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Warum Anhänger der Grünen Söders Corona-Kurs unterstützen | BR24

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Der Corona-Kurs der Staatsregierung kommt bei Grünen-Anhängern besonders gut an – das zeigt der jüngste BR-BayernTrend. Warum gibt es ausgerechnet bei der Wählerschaft der größten Oppositionspartei so viel Zuspruch? Eine Analyse von Lea Utz.

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Warum Anhänger der Grünen Söders Corona-Kurs unterstützen

Der Corona-Kurs der Staatsregierung kommt bei Grünen-Anhängern besonders gut an – das zeigt der jüngste BR-BayernTrend. Warum gibt es ausgerechnet bei der Wählerschaft der größten Oppositionspartei so viel Zuspruch? Eine Analyse von Lea Utz.

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  • Lea Utz

Begeisterung sieht anders aus: Laut dem jüngsten BR-BayernTrend ist nur jeder zweite Anhänger der Freien Wähler mit dem Corona-Kurs der bayerischen Staatsregierung zufrieden. Das ist nicht gerade viel - schließlich regieren die Freien Wähler in der schwarz-orangen Koalition mit. Erstaunlich viel Zuspruch kommt dagegen von den Anhängern der größten Oppositionspartei: 68 Prozent der Grünen-Anhänger in Bayern bewerten den Corona-Kurs der Staatsregierung positiv.

Während die Zustimmung bei den Sympathisanten von CSU, Freien Wählern, SPD und AfD seit dem vorigen BR-BayernTrend im Oktober deutlich gesunken ist, bleibt der Wert bei den Grünen-Anhängern stabil. Sie stehen nach den CSU-Anhängern (mit 83 Prozent Zufriedenheit) damit am stärkten hinter der bayerischen Corona-Politik. Gerade im Bundestagswahljahr 2021, in dem sich die politische Debatte noch häufiger um schwarz-grüne Schnittmengen drehen dürfte, sticht dieses Ergebnis ins Auge.

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BR-BayernTrend Januar 2021: Zufriedenheit mit Bayerns Corona-Krisenmanagement nach Parteianhängern

Grüne Basis: "Nicht die Zeit, Maßnahmen schlecht zu reden"

Fragt man an der grünen Basis nach, ist durchaus Kritik an der Corona-Politik der Staatsregierung zu hören. Zu wenig Homeoffice, zu wenig Aufklärung über die Corona-Impfung, zu wenig Weitsicht: Nach Meinung von Franziska Sänftl vom Kreisverband der Grünen in Dingolfing-Landau könnte einiges besser laufen. Aber die Vorstandssprecherin stellt auch klar: Im Großen und Ganzen stehen die Grünen in ihrem Landkreis hinter den Maßnahmen der Regierung. "Wir sehen den Ernst der Lage", sagt Sänftl mit Blick auf die Infektionszahlen. "Und deshalb sehen wir es eigentlich auch als Basis so, dass eben jetzt nicht die Zeit ist, alle Maßnahmen per se schlechtzureden."

So sieht das auch Ursula Harper, Vorsitzende des Kreisverbands München Stadt. Zwar fänden viele Grüne an der Basis die immer neuen Ankündigungen der Staatsregierung "gar nicht toll". Sie wünschen sich laut Harper eine klarere Kommunikation und eine einheitlichere Strategie in der Krise. Trotzdem ist die Lokalpolitikerin nicht überrascht, dass viele Grünen-Anhänger den Regierungskurs im Wesentlichen unterstützen. Harper hat dafür zwei Erklärungen: Zum einen verfolge die Partei eine wissenschaftsgeleitete Politik. "Ich sehe, dass wir da durch die Klimapolitik sehr geschult sind und uns einfach sehr viel informieren." Zum anderen sei den Anhängern der Grünen gesellschaftliche Solidarität wichtig.

Die Grünen-Klientel ist von der Krise weniger betroffen

Wissenschaftsfreundlich und solidarisch: Dieses Selbstbild ist nach Einschätzung der Politologin Jasmin Riedl von der Universität der Bundeswehr in München unter Grünen-Anhängern verbreitet. Aus ihrer Sicht dürften aber zwei weitere Eigenschaften der Grünen-Klientel die Zufriedenheit mit der Corona-Politik entscheidend beeinflussen.

Zum einen gehörten die Anhänger der Grünen laut Riedl eher nicht zu den wirtschaftlichen Verlierern der Corona-Krise. Die Wähler der Partei verdienten statistisch gesehen überdurchschnittlich gut und haben häufig Berufe, die von Kurzarbeit und Geschäftsschließungen weniger betroffen sind. Viele von ihnen können während der Pandemie im Homeoffice arbeiten. "Dass man Homeoffice wahrnehmen kann und vielleicht auch in einer Arbeitssituation ist, die eine bessere Flexibilität ermöglicht, führt vermutlich dazu, dass man diesen Maßnahmen gegenüber nicht ganz so kritisch eingestellt ist", sagt die Politologin.

In der Stadt ist die Akzeptanz für die Auflagen größer

Zum anderen liegen die Hochburgen der Partei in den urbanen Zentren, viele Grünen-Anhänger wohnen in der Stadt. "Was wir schon sehen bei der Akzeptanz von Corona-Maßnahmen - nicht nur in Bayern, auch darüber hinaus - ist, dass die bei der ländlichen Bevölkerung tendenziell ein bisschen kritischer gesehen werden", sagt Riedl.

Im ländlichen Raum – wo auch viele Anhänger der Freien Wähler leben – sind die Menschen demnach etwas skeptischer, ob strenge Beschränkungen notwendig sind. "Weil sie einfach zum Teil nicht so stark auf engem Raum leben, weil man sich besser aus dem Weg gehen kann", vermutet die Politologin. Wer in der Stadt lebt, ist zwischen den vielen geschlossenen Läden und den Maskenträgern in der U-Bahn dagegen ständig mit der Pandemie konfrontiert. Auch das könnte ein Grund sein, warum die urbane Anhängerschaft der Grünen die Corona-Maßnahmen unterstützt.

Fraktionschef: Kurs in vielen Bereichen mitgetragen

Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im Landtag, verwundert die Zufriedenheit der Grünen-Anhänger mit dem Krisenmanagement der Staatsregierung nicht. "Wir Grüne haben von Anfang an den Kurs in vielen Bereichen auch mitgetragen", betont er. Außerdem sei die Staatsregierung in der Pandemie häufig Vorschlägen der Grünen gefolgt, beispielsweise beim Thema Kinderbetreuung. "Dass unsere Anhängerschaft das dann richtig und nicht verkehrt findet, ist doch klar."

In der Corona-Krise stimmte die Landtagsfraktion der Grünen zweimal als einzige Oppositionspartei für die Dringlichkeitsanträge der Regierungskoalition, dreimal enthielt sie sich. In der Landtagsdebatte ließ die Fraktion immer grundsätzlich Zuspruch für neue strengere Maßnahmen durchblicken – eine Enthaltung in der Abstimmung kann man deshalb auch als schweigende Zustimmung deuten.

Die Grünen in der Rolle der konstruktiven Kritiker

"Konstruktiv-kritisch"- so heißt offenbar das Zauberwort der Grünen in der Pandemie. Dieses Stichwort fällt im Gespräch mit bayerischen Grünen-Politikern fast immer, wenn es um den Kurs der Partei in der Corona-Krise geht. Auch auf Bundesebene haben sich die Grünen mit ihrer Doppelspitze aus Robert Habeck und Annalena Baerbock früh auf die Rolle des konstruktiven Kritikers verlegt: Sie tragen die Entscheidungen der Bundesregierung im Großen und Ganzen mit, mahnen aber in einzelnen Punkten Verbesserungen an.

Bis zur Bundestagswahl im September ist es nicht mehr lange hin – und die Grünen zieht es erkennbar in die Regierung. Dass die eigenen Anhänger in der Pandemie breite Unterstützung für einen Kurs signalisieren, den die Mehrheit in Bayern für richtig hält, kann da sicher nicht schaden.

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