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Wegen Sparmaßnahmen im Forstamt könnte der Waldumbau in Nordschwaben ins Stocken geraten.

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Waldumbau mit bürokratischen Hindernissen

Waldbesitzer und Forstbeamte in Nordschwaben schlagen Alarm: Wegen eines befürchteten Personalabbaus könnten Fördergelder langsamer fließen. Dadurch würde sich der dringend nötige Umbau der Wälder verzögern. Das Forstministerium aber widerspricht.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

Der Borkenkäfer, das Eschentriebsterben und heftige Stürme: Im Donauwörther Stadtwald klafft auf einer fußballfeldgroßen Fläche gerade eine Lücke, viele Bäume mussten gefällt werden. Doch wegen Sparmaßnahmen im zuständigen Forstamt ist offen, ob an der Stelle schon bald Eichen und Buchen wachsen werden. Stadtförster Michael Fürst fürchtet, den Waldumbau nicht schnell genug vorantreiben zu können.

Personalabbau im Forstamt

Der Grund: Ein befürchteter Personalabbau im Forstamt. Dadurch könnten die extrem wichtigen Fördergelder für den Waldumbau deutlich langsamer fließen, fürchtet der Förster – und den Zeitplan durcheinanderwirbeln, denn junge Bäumchen können nur im Frühjahr und Herbst gepflanzt werden. "Die Sorge, die wir haben, ist die, dass wenn dieser genau getaktete Zeitrahmen, den wir jedes Jahr im Frühjahr und Herbst haben – wenn es da zu Verzögerungen kommt – dann würde es eventuell dazu führen, dass diese Maßnahmen nicht in diesem Zeitfenster gemacht werden können."

Hintergrund ist die Reform der Landwirtschaftsämter

110.000 Euro hat die Stadt Donauwörth im vergangenen Jahr für den Umbau und die Pflege ihres Waldes bekommen. Doch die Bewilligung der Fördergelder könnte künftig länger dauern. Der Hintergrund: Das geplante Zusammenlegen der beiden Landwirtschaftsämter Nördlingen und Wertingen im Sommer. Das ist Teil einer großen Reform der Landwirtschaftsämter in ganz Bayern.

Forstbeamter richtet Appell an Forstministerin Kaniber

Ungewöhnlich: Die Sorgen des Försters teilt sogar der künftige Chef des Bereichs Forsten in dem dann zusammengelegten Amt, Marc Koch. Unterm Strich gehe es zwar nur um eine Vollzeitstelle, aber eben ausgerechnet in dem so wichtigen Bereich der Bearbeitung der Förderanträge.

Marc Koch richtet deshalb einen Appell an seine Dienstherrin, Forstministerin Michaela Kaniber von der CSU: "Die Ministerin hat ja angekündigt, dass mit der Neuausrichtung der Landwirtschaftsverwaltung eigentlich keine Einbußen für die Kunden, das sind für uns die Waldbesitzer, entstehen. Dieses Versprechen würde ich gerne auch hier in Nordschwaben eingelöst sehen."

Ministerium widerspricht dem Forstamt

Das Ministerium teilte am Donnerstagnachmittag dem BR auf Nachfrage mit, dass bayernweit die Personalverteilung gegebenenfalls in geringem Umfang an aktuelle Rahmenbedingungen angepasst werde. Im konkreten Fall seien die in Nordschwaben befürchteten Personalverluste nicht vorgesehen. Der designierte Leiter des Bereichs Forsten in dem neu strukturierten Amt, Marc Koch, hatte sich im BR-Gespräch auf die zurzeit laufenden Ausschreibungen der Stellen bezogen und daraus die Stellenkürzung abgeleitet.

Sorge, dass Waldbesitzer in die Röhre schauen

Der Forstbeamte denkt nach eigenen Angaben auch an die vielen kleinen Waldbesitzer in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen. Die müsse man mitnehmen und unterstützen beim klimatoleranten Umbau der Wälder. "Und dann kann man nicht sagen: Wir haben jetzt fünf Jahre einen Haufen Geld, leider haben wir keine Leute gehabt, das rauszubringen und dann sind die Waldbesitzer die, die am Ende in die Röhre schauen, das sollte nicht passieren“, sagt Koch.

Freistaat steckt pro Jahr 80 Millionen Euro in den Waldumbau

Denn der Waldumbau ist Konsens. Mit 80 Millionen Euro fördert der Freistaat derzeit jedes Jahr die Waldbesitzer, etwa für das Pflanzen von Eichen und Buchen statt Fichten-Monokulturen – nach eigenen Angaben so viel wie noch nie.

Brombeeren verdrängen jungen Wald

Die Zeit im Kampf gegen den Klimawandel jedenfalls ist knapp, selbst im langsam wachsenden Wald, sagt der Donauwörther Stadtförster Michael Fürst und erklärt das an einem Beispiel: "Hier sehen Sie ein Brombeernest, das ist der Ausgangspunkt der Verwilderung. Das geht explosionsartig und jeder junge Wald, der hier wachsen würde, bräuchte Jahre, bis er sich hier durchsetzt und das wären verlorene Jahre für den Wald, weil gerade junge Bäume besonders viel CO2 speichern."

Hoffnung auf Kehrtwende beim Personal

Bisher können laut Ministerium Förderanträge für waldbauliche Maßnahmen in etwa drei bis vier Wochen bearbeitet werden. Sollte es in Zukunft aber bei der Bearbeitung der Förderanträge stocken, hätten die Brombeeren hier noch mehr Zeit zu wuchern, fürchtet der Stadtförster. Dann bräuchte es wieder schwere Maschinen, um die Fläche für das Aufforsten herzurichten. Das koste zusätzlich Zeit und Geld. Stadtförster Michael Fürst hofft deshalb, dass er so pünktlich wie bisher den Waldumbau vorantreiben kann.

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