.386).

    Menschen schätzen Gefahren falsch ein

    Studien belegen laut Dieter Frey, Professor für Sozialpsychologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, dass Menschen die Gefahr von Krankheiten oft unterschätzen. Bei Corona komme hinzu, dass die meisten Menschen denken, sie seien nicht infiziert. Gleichzeitig würden sie glauben, dass die Leute, mit denen sie nahen Kontakt haben, sie nicht infizieren würden - also Arbeitskollegen, Freunde, Familie. "Und folglich halten sie da auch keine Abstandsregeln mehr ein." Besonders in ländlichen Regionen seien die sozialen Netze enger, sagt Frey, und damit die Vertrautheit größer.

    Impfquote wirkt sich auf die Infektionszahlen aus

    Bayerns Gesundheitsminister Holetschek von der CSU betonte, dass es sich inzwischen um eine "Pandemie der Ungeimpften" handle. Die Inzidenz liegt laut Landesamt für Gesundheit bei Geimpften bei 22,8, während sie bei Ungeimpften bei 201,1 liegt. Der Wert für ganz Bayern lautet 92,8 (Stand 12.10.).

    Virologin Protzer sagt, dass die niedrige Impfquote zum Infektionsgeschehen beitrage. In einigen Grenzbereichen sei es nicht gelungen, Menschen von der Impfung zu überzeugen. Aber auch in manchen Gegenden mit hohen Impfquoten gebe es erhöhte Werte. "Deswegen vermute ich, dass der grenzüberschreitende Verkehr zu hohen Zahlen beiträgt. Eine hohe Impfquote würde in diesem Bereich aber enorm helfen."

    Ansteckungen meistens drinnen

    Das Virus überträgt sich hauptsächlich durch persönliche Kontakte. Menschen stecken sich an, wenn sie mit anderen engen Kontakt haben und deren Aerosole einatmen können, erklärt Protzer. Das sei vor allem in Innenräumen der Fall. Als Beispiel nennt sie eine Situation, in der man nur kurz jemandem eine ausgeliehene Schüssel zurückgebe - da setze man häufig keine Maske auf, da man ja nur kurz bei jemandem vorbeischaue. Ein weiterer Grund ist laut Protzer eine Ansteckung am Arbeitsplatz. "Oder wenn ich draußen bin, und das Pech habe, direkt in die Tröpfchen vom Sprechen, Nießen oder Husten zu laufen."

    Insgesamt spielen für das Infektionsgeschehen viele Faktoren eine Rolle. Abschließende Untersuchungen, woher die hohen Inzidenzen kommen, gibt es aber nicht.

    Grafik: Gemeldete Corona-Neuinfektionen in Bayern

    Anmerkung: Die von den Landkreisen selbst vermeldeten Fallzahlen können in einzelnen Fällen stark von den Angaben des RKI abweichen - wie etwa Ende Oktober 2020 für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Ein Grund dafür ist die sogenannte "Meldeverzögerung".

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