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Bayern

Wandergesellen im Würzburger Landratsamt | BR24

© Kathrin Klotzbach

Freuten sich über den herzlichen Empfang von Landrat Eberhard Nuß: Gitarrenbauer Lolo (l.) und Bierbrauer Philipp (r.).

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    Wandergesellen im Würzburger Landratsamt

    Zwei Wandergesellen haben auf ihrer Reise halt im Würzburger Landratsamt gemacht und den Landrat mit ihren ungewöhnlichen Handwerksberufen überrascht. Als Gitarrenbauer und Bierbrauer führen sie eine lange Handwerkstradition fort.

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    Insgesamt drei Jahre und einen Tag sind Lolo, "fremder freier Gitarrenbauer" aus München, und Philipp, "fremder freier Bierbrauer" aus Hamburg, auf Wanderschaft. Sie folgen der jahrhundertealten Tradition der Walz. Der Zufall brachte den Gitarrenbauer aus Oberbayern und den Bierbrauer aus dem hohen Norden zusammen. Vor Weihnachten arbeiteten sie gemeinsam auf einer solidarischen Baustelle nahe Fürstenwalde und bauten mit rund 100 anderen Wandergesellen einen Gutshof um.

    Nun führte ihre Route ins Landratsamt Würzburg, wo Landrat Eberhard Nuß sie herzlich empfing. "Mehr Handwerker braucht das Land", erklärte Nuß beim Besuch der beiden Wandergesellen. Lolos und Philipps nächste größere Station soll Freiburg sein.

    Immer wieder klopfen junge Handwerksgesellen auf der Walz beim Landrat an, um sich das gestempelte Landkreiswappen für ihr Wanderbuch abzuholen. Ein Duo aus Gitarrenbauer und Bierbrauer war bisher allerdings noch nicht darunter. Unter den Braugesellen lebte die Wandertradition auch erst 2009 wieder auf.

    Drei Jahre auf Wanderschaft

    Seit dem Spätmittelalter gibt es die Tradition der Wanderjahre bereits. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war sie Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung. Drei Jahre und einen Tag lang reisen Gesellen in der Regel auf der Walz von Ort zu Ort und fragen dort um Arbeit. Finden sie keine Beschäftigung, werden sie traditionell mit einem kleinen Zehrgeld weitergeschickt. Sie dürfen sich nur zu Fuß oder per Anhalter bewegen und einen Umkreis von 50 Kilometer um ihren Heimatort nicht betreten, das besagen die Regeln. Zur Walz gehört außerdem die traditionelle Kluft, die unter anderem ein weißes, kragenloses Hemd, eine Weste aus Samt oder Cord und eine Schlaghose ausmacht.

    Handwerk mit Tradition

    Zupfinstrumentenbauer lautet die offizielle Berufsbezeichnung für das Handwerk, das im Sprachgebrauch oft als Gitarrenbauer bezeichnet wird. Die Ausbildung vermittelt die Grundlagen zum Bau aller Zupfinstrumente wie Gitarre, Harfe oder Hackbrett und seit 2014 auch zum Bau elektronischer Zupfinstrumente. Meist spezialisieren sich die Instrumentenbauer jedoch im Laufe ihrer Ausbildung.

    Genau wie der Instrumentenbau ist auch die Bierbrauerei ein Handwerk mit langer Tradition: Schon seit 1516 gibt es das deutsche Reinheitsgebot, das vorschreibt, das zur Herstellung von Bier nur Malz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet werden darf. Allein Bayern zählte im Jahr 2018 654 Brauereien, die insgesamt 2,4 Milliarden Liter Bier produzierten.