Forellen (Symbolbild)

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Warme Flüsse werden zur Belastung für Fische

Warme Flüsse werden zur Belastung für Fische

Die anhaltende Hitze sorgt für immer wärmere Flüsse. Darunter leiden vor allem die Fische: Sie bekommen zu wenig Sauerstoff ab. Besonders Forellen sind gefährdet. Besserung ist derzeit nicht in Sicht.

Für die Flüsse in Niederbayern und der Oberpfalz wird die Hitze zum Problem, weil das Wasser immer wärmer wird. Die Naab und ihr Nebenfluss Schwarzach erreichten tagsüber bereits 20 Grad, sagte Georg Adam vom Wasserwirtschaftsamt Weiden auf BR-Anfrage. Sollte die Wassertemperatur weiter ansteigen, könnte das vor allem für Fische kritisch werden, so Adam.

Tote Fische in der Kleinen Vils

Am Mittwoch und Donnerstag wurden in der Kleinen Vils bei Vilsheim und Altfraunhofen im Kreis Landshut jeweils etwa 100 tote Fische entdeckt, am Mittwoch auch Karpfen und Weißfische. Die Tiere verendeten laut Wasserwirtschaftsamt aufgrund von Sauerstoffmangel im Gewässer. Das sei auf den starken Regen von Montag auf Dienstag und den Luftdruckabfall durch die Trockenheit der vergangenen Tage zurückzuführen. Verunreinigungen wurden nicht festgestellt, dennoch wurden am Donnerstag Wasserproben genommen.

Fische gehen wegen Wärme in den Ruhemodus

"Der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt bei hohen Wassertemperaturen immer mehr, besonders für Forellen ist das gefährlich", so Adam. Auch andere Fische wie Barben, Hechte oder Waller seien betroffen. Ihm zufolge spüren die Fische es meist aber rechtzeitig, wenn es ihnen wegen des Sauerstoffmangels schlechter geht. Die Fische gingen dann in einen Ruhemodus und nähmen weniger Nahrung auf, um Energie zu sparen. "Manche Fische wandern dann auch in kühlere Gewässer ab", so Adam.

Ab 25 Grad wird es für Fische kritisch

Richtig problematisch werde es, wenn das Wasser in den Flüssen über 25 Grad warm werde. An der Messstelle der Donau in Kelheim, wo der Wasserstand derzeit mit rund 188 Zentimetern so niedrig ist wie noch nie zuvor seit Beginn der Messungen, wurde dieser Wert tagsüber bereits erreicht. Die Isar in Landshut hat um die 22 Grad.

Besonders nachts nehme der Sauerstoffgehalt im Wasser wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung ab, sagte Constantin Sadgorski vom Wasserwirtschaftsamt Landshut dem BR. "Die Kleintiere im Wasser flüchten teilweise nach unten, wo es noch kühler ist", so der Behördenleiter.

Artenvielfalt nimmt ab

Für Thomas Lechner, Leiter des Ingenieurbüros für Umweltsicherung (IBF Umwelt), ist der Tod unter anderem von Karpfen auf jeden Fall ein Alarmsignal. "Karpfen sind an sich sehr widerstandsfähige Fische, die ein ziemlich breites Spektrum von Umwelteinflüssen tolerieren können - auch relativ niedrige Sauerstoffwerte werden gut vertragen," so Lechner auf BR-Anfrage: "Ganz im Gegenteil zu Forellen, die sehr viel empfindlicher sind. Wenn Karpfen verenden, dann ist das auf jeden Fall bedrohlich."

Bereits jetzt sei wegen der hohen Temperaturen in den vergangenen beiden Jahren ein Artensterben im Gange, so Lechner. "Die Artenvielfalt wird kleiner. Anspruchsvolle Arten wie die Forelle sind bereits dezimiert und könnten aus bestimmten Gewässern verschwinden. Anspruchslose und widerstandsfähige Arten lösen sie ab." Laut Lechner gibt es allerdings keine Maßnahmen, um der Entwicklung Herr zu werden. "In Extremsituationen, wie wir sie derzeit haben, wird es schwierig zu reagieren. Man kann das Wasser nicht herbeizaubern."

Algenwachstum grundsätzlich noch kein Problem

Mit Algen gebe es in den Flüssen generell keine Probleme, bisher habe man dazu nichts Auffälliges beobachtet. Aber: Ein erhöhtes Pflanzenwachstum sei teilweise schon zu beobachten, sagt Georg Adam vom Wasserwirtschaftsamt Weiden. "Das wird vor allem dann kritisch, wenn die Pflanzen im Herbst absterben und vom Fluss abgebaut werden müssen", sagt er.

Ähnlich warm wie die Donau sind mit fast 25 Grad auch die vielen Badeseen in Niederbayern und der Oberpfalz - wie zum Beispiel der Guggenberger See im Landkreis Regensburg oder der naturbelassene See in der Landshuter Gretlmühle. Die Wasserqualität ist bei den meisten derzeit trotz der Hitze ausgezeichnet. Durchschnittlich einmal pro Monat nehmen die kommunalen Gesundheitsämter während der Badesaison eine Wasserprobe.

Blaualgen im Silbersee

Im Silbersee im Landkreis Cham hat das Gesundheitsamt bei einer solchen Probe nun allerdings Blaualgen nachgewiesen. Das hat das Landratsamt Cham am Donnerstag mitgeteilt. Von ihnen geht zwar keine akute Gefahr aus. Trotzdem können bei vermehrter Aufnahme des Wassers - wenn zum Beispiel viel verschluckt wird - durchaus Magen-Darm-Beschwerden oder Atemwegsproblemen auftreten.

Beim Absterben der Blaualge werde zudem der Giftstoff Microcystin freigesetzt. Der kann laut der Behörde zu Reizungen von Haut und Schleimhäuten sowie Augen führen. Baden ist aber weiterhin erlaubt. Allerdings wird darauf verwiesen, Algenansammlungen zu vermeiden und erhöhte Vorsicht warten zu lassen. Kinder sollten zudem derzeit nicht im Silbersee baden.

Hohe Temperaturen als Ursache

Die Blaualgen profitieren auch von den hohen Temperaturen und dem warmen, nährstoffreichen Wasser. Wenn sie sich zu stark ausbreiten, mussten bereits in der Vergangenheit immer wieder Badeseen gesperrt werden. Betroffen war da unter anderem immer mal wieder auch der Eixendorfer Stausee oder der Hammersee in Bodenwöhr.

Das Landratsamt Cham befürchtet, dass sich bei weiter hohen sommerlichen Temperaturen und Regenarmut die Blaualgen zukünftig noch vermehren werden. Dass weitere Badeseen wegen Blaualgen geschlossen werden müssen, wollte Johann Schmidt, Geschäftsführer von ÖKON, der Gesellschaft für Landschaftsökologie, Gewässerbiologie und Umweltplanung, auf Anfrage nicht ausschließen.

Abkühlung für die Flüsse ist kaum in Sicht

Abkühlung für die Flüsse ist kaum in Sicht: Die wenigen Regenfälle bei Gewittern würden laut Wasserwirtschaftsämtern nicht ausreichen, um die Wassertemperatur zu senken. Und die Hitze soll in den nächsten Wochen weitergehen.

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