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Wanderbus durch die Valepp: Straße für neue StVO zu schmal | BR24

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Am Ufer des Spitzingsees liegt die Haltestelle für den beliebten Wanderbus, der die Ferienregion Schliersee mit dem Tegernseer Tal verbindet. Doch mittlerweile wartet man hier vergebens: Die Linie 9560 wurde bis auf weiteres eingestellt. Warum?

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Wanderbus durch die Valepp: Straße für neue StVO zu schmal

RVO-Busfahrer fahren nicht durch die Valepp nach Spitzing. Grund ist die neue Straßenverkehrsordnung. Der Mindestabstand unter Verkehrsteilnehmern funktioniert auf der schmalen Straße nicht. Wir haben mit einem schmalen Sonderbus den Test gemacht.

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Es fährt kein Bus in die Valepp

Gleich neben der Kirche am Ufer des Spitzingsees liegt die Haltestelle für den beliebten Wanderbus, der die Ferienregion Schliersee mit dem Tegernseer Tal verbindet. Doch wer hier steht, wartet vergebens. Die Linie, die seit 1984 besteht, wurde mit dem Sommerfahrplan am 30. Mai diesen Jahres bis auf weiteres eingestellt. Nein, nicht wegen Corona. Der Grund: Die neuen Abstandsregeln - zum Schutz der Radfahrer, die immer häufiger auf dieser wildromantischen, rund 13 Kilometer langen Strecke unterwegs sind.

Testfahrt mit einem schmalen Bus

Der knallrote Wanderbus ist eine Sonderanfertigung: Er ist schmaler und kürzer, damit er auf engen und kurvenreichen Straßen gut durchkommt. Doch kann der Bus den vorgeschriebenen Mindest-Abstand zu Radlern einhalten? Um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen, startet Ralf Kreutzer vom Betreiber Regionalverkehr Oberbayern zu einer Testfahrt.

50 Zentimeter bis zum Abgrund

Wir dürfen ihn begleiten. Schon kurz nach dem Start kommen uns die ersten Mountainbikefahrer entgegen. Der Busfahrer fährt rechts ran, soweit es geht, um die Radler vorbeizulassen. Dann wird es richtig eng. Wir fahren in die so genannte Wildwasser. Ralf Kreutzer hat einen Meterstab dabei. Er steigt aus dem Bus aus und misst den Abstand zwischen Bus und Abgrund.

"Wir haben hier 50 Zentimeter Abstand. Wir bräuchten aber zwei Meter außerhalb von Ortschaften, um an Fahrradfahrern vorbeizukommen und deshalb ist es da schwierig, mit der Regelung klarzukommen." Ralf Kreutzer, RVO Regionalverkehr Oberbayern, Niederlassungsleiter

Kein Platz heißt: Verstoß gegen geltendes Recht

Eine Gruppe Radler kommt mit Kinderanhänger angerauscht. Kein Durchkommen. Sie müssen zurück fahren zu einer kleinen Ausweiche. Eine schwierige Situation auch für den Busfahrer, sagt Ralf Kreutzer.

"Unser Problem ist, dass wir hier gegen geltendes, neues Recht verstoßen. Vor allem unser Personal, das dann geahndet wird mit Geldstrafe und mit Punkten. Und dann gehen uns irgendwann die Fahrer aus, wenn wir hier statt Fahrgeld, Punkte sammeln. Das ist ein schwieriger Fall." Ralf Kreutzer, RVO Regionalverkehr Oberbayern, Niederlassungsleiter

Oft wird's brenzlig

Viele Radfahrer sind rücksichtsvoll, drosseln ihr Tempo, weichen aus. Das können wir auf unserer Testfahrt beobachten. Doch es gibt auch andere. Und oft wird es brenzlig. "Es ist zum Glück noch nichts sehr Dramatisches passiert", sagt Kreutzer. Aber im letzten Jahr sei ein schwerer Unfall passiert. Ein Radfahrer ist in den stehenden Bus gefahren. "Der Busfahrer konnte nicht mehr machen als stehen bleiben", berichtet Kreutzer. "Es ist nicht ungefährlich ja, aber wir haben heute bei unserer Tour heute auch gesehen, wie es auch gehen kann", erklärt der Niederlassungsleiter. Dass viele Fahrradfahrer an den Rand gefahren und stehen geblieben sind und alles gut war.

Der Wanderbus ist wichtig für die Region

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RVO-Busfahrer fahren nicht durch die Valepp nach Spitzing. Grund ist die neue Straßenverkehrsordnung. Der Mindestabstand unter Verkehrsteilnehmern funktioniert auf der schmalen Straße nicht. Wir haben mit einem Busfahrer den Test gemacht.

Für die Urlaubsregion wäre es ein herber Verlust, wenn der Wander-Bus für immer eingestellt würde, sagt Mathias Schrön, Touristik-Chef vom Schliersee.

"Also für uns vom Schliersee hat der Bus eine wahnsinnig große Bedeutung, weil der Bus die beiden Täler Tegernsee und Schliersee eben verbindet und diese Achse wird wahnsinnig oft genutzt." Mathias Schrön, Leiter Gästeinformation Schliersee.

Bimmelbahn als Lösung?

Deshalb suchen jetzt Gemeinden und Tourismus-Experten nach einer Lösung, damit die beliebte Strecke für alle erlebbar bleibt. Mathias Schrön hofft solange auf eine Ausnahmegenehmigung der Abstandsregeln bis eine Lösung - beispielsweise eine Art "Bimmelbahn" - gefunden sei. "Denn es wäre sehr schade, wenn man hier Leute ausgrenzt", findet der Touristik-Chef.

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