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Wann sind Schweine glücklich? | BR24

© dpa / picture-alliance

Symbolbild eines Ferkels im Stall

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    Wann sind Schweine glücklich?

    Die Frage, ob die Haltungsbedingungen in deutschen Ställen tiergerecht oder für die Insassen eine Zumutung sind, sorgt seit Jahren für eine emotionale gesellschaftliche Debatte. An der Uni Kiel wird nun geforscht. Von Henning Biedermann

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    Um Tierwohl sachlich beurteilen zu können, wurden zwar verschiedene Bewertungssysteme entwickelt, doch auch über deren Aussagekraft wird diskutiert. Also forscht man weiter. Zum Beispiel an der Uni Kiel: Dort läuft seit letztem Sommer das auf drei Jahre angelegte Projekt "Feel Good", das vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit 215.000 Euro gefördert wird.

    "Das Ziel von Feel Good ist, dass wir den Gemütszustand von Schweinen messbar machen können. Also dass wir Indikatoren ableiten können, dass wir sagen können: Das Schwein ist jetzt auch wirklich glücklich, das hat wenig negative Emotionen, und fühlt sich einfach wohl, ist gut drauf. Und das wollen wir messbar machen, weil es bisher noch nicht wirklich Indikatoren gibt, dass wir genau sagen können, so oder so sieht jetzt wirklich der Gemütszustand von den Tieren aus." Katja Krugmann, Agrarwissenschaftlerin

    Welche Indikatoren für die psychische Befindlichkeit eines Schweins könnte es geben? Ein ängstlich eingeklemmter oder fröhlich geringelter Schwanz wäre ein Kriterium - bei kupierten Schweinen aber schwer zu beobachten...

    Emotions-Tests

    Die Wissenschaftlerinnen versuchen, Emotionen mit klar strukturierten Tests zu erfassen: Wie reagiert ein Schwein auf die Konfrontation mit einer unbekannten Person oder einem unbekannten Objekt? Die Versuche dauern jeweils drei Minuten. Registriert wird, wann sich das Tier auf einen Radius von einem halben Meter annähert, wann der Erstkontakt stattfindet, wie lange ein Kontakt dauert, oder ob er gar nicht zustande kommt.

    Jedes Versuchstier muss diese Tests im Verlauf der Mast dreimal absolvieren - denn ein elf Wochen altes Schwein reagiert anders als ein Tier mit sechs bis sieben Monaten, kurz vor der Schlachtung. In ähnlichen Intervallen wird das Spielverhalten der Tiere über mehrere Wochen rund um die Uhr per Stallkamera dokumentiert und ausgewertet.

    Gehirn-Untersuchung im Labor

    Nach der Schlachtung werden auch die Gehirne untersucht. War ein Schwein zu Lebzeiten ständig gestresst und unglücklich, müsste dies an der Größe des Hippocampus, des Gedächtniszentrums ablesbar sein. Und an der Anzahl der Astrogliazellen.

    "Die Astrogliazellen, das ist eine Zellgruppe im Gehirn, die das Stützgewebe bildet, das heißt, sie macht eine große Masse im Hippocampus aus. Man hat bei depressiven Menschen oder auch Menschen in schlechten Gefühlszuständen festgestellt , dass sie eben eine verminderte Anzahl an diesen Astrogliazellen haben und dass auch insgesamt die Größe des Hippocampus deswegen auch kleiner ist. Und das hat man auch bei Labornagern nochmal reproduziert und wir hoffen jetzt, dass man beim Schwein die gleichen Veränderungen sehen kann." Farina Warnken, Tierärztin

    Ob Bioschweine größere Hippocampi besitzen als konventionelle, wird sich bis zum Ende des Projekts in zwei Jahren zeigen. Man sollte vermuten, dass ein Tier umso besser gelaunt ist, je mehr es sein angeborenes Verhalten ausleben darf: Unter naturnahen Bedingungen verbringen Schweine über die Hälfte des Tages mit Futtersuche und legen ihre Kotplätze weit weg von ihren Schlafnestern an.