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Embryonenspende im Labor

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    Wann beginnt das Leben? Gericht in München soll entscheiden

    Ab welchem Stadium ist eine Eizelle befruchtet – und darf damit gespendet werden? Darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen unter Medizinern und Juristen. Jetzt muss das Oberste Landesgericht in München entscheiden.

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    Von
    • Judith Zacher
    • Jo Schweizer

    Ab wann ist eine Eizelle befruchtet? Die Staatsanwaltschaft Augsburg ist der Auffassung, dass drei Mitglieder des Vereins "Netzwerk Embryonenspende" aus Dillingen gegen das Embryonenschutzgesetz verstoßen haben. Das wäre dann der Fall, wenn sie unbefruchtete Eizellen weitergegeben hätte. Die Frage ist deshalb: Ab welchem Stadium gilt eine Eizelle als befruchtet, also als Embryo? Nur dann darf sie gespendet werden.

    "Imprägnierte Eizellen" bleiben übrig

    Wenn Frauen sich einer Kinderwunschbehandlung unterziehen, werden ihnen Eizellen entnommen. In der Regel werden hierfür mehrere Eizellen eingefroren - sicherheitshalber, falls doch noch einmal welche benötigt werden.

    Ist die Kinderwunschbehandlung erfolgreich abgeschlossen, sind diese Eizellen quasi übrig. Dabei handelt es sich um imprägnierte Eizellen, das bedeutet, der Samen ist bereits eingedrungen, der Befruchtungsvorgang wurde durch das sofortige Einfrieren aber unterbrochen. Das heißt, die Zellkerne sind noch nicht verschmolzen.

    Netzwerk Embryonenspende hat auch Eizellen vermittelt

    Das Netzwerk Embryonenspende mit Sitz in Dillingen hat solche imprägnierten Eizellen mit Einwilligung der genetischen Mutter anonym und nicht gewinnorientiert an kinderlose Paare vermittelt. Befürworter dieser Methode argumentieren, dass die Kerne nur wenige Stunden nach dem Auftauen verschmelzen und so schützenswertes Leben entstehe.

    Gegner argumentieren, dass diese Verschmelzung zum Zeitpunkt des Einfrierens noch nicht stattgefunden hat. Die Frage ist nun: Ab wann ist eine Eizelle befruchtet? Denn nur im befruchteten Zustand ist die Spende in Deutschland legal. Das Augsburger Landgericht sah das als gegeben an, es sprach die Angeklagten frei. Die Staatsanwaltschaft aber hat Revision eingelegt. Seitdem die Rechtmäßigkeit der Spende dieser Eizellen von den Gerichten behandelt würde, habe man keine weiteren Eizellen in diesem Stadium mehr vermittelt, so Hans-Peter Eiden vom Netzwerk Embryonenspende.

    Urteil hat bundesweite Bedeutung für Medizin

    Das Urteil wird nicht nur von Reproduktionsmedizinern mit Spannung erwartet. Laut dem Münchner Professor Wolfgang Würfel, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, ist die Bedeutung dieses Urteils für die Reproduktionsmedizin in Deutschland groß.

    Die Nachfrage nach Spenden sei nämlich weit höher, als die zur Verfügung stehenden Embryonen. "Würde das Spenden von imprägnierten, überzähligen Eizellen für legal erklärt, wäre die Spendenbereitschaft mit Sicherheit größer", so der Mediziner.

    Die psychologische Hürde, einen Embryo zur Spende frei zu geben, sei für die genetische Mutter weit höher, als die, eine imprägnierte Eizelle zur Verfügung zu stellen. Würde diese Methode legalisiert, müsste man die Mütter aufklären, dass sie ihre imprägnierten Eizellen spenden können. Da der Transfer der gespendeten Eizelle an dem Zentrum vorgenommen, an dem sie auch eingefroren würde, hätte das für viele Kinderwunschzentren Konsequenzen.

    Ärztinnenbund spricht sich für Legalisierung aus

    Für die Legalisierung spricht sich unter anderem der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) aus. Damit könnten auch Paare Eltern werden, bei denen die Frau nicht über eigene fertile Eizellen verfügt, ohne dass das Verbot der Eizellspende tangiert wird, erklärt DÄB-Präsidentin Christiane Groß am Montag in Berlin der Katholischen Nachrichtenagentur.

    Das erwartete Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichtes wäre nach Angaben eines Gerichtssprechers das erste obergerichtliche Urteil zu dem Thema. Nachdem heute die Plädoyers vorgelesen wurden, soll das Urteil am Mittwoch, 5. November um 14 Uhr verkündet werden.

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