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Warnstreiks legen Bus- und Bahnverkehr in vielen Städten lahm | BR24

© BR / Christine Langlechner

Im Tarifstreit beim Öffentlichen Nahverkehr beginnt die neue Woche mit neuen Warnstreiks. Elf bayerische Städte sind betroffen.

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Warnstreiks legen Bus- und Bahnverkehr in vielen Städten lahm

Seit heute Früh herrscht in vielen Städten Bayerns Warnstreik im kommunalen Nahverkehr. Viele Busse und Bahnen stehen still. Für Fahrgäste etwa in Nürnberg, Augsburg oder Regensburg heißt das: Entweder geht nichts mehr oder es dauert deutlich länger.

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Wegen eines Warnstreiks stehen am Montagmorgen in großen Städten Bayerns Busse und Bahnen still. Der Warnstreik sei wie geplant angelaufen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Diese hatte die Mitarbeiter kommunaler Verkehrsbetriebe und privater Busunternehmen aufgerufen, die Arbeit am Montag niederzulegen, um vor der dritten Runde der laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Personennahverkehr den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.

Betroffen sind laut Sprecher Pendler in München, Nürnberg, Augsburg, Fürth, Coburg, Bamberg, Aschaffenburg, Ingolstadt, Passau, Schweinfurt und Regensburg.

Augsburg: Nahverkehr lahmgelegt, kein Notfall-Fahrplan

In Augsburg geht so ziemlich nichts mehr: Die Augsburger Stadtwerke haben am frühen Montagmorgen mitgeteilt, dass alle Beschäftigten dem Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt sind - deshalb wird der Warnstreik wie schon die vergangenen Male den Nahverkehr in Augsburg lahmlegen. Alle Busse und Straßenbahnen der Stadtwerke fallen aus, einen Notfall-Fahrplan gibt es nicht. Nur auf Linien, die von externen Unternehmen im Auftrag der Stadtwerke gefahren werden, sind Busse im Einsatz.

Kaum Busse in Kaufbeuren

In und um Kaufbeuren ist der Busverkehr heute wegen des Warnstreiks weitgehend zum Erliegen gekommen. Größere Verkehrsbehinderungen hat es laut Polizei aber nicht gegeben. 35 Busfahrer – und damit fast alle Fahrer – des privaten Kaufbeurer Busunternehmens Kirchweihtal sind einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt und legten ihre Arbeit nieder. Einige wenige Linien konnte das Unternehmen noch bedienen, die meisten Busse blieben aber im Depot. Auch morgen wollen die Busfahrer in Kaufbeuren ganztags streiken. Die Polizei rechnet nicht mit größeren Behinderungen.

München: U6 fährt eingeschränkt, Busse im 20-Minuten-Takt

In München werden heute alle Verkehrsmittel des öffentlichen Nahverkehrs bis auf die S-Bahn bestreikt. Zehntausende Fahrgäste sind betroffen. In der Früh blieben zunächst alle U-Bahnen im Depot.

Inzwischen fährt laut Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zumindest eingeschränkt wieder die U6 im Zehn-Minuten-Takt. Alle anderen U-Bahnlinien stehen still. Bei der Straßenbahn ist die MVG ebenfalls in der Lage, eine Linie zu betreiben, es ist die Ost-West-Verbindung der Trambahnlinie 19 in einem 20-Minuten-Takt. Bei den Bussen will man auf möglichst vielen Linien einen 20-Minuten-Takt anbieten. Laut Verdi wird der Warnstreik in München um 20 Uhr beendet.

Die Freisinger müssen sich bis 16 Uhr auf Warnstreiks beim Stadtbusverkehr einstellen. Sie seien darüber selbst erst am Wochenenende informiert worden, teilten die Stadtwerke Freising am Morgen mit. In Oberbayern sind ansonsten München und Ingolstadt von den Arbeitsniederlegungen betroffen.

Nürnberg und Fürth: Viele Fahrgäste sind verärgert

Lange Schlangen an den Kreuzungen und dichter Verkehr auf den Straßen: So sieht die Situation heute in Nürnberg und Fürth aus. Einige Verkehrsteilnehmer und Pendler hatten Verständnis für den Streik, andere ärgerten sich darüber. Gerade dass in kurzen Abständen nun zum dritten Mal gestreikt wird, sorgte für Unverständnis bei manchen Betroffenen.

In Nürnberg wird noch bis einschließlich morgen früh um vier Uhr gestreikt. Bis dahin fahren keine Busse, keine U-Bahnen und auch keine Straßenbahnen. Die Verkehrsaktiengesellschaft Nürnberg (VAG) bietet ihren Kunden an, ihre Leihfahrräder heute 60-Minuten kostenlos zu nutzen. Auch in Fürth fallen viele Verbindungen weg. In Fürth versucht die Verkehrsabteilung Infra Fürth einen reduzierten Fahrplan anzubieten. So sollen die Busse heute nach Möglichkeit im 30- Minuten Takt auf Basis eines modifizierten Nachtbuslinien- Netzes fahren. Morgen soll der öffentliche Nahverkehr in Nürnberg und Fürth laut VAG wieder normal laufen.

Aschaffenburg: Streik wird erst Dienstag um Mitternacht beendet

Auch in Aschaffenburg müssen sich die Menschen auf ausfallende Verbindungen und lange Wartezeiten gefasst machen. Patrick Schulten, Verhandlungsführer für Verdi bei den privaten Busunternehmen, sagte, bislang habe es bei den Verhandlungen kaum Bewegung gegeben. Die privaten Anbieter vom Landesverband Bayerischer Busunternehmer (LBO) böten den Busfahrern "gar nichts an, null Euro", und deswegen würde der Streik hier auch fortgesetzt. Der Streik in Aschaffenburg begann heute Morgen um vier Uhr und wird laut Verdi erst am morgigen Dienstag um 24 Uhr beendet werden.

Coburg: Menschen sollen Fahrgemeinschaften bilden

Auch in Coburg befinden sich die Busfahrerinnen und Busfahrer der städtischen Verkehrsbetriebe seit dem frühen Morgen im Warnstreik. Man verstehe den Unmut der Bürgerinnen und Bürger, dass der öffentliche Personennahverkehr in Coburg schon wieder bestreikt werde, so Verdi-Gewerkschaftssekretär für den kommunalen Bereich Oberfranken-West Dirk Schneider. Allerdings wolle man nicht die Fahrgäste bestreiken, sondern die Arbeitgeber. Man streike nicht aus Spaß an der Freude, sondern um die Gegenseite zu konstruktiven Gesprächen zu bewegen.

Die Kritik, wie man in einer angespannten Corona-Lage streiken könne, wolle man so nicht gelten lassen, so Schneider. Es gebe zu wenige Schulbusse und Fahrerinnen und Fahrer, die Busse seien zu voll. Es müssten jetzt leider Fahrgemeinschaften gebildet werden, dort sei das Infektionsrisiko sicherlich nicht höher als aktuell in einem Schulbus. Auch am Dienstag streiken die Busfahrerinnen und Busfahrer ganztätig in Coburg. Seit dem 9. September ist es dann bereits der fünfte Streik.

Passau und Regensburg: Keine Stadtbusse für Pendler und Schüler

In Niederbayern und der Oberpfalz wird in Passau und Regensburg gestreikt, in Regensburg auch morgen. Wegen des Streiks fahren keine Stadtbusse. Pendler und Schüler, die diese sonst nutzen, müssen sich deswegen Alternativen überlegen, um zur Arbeit oder zur Schule kommen.

Positionen liegen weit auseinander

Die Gewerkschaft Verdi will mit den Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Sie fordert höhere Einkommen, kürzere Arbeitszeiten und bessere Arbeitsbedingungen für die rund 6.300 Beschäftigten. Für die 17.000 Busfahrer von privaten Omnibusunternehmen, deren Verträge Ende Oktober auslaufen, fordert Verdi 3,50 Euro mehr Stundenlohn. Im Moment betrage das Einstiegsgehalt 12,81 Euro, so die Gewerkschaft.

Der Kommunale Arbeitergeberverband Bayern (KAV Bayern) hat wenig Verständnis für den Streik. Man habe ein Angebot abgegeben, bei dem unter anderem eine Corona- Sonderzahlung von 300 Euro sowie Entgeltsteigerungen von 3,5 Prozent vorgeschlagen wurden. Außerdem gebe es bereits Entlastungsmöglichkeiten, die man angeboten habe und die man finanziell noch attraktiver gestalten wolle, heißt es vom KAV Bayern. Am Freitag sollen die Tarifverhandlungen wieder aufgenommen werden.

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