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Warnstreiks in Bayerns Metall- und Elektroindustrie | BR24

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Bildrechte: pa/dpa/Nicolas Armer

Die IG Metall hat nach gescheiterten Verhandlungen in der vierten Tarifrunde zu Warnstreiks aufgerufen, trotz Kritik der Arbeitgeberseite. Auch in bayerischen Betrieben der Metall- und Elektronindustrie haben Beschäftige ihre Arbeit niedergelegt.

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Warnstreiks in Bayerns Metall- und Elektroindustrie

Monatelang wurde verhandelt – nun macht die IG Metall mit Warnstreiks Druck. Mit Ablauf der Friedenspflicht am Dienstag null Uhr ließen Beschäftigte in sechs bayerischen Unternehmen die Arbeit ruhen. Im Tagesverlauf folgten weitere Aktionen.

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  • BR24 Redaktion

Zweieinhalb Monate Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie haben nichts gebracht - seit Mitternacht ist die Friedenspflicht vorbei. Die IG Metall hat sofort mit den angekündigten Warnstreiks begonnen. Auch in Bayern fanden zahlreiche Aktionen statt, insgesamt waren nach Gewerkschaftsangaben 24 Betriebe im Freistaat betroffen.

Warnstreiks liefen seit Mitternacht

Den Anfang machten kurz nach Mitternacht Beschäftigte im BMW-Presswerk in Dingolfing, beim Autozulieferer Mahle-Behr in Neustadt bei Regensburg sowie Mitarbeiter von Bosch Rexroth in Lohr am Main und im schwäbischen Elchingen; außerdem beim Elektronikspezialisten RF360 in München sowie bei Linde Material Handling in Weilbach bei Aschaffenburg.

Laut IG Metall beteiligten sich bei Bosch Rexroth in Lohr knapp 100 Beschäftigte am Warnstreik: Sie hätten für eine dreiviertel Stunde die Arbeit niedergelegt und sich an einer Kundgebung beteiligt, so ein Sprecher der IG Metall. Ähnlich hätte es auch bei Linde Material Handling in Weilbach im Landkreis Miltenberg ausgesehen. Dort sollten 45 Beschäftigte für eine Stunde in den Warnstreik getreten sein und eine Kundgebung besucht haben, erklärte der Sprecher.

Auch in Unterfranken nahmen mehrere Hundert Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie am bundesweiten Warnstreik teil. Hier hatte die Gewerkschaft IG Metall für 09.30 Uhr zu einer Kundgebung in der Schweinfurter Ernst-Sachs-Straße aufgerufen. Beteiligt waren mehrere hundert Beschäftigte der Firmen ZF und SKF.

In Oberfranken rief die IG Metall ebenfalls die Beschäftigten von zwei Betrieben zu Warnstreiks auf. Bei Siemens in Bayreuth und bei Klubert und Schmidt in Pottenstein sollten die Mitarbeiter eine Stunde früher als üblich nach Hause gehen.

Virtuelle Kundgebung bei Airbus

Auch die Mitarbeiter bei Airbus in Manching wurden dazu aufgerufen, zwei Stunden früher als üblich Feierabend zu machen und nach Hause zu gehen. Rund 900 Mitarbeiter beteiligten sich an dem Warnstreik. Bereits in der Früh fand hier in der Nähe des Betriebsgeländes eine virtuelle Kundgebung statt. Die Statements der Verantwortlichen der IG Metall und des Betriebsrats konnten die Mitarbeiter im Home Office via Live Stream mitverfolgen. Auf Grund der aktuellen Corona-Lage wolle man Menschenansammlung vermeiden und habe deshalb auf eine klassische Kundgebung verzichtet, teilte ein Sprecher der IG Metall Ingolstadt mit.

Auch in Dillingen keine Kundgebungen wegen Corona

In Schwaben hatte die IG Metall hat zum Auftakt der Warnstreiks im Tarifkonflikt heute als erstes rund 2.000 Beschäftigte von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) in Dillingen dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Rund 1.500 beteiligten sich laut Gewerkschaft an der Aktion. Seit der Nacht beenden die Mitarbeiter ihre Schicht jeweils eine Stunde früher. Dadurch sollten die Bänder in der Produktion zwischenzeitlich immer wieder stillstehen. Eine Kundgebung ist auch hier wegen der Corona-Pandemie nicht geplant.

Laut Michael Leppek, Chef der IG Metall Augsburg, soll es Warnstreiks in 30 weiteren Unternehmen in Augsburg und der Region Nordschwaben geben.

In Niederbayern haben laut IG Metall bis zum frühen Nachmittag etwa 430 Beschäftigte am Warnstreik teilgenommen. Bei BMW in Dingolfing wurde um Mitternacht gestreikt: 180 Mitarbeitende des Presswerks waren beteiligt. Bei Strama MPS in Straubing haben laut Gewerkschaft 250 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt.

Weitere Aktionen geplant

Weitere Aktionen im Tagesverlauf fanden bei Valeo in Erlangen sowie beim Auto- und Industriezulieferer Schaeffler in Herzogenaurach statt. Zudem kündigte die IG Metall weitere Kundgebungen in Schweinfurt für die nächsten drei Tage an. Am Freitag soll es in den Regionen Rhön-Grabfeld und Haßberge zu mehreren Kundgebungen kommen.

Vier Prozent mehr Lohn gefordert

Die IG Metall fordert vier Prozent mehr Lohn für die Beschäftigen - wo es in einem Betrieb schlecht läuft, in Form von Lohnausgleich bei einer Senkung der Arbeitszeit. Die Arbeitgeber bieten nach einer Nullrunde in diesem Jahr noch unbezifferte Lohnerhöhungen erst ab 2022 an und fordern darüber hinaus, dass Krisenbetriebe bei bestimmten Bilanzzahlen ohne Nachverhandlungen mit der IG Metall automatisch vom Tarifvertrag abweichen können.

Die vierte Verhandlungsrunde der Tarifparteien war am Freitag ohne Annäherung und ohne neuen Verhandlungstermin beendet worden. In Bayern arbeiten rund 840.000 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie.

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