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Waldumbau: Wildlinge statt Baumschulpflanzen | BR24

© BR / Kirsten Zesewitz

Waldumbau mit Wildlingen

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    Waldumbau: Wildlinge statt Baumschulpflanzen

    In jedem Wald sorgen Bäume ganz natürlich für Nachwuchs: Mit Wildlingen, die zu Millionen am Boden keimen. Die Pflanzen auszugraben ist billiger, als Baumschulpflanzen zu kaufen. Auch sind die Bäumchen robuster. Aber nicht alle Arten sind geeignet.

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    Von
    • Kirsten Zesewitz

    Aus reinen Fichtenwäldern sollen Mischwälder werden: mit Tannen, Buchen, Eichen oder Bergahorn. Aber wie? Im Forst ist vor allem die Pflanzung mit Baumschulpflanzen üblich. Aber die Pflanzen sind teuer. Von selbst aufgegangene Wildlinge sind eine kostengünstige Alternative, weil man nur die Arbeitsstunden fürs Ausgraben und das neue einpflanzen berechnen muss.

    Wildlinge sind robuster als Baumschulpflanzen

    Wildlinge sind an den Standort angepasst, weil sie nicht auf einem Acker, sondern im Waldboden keimen und heranwachsen. Außerdem werden sie nicht so stark vom Rehwild verbissen. Der Grund: Baumschulpflanzen sind gedüngt, enthalten mehr Nährstoffe und sind deshalb für Rehe ein Leckerbissen. Wildlinge sind sozusagen nur Normalkost.

    Ein weiterer Vorteil von Wildlingen: sie sind Schatten gewöhnt und können deshalb problemlos in alte und schattige Buchen- oder Nadelholzbestände gepflanzt werden.

    Nicht jede Baumart ist geeignet

    Nicht jede Baumart eignet sich aber zur Wildlings-Gewinnung. Gut verpflanzen lassen sich alle Bäume mit einer kompakten Wurzel. Buche und Ahorn haben Herzwurzeln und sind insofern gut geeignet. Bäume mit langen Pfahlwurzeln wie Eiche oder Tanne können nur versetzt werden, wenn sie noch sehr klein sind. Bei Tannen sollten Spross und Wurzel ungefähr gleich groß sein, jeweils etwa 10 Zentimeter.

    Das ist beim Verpflanzen wichtig

    Morgens ausgraben, nachmittags einpflanzen – das ist ideal bei der Wildlings-Methode. Weil das in der Praxis aber oft nicht möglich ist, kann man die kleinen Pflanzen auch in Bündeln vorübergehend im feuchten Waldboden eingraben, so bleiben sie bis zu 14 Tage frisch.

    Oberstes Gebot ist immer: die Wurzeln nicht austrocknen lassen und nicht verletzen. Beim Einpflanzen gilt dann: Das Pflanzloch muss ausreichend groß sein, damit die Wurzel nicht verbogen wird.

    Wildlinge im Bamberger Stadtwald

    Im Bamberger Stadtwald wird seit 30 Jahren naturgemäß mit Wildlingen gewirtschaftet. Die Voraussetzung: Die Eltern-Bäume müssen geeignet sein. Wildlinge werden deshalb nur unter Altbäumen ausgegraben, die gute Eigenschaften haben: gerade gewachsen ohne Verzwieselungen und ohne Pilzbefall.

    Die städtischen Förster säen den Baumnachwuchs sogar ganz gezielt an: In so genannten "fliegenden Saatbeeten" im Wald stehen reihenweise Tannen und Eichen, aber auch Sonderbaumarten wie die Esskastanie oder die Baumhasel.

    Wildlinge sind kostenlos

    Für Johannes Hölzl, Leiter des Forstbetriebs der Stadt Bamberg, haben Wildlinge viele Vorteile. Zunächst der Preis: Für einen Wildling rechnet er 30 Cent Arbeitszeit – eine Baumschulpflanze kostet allein im Einkauf in etwa das Vierfache. Sinnvoll ist es, an verschiedenen Stellen im Bestand Wildlinge zu ernten, um so die Eigenschaften der nächsten Baumgeneration auf eine breite genetische Basis zu stellen:

    "Nur an einer Stelle Wildlinge zu gewinnen wäre falsch, weil diese Pflanzen vielleicht anfällig sind für irgendeine Krankheit. Indem ich von verschiedenen Altbäumen Wildlinge hole, erreiche ich eine maximale genetische Biodiversität." Johannes Hölzl, Leiter Forstbetrieb Stadt Bamberg

    Nicht jeder darf Wildlinge verpflanzen

    Wichtig zu wissen: Für den eigenen Wald darf jeder Waldbesitzer Wildlinge aus seinem Bestand nutzen, verkaufen darf er sie jedoch nicht. In Bayern gilt das Forstvermehrungsgesetz: Saatgut und Wildlinge zum Verkauf dürfen nur in anerkannten Beständen gewonnen werden. Der Stadtwald Bamberg besitzt solch zugelassene Bestände. Dort werden gerade 7.000 Buchen-Wildlinge ausgegraben, für einen Kunden im Steigerwald.

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