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Warum die Bahn dem Biber eine Burg baut | BR24

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Der Biber baut - gern und umfassend. Mit Vorliebe baut er seine Burgen in Bahndämme - sehr zum Unwillen der Deutschen Bahn, die fürchten muss, dass sich die Gleise absenken. Und so macht sie ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.

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Warum die Bahn dem Biber eine Burg baut

Die Deutsche Bahn hat ein Biber-Problem: Immer wieder bauen die Tiere Burgen ins Gleisbett – und beschädigen so den Bahndamm. Nun macht die Bahn dem Biber ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Sie baut ihm eine Burg.

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Die erste künstliche Biberburg der Deutschen Bahn liegt in der Nähe von Landshut am Weiherbach. Von außen sieht man nicht viel, nur einen Betonschacht. Unter der Erde liegt ein betonierter Wohnkessel mit Lüftungsschacht, eine Röhre führt in den Bach.

Der Wildbiologe Gerhard Schwab ist ein sogenannter Bibermanager. Er ist im Auftrag des Freistaats für Südbayern zuständig. Schwab zufolge bekommen die Biber eine komplett neu gebaute Wohnung: "Wunderschöner Eingang unter Wasser, oben ein großer Wohnkessel. Schön mit Erde ausgelegt, Lüftungsrohr ist drin, Futter ist rechts und links genügend da. Also er muss eigentlich bloß kommen, einziehen und sich einrichten."

Biberburg statt Biberjagd

Auch die Bahn beschäftigt mit Michael Schmitt einen Biberberater. Schmitt erhofft sich von der Burg, dass der Biber die fertige Wohnung nimmt und das Gleisbett verschont. Im Schnitt bekommt Schmitt jeden Monat eine Meldung über Biber-Probleme entlang der Bahngleise: Mal gräbt das Tier seine Burg unter den Gleisen, mal staut es einen Bach auf und weicht so den Bahndamm auf. Mal nagt der Biber Bäume an, die aufs Gleis zu stürzen drohen. Jagen helfe nichts, sagt Schmitt: "Wir haben circa 22.000 bis 23.000 Biber in Bayern, davon gehen irgendwo zwischen 6.000 und 9.000 jährlich auf Wanderschaft. Das heißt, wenn wir einen Biber irgendwo entnehmen würden, dann ist das Revier aller Wahrscheinlichkeit nach in kurzer Zeit wieder besetzt."

Burgenbauen ist billiger

Die Bahn versucht einiges, um mit den Bibern auszukommen: Kanisterketten sollen Biber fern halten, Ultraschall, oder im Bahndamm vergrabene Gitter. An die meisten Maßnahmen gewöhnen sich die Tiere früher oder später. Die Gitter sind teuer, wenn sie kilometerlang entlang eines Baches vergraben werden müssen. Die Biberburg dagegen ist die billigere Alternative.

Die Idee zu der künstlichen Biberburg stammt aus der Schweiz, die Betonburg bei Landshut ist die erste der DB AG in Deutschland, und ein Test. Funktioniert das Miteinander von Biber und Bahn, könnte demnächst ein Wohnungsbauprogramm der Bahn starten – für Biber.

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