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Wanted: Der perfekte Bürgermeister für die Kommunalwahl 2020 | BR24

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Die Kommunalwahl hat Kandidatenmangel. Vielleicht auch, weil das Amt des Bürgermeisters zu viel von ihm fordert? Wie müsste der "perfekte Bürgermeister" sein?

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Wanted: Der perfekte Bürgermeister für die Kommunalwahl 2020

Bei der Kommunalwahl am 15. März werden rund 1.000 neue Bürgermeister gewählt. Viele Amtsinhaber hören altersbedingt auf, vielen ist der Job aber auch zu stressig geworden. Was muss der perfekte Bürgermeister sein: Watschenmann oder Ehrenmann?

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Sie haben es nicht leicht, die Bürgermeister im Freistaat. Es wird ihnen viel abverlangt und das nicht selten ehrenamtlich.

Zeit: Muss ein Bürgermeister immer erreichbar sein?

Bürgermeister sind im Grunde sieben Tage die Woche im Dienst: Tagsüber im Rathaus, abends Versammlungen in Vereinen, am Wochenende Feiern und Feste. Und auch sonst erwarten die Bürger, dass der Bürgermeister immer ansprechbar ist für ihre Sorgen und Nöte.

Gehalt: Wie viel Geld verdient ein Bürgermeister?

Von den 2.056 Bürgermeistern in Bayern sind etwas mehr als die Hälfte hauptamtlich tätig. Damit ist er ein Beamter auf Zeit. Die Besoldung reicht von ungefähr 5.000 Euro in kleinen Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern bis zu 10.000 Euro in großen Städten mit über 100.000 Einwohnern. 90 Prozent der Gemeinden im Freistaat haben weniger als 10.000 Einwohner.

891 Männer und Frauen in Bayern stehen ihrer Gemeinde ehrenamtlich vor. Das heißt, sie bestreiten ihren Lebensunterhalt eigentlich durch andere Einkünfte. Fürs Bürgermeister-Sein werden sie mit 1.500 bis 5.000 Euro "entschädigt". De facto ist Bürgermeister wohl für alle ein Fulltime-Job.

Frauenpower: Wo sind die Frauen?

In Bayern arbeiten derzeit fünf Landrätinnen in 71 Landkreisen. Nur drei von 25 kreisfreien Städten haben Oberbürgermeisterinnen. Nimmt man alle 2.056 Kommunen, dann liegt der Frauenanteil bei den (Ober-)Bürgermeistern bei unter zehn Prozent.

Beschlüsse: Wie werden Entscheidungen getroffen?

Das gesellschaftliche Miteinander hat auch in der Kommunalpolitik gelitten, sagt Uwe Brandl, Präsident des bayerischen Gemeindetags und langjähriger Bürgermeister in Abensberg in Niederbayern. Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren, sei nicht mehr die Regel. Stattdessen werden laut Brandl immer häufiger alle rechtlichen Mittel gegen missliebige Entscheidungen ausgeschöpft. Früher sei es im Gemeinderat auch hoch her gegangen, aber sachbezogen, sagt Brandl. Heute sei es vielen Mandatsträgern wichtiger, persönlich zu punkten, auch indem sie Kollegen verunglimpfen.

Verantwortung: Welche Interessen muss der Bürgermeister vertreten?

Straßenbau, Wohnen, Infrastruktur, Breitbandausbau - das sind nur einige der heiß diskutierten Themen in den Kommunen. Bürgermeister vertreten in allen Bereichen die Interessen der Gemeinde. Sie müssen Entscheidungen im Stadt- oder Gemeinderat herbeiführen, sie nach außen vertreten und umsetzen, auch wenn sie persönlich mal anderer Meinung sind.

Kommt es - zum Beispiel nach einem Spielplatz-Unfall - zu einem Rechtsstreit und ein Richter erkennt hier eine grobe Fahrlässigkeit von Seiten der Gemeinde, dann haftet am Ende der Bürgermeister auch persönlich.

Anfeindungen: Wie viel muss ein Bürgermeister aushalten?

Übereinstimmend berichten Bürgermeister, Landräte und auch kommunale Mitarbeiter, dass Hass, Hetze und Gewaltdrohungen zugenommen haben. Nur ein Bruchteil der Vorfälle ist strafrechtlich relevant und wird zur Anzeige gebracht. Belastbare Zahlen gibt es deshalb nicht. Bei den juristisch verfolgten Straftaten geht es meist um Propagandadelikte und Volksverhetzung. Am stärksten betroffen sind Frauen, in aller Regel sind es sexistische Verbalangriffe.

Während Spitzenpolitiker die Anfeindungen zum Großteil im Netz erleben, trifft der Unmut der Bürger Kommunalpolitiker zwangsläufig häufiger im realen Leben.

Ansehen: Wie viel Vertrauen haben Bürger in ihre Kommunalpolitiker?

Das erste Fass anzapfen und Freibier am Volksfest verteilen, so ist es leicht, die Sympathien der Bürger zu gewinnen. Im Gespräch mit den Menschen sein, sich kümmern, Probleme lösen, das sorgt für Zufriedenheit in der Gemeinde – und ist schlussendlich auch ein Verdienst des Bürgermeisters.

Im Vergleich zu Bundes- oder Landespolitikern genießen Kommunalpolitiker in Bayern großes Vertrauen: 69 Prozent der Bürger haben laut dem Bayern-Trend des BR vom Januar 2020 ein großes oder sehr großes Vertrauen in die Arbeit ihrer Gemeindevertreter. Zum Vergleich: Bei Bundespolitikern sind es nur 23 Prozent.

Gestaltungsmöglichkeiten: Woran misst man einen guten Bürgermeister?

Den Erfolg seiner Arbeit sieht der Bürgermeister jeden Tag, wenn er in der Gemeinde unterwegs ist: die sanierte Schule, der neue Spielplatz, mehr Busse im öffentlichen Nahverkehr, der Dorfladen, aber auch eine neue Firma im Gewerbegebiet, die Steuereinnahmen bringt. Dinge für seinen Heimatort voranbringen, etwas bewegen - das sorgt für Zufriedenheit im Amt des Bürgermeisters.

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