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Warnstreiks im Nahverkehr legen bayerische Städte lahm | BR24

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Im Tarifstreit beim Öffentlichen Nahverkehr beginnt die neue Woche mit neuen Warnstreiks. Elf bayerische Städte sind betroffen.

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Warnstreiks im Nahverkehr legen bayerische Städte lahm

Die Warnstreiks im Öffentlichen Personennahverkehr haben in vielen bayerischen Städten zu stundenlangen Staus auf den Einfallstraßen rund um die Ballungsgebiete geführt. Viele Pendler äußerten dennoch Verständnis für die Streikenden.

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Seit dem Morgen stehen wegen eines Warnstreiks in den großen Städten Bayerns Busse und Bahnen weitgehend still. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Mitarbeiter kommunaler Verkehrsbetriebe aufgerufen, die Arbeit niederzulegen, um vor der dritten Runde der laufenden Tarifverhandlungen den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.

Betroffen waren vor allem München, Nürnberg, Augsburg, Fürth, Coburg, Bamberg, Aschaffenburg, Ingolstadt, Passau, Regensburg und Schweinfurt. Hier kam es auch zu überfüllten Radwegen und an den Bushaltestellen bildeten sich große Menschentrauben. Viele Innenstadt-Pendler kamen zu Fuß zur Arbeit oder gar per E-Scooter.

Ärger über Informationspolitik in München

In München blieben die U-Bahn-Züge beinahe komplett in den Depots. Für die Straßenbahnen hatten die Münchner Verkehrsbetriebe Notfahrpläne eingerichtet. Auch die Busse sollten eigentlich alle 20 Minuten fahren, was sie aber nicht taten, weil sie im Verkehr stecken blieben. Alle Zufahrtsstraßen in die Innenstadt waren in den Morgenstunden verstopft. Pendler, die aus dem Umland mit der S-Bahn gekommen waren, konnten nicht wie gewohnt in die U-Bahn umsteigen, sondern mussten ihren Weg zu Fuß fortsetzen. Vor allem die Informationspolitik der Verkehrsbetriebe sorgte wie so oft für Ärger:

"Es stört eigentlich nur, dass in der S-Bahn nie gesagt wird, was in der U-Bahn los ist. Dass da die Kommunikation untereinander nicht funktioniert, find‘ ich entsetzlich!" Münchnerin

Verständnis für die Streikenden

Auch in Augsburg und in Kempten kam es in den Morgenstunden zu langen Staus auf den Straßen. Die Verkehrsbetriebe Augsburg hatten alle Busse und Straßenbahnen in den Depots gelassen - es gab keinen Ersatzverkehr. Nur dort, wo Privatunternehmer mit ihren Bussen unterwegs waren - in den Randbereichen der Städte – gab es keine Ausfälle. Allgemein gerieten vor allem die Eltern von Schulkindern unter immensen Druck :

"Ich kann einerseits die Busfahrer verstehen, aber andererseits ist es für uns Eltern eine wahnsinnige Belastung. Wir müssen einfach schauen, dass die Kinder zur Schule kommen und da auch wieder abgeholt werden. Also, einerseits kann ich‘s verstehen, andererseits bin ich wirklich gestresst." Mutter

Das gleiche Bild in Regensburg: Der Altstadtbus und die Campus-Linien wurden komplett bestreikt, bei anderen Linien fielen einige Busse aus. Nur die Regionalbusse privater Firmen waren nicht betroffen. In Regensburg dauern die Warnstreiks heute und morgen an. Noch herrscht bei den Pendlern Verständnis für den Streik der städtischen Busfahrer:

"Versteh ich! Auf jeden Fall! Sie bekommen schon wenig Geld, für das, dass sie so viel für uns alle machen! Warum soll ich böse sein auf die Bus-Fahrer, die können ja nichts dafür." Pendler

Worum geht es eigentlich?

Gestreikt wird, weil es trotz der gestern getroffenen Tarifeinigung im Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen, keinen neuen Tarifvertrag für den Öffentlichen Nahverkehr gibt. Denn für den ÖPNV gilt ein eigener Sparten-Tarifvertrag - und der ist noch nicht ausgehandelt. Dirk Schneider, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den kommunalen Bereich Oberfranken-West, verteidigt den Streik-Aufruf seiner Gewerkschaft:

"Der Arbeitgeberverband verweigert jegliche Verhandlungen. Er ist auch nicht bereit, einer Übergangslösung zuzustimmen. Und das finden wir sehr schade. Und uns bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu streiken. Das ist unser Mittel." Dirk Schneider

Deshalb wird auch morgen noch in Coburg und in Bamberg weiter gestreikt. In beiden oberfränkischen Städten fällt voraussichtlich der komplette Busverkehr aus. Womit weiter mit frustrierten Pendlern zu rechnen ist:

"Ja, es ist für mich schon lästig, weil ich dann 40 Minuten zu Fuß laufen muss. Aber ich hab‘ vollstes Verständnis dafür. Mann, die Arbeitgeber könnten sich ja auch mal bewegen!" Pendlerin

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