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War es Mord? Wichtiger Prozesstag um Todesfahrt von Eisenheim | BR24

© BR/ Carolin Hasenauer

Wichtiger Prozesstag um Todesfahrt von Eisenheim

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War es Mord? Wichtiger Prozesstag um Todesfahrt von Eisenheim

Im Berufungsprozess um die tödliche Alkoholfahrt von Eisenheim steht am Würzburger Landgericht ein mit Spannung erwarteter Prozesstag an. Nachdem es zunächst um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung gegangen war, geht es inzwischen um Mordverdacht.

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Was geschah wirklich in jener Aprilnacht 2017, als die 20-jährige Theresa Stahl auf einer Verbindungsstraße zwischen Untereisenheim und Kaltenhausen überfahren und letztlich tödlich verletzt wurde? Am 9. September hat am Würzburger Landgericht der Berufungsprozess um den Unfalltod der jungen Frau begonnen. Seitdem hat das Verfahren eine dramatische Entwicklung genommen. Denn mittlerweile steht Mordverdacht im Raum. Jetzt wird der Prozess fortgesetzt.

Beifahrer des Unfallautos ist in Untersuchungshaft

Dabei geht es nun auch um die Frage, ob nun einer der drei angeklagten Mitfahrer den betrunkenen Fahrer aufgefordert haben könnte, gezielt auf die Fußgängerin zuzufahren. Ins Rollen gebracht hat diese Entwicklung eine neue Zeugin. Sie hat sich nach Beginn des Berufungsverfahrens an die Polizei gewandt und mitgeteilt, dass sich einer der Mitfahrer im Auto auf einer späteren Party entsprechend über das Unfallgeschehen geäußert habe.

Am 17. September 2020 kam der Mitfahrer deshalb wegen des Verdachts auf Anstiftung zum Mord in Untersuchungshaft. Auch der Fahrer, der zum Zeitpunkt des tödlichen Unfalls 18 Jahre alt war und fast 2,9 Promille Alkohol im Blut hatte, kam zunächst in Untersuchungshaft. Er wurde aber wenig später wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Gericht sieht bei ihm keine Verdunklungsgefahr und hat den Haftbefehl wegen Mordes gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Sachbearbeiter der Polizei soll in den Zeugenstand

Bei dem nun anstehenden Prozesstag wird nach Auskunft eines Gerichtssprechers zunächst nicht die neue Zeugin selbst vernommen werden. Wie Rainer Volkert von der Pressestelle des Landgerichts dem BR gesagt hat, werde wohl der mit dem Fall betraute Sachbearbeiter der Polizei gehört.

Wie und ob der Berufungsprozess nach diesem zweiten Verhandlungstag fortgesetzt wird, ist offen. Sollte sich der Mordverdacht bestätigen, ist es möglich, dass das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts vom Oktober 2019 aufgehoben wird. Dann würde der Fall an der Jugendkammer des Schwurgerichts als Mordprozess neu aufgerollt. Ursprünglich hätte am zweiten Prozesstag des Berufungsverfahrens ein neues Gutachten zur Schuldfähigkeit des Hauptangeklagten im Fokus stehen sollen.

Umstrittenes Urteil in erster Instanz

In dem Verfahren geht es um die Trunkenheitsfahrt in den frühen Morgenstunden des 23. April 2017, die für die damals 20-jährige Theresa Stahl tödlich endete. Sie war als Fußgängerin unterwegs, als sie von dem Fahrzeug erfasst wurde. Sechs Tage nach dem Unfall verstarb die junge Frau im Krankenhaus an ihren Verletzungen.

Im Oktober 2019 hatte das Würzburger Amtsgericht den Fahrer wegen fahrlässigen Vollrauschs zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro verurteilt. Die drei anderen Angeklagten erhielten Geldstrafen wegen unterlassener Hilfeleistung.

Psychiatrischer Gutachter sorgte für Überraschung

Entscheidend für das umstrittene Urteil in erster Instanz war ein Gutachten, das dem Fahrer wegen seiner starken Alkoholisierung Schuldunfähigkeit attestiert hatte. Am ersten Tag des laufenden Berufungsverfahrens hatte derselbe psychiatrische Gutachter dann für eine erste Überraschung gesorgt. Denn nachdem er die Aussagen der Sanitäterin und des Notarztes gehört hatte, die den Fahrer in der Unfallnacht medizinisch versorgt hatten, schwenkte der Gutachter um: Entgegen seines eigenen Gutachtens in erster Instanz kam er nun zu dem Schluss, dass eine Schuldunfähigkeit des Fahrers "eher zu verneinen sei".

© BR Fernsehen

Aus dem Berufungsprozess wegen fahrlässiger Tötung könnte ein Mordprozess werden. Ein 18-Jähriger hatte nach einem Weinfest in Untereisenheim (Lkr. Würzburg) im Vollrausch eine 20-Jährige überfahren.

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