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Waldsterben: Bayerns Waldbesitzer kämpfen um ihre Bäume | BR24

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Der Wald stirbt, das Ausmaß ist dramatisch. In Bayern sind allein im ersten Halbjahr 2019 knapp 2,5 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren. Viele Waldbesitzer kommen an ihre Grenzen.

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Waldsterben: Bayerns Waldbesitzer kämpfen um ihre Bäume

Der Wald stirbt, das Ausmaß ist dramatisch. In Bayern sind allein im ersten Halbjahr 2019 knapp 2,5 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Der Klimawandel hinterlässt seine Spuren. Viele Waldbesitzer kommen an ihre Grenzen.

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Andreas Kohlbeck ist Waldbauer bei Landshut. Forstwirtschaft ist sein Hobby, er kümmert sich um die geerbten vier Hektar Familienwald. Das ist heute vor allem harte Arbeit. Knapp die Hälfte seines Fichtenwaldes hat der Borkenkäfer zerstört. Damit ist er nicht allein: Seit Januar 2018 sind in ganz Bayern 6,2 Millionen Festmeter Schadholz von Fichten angefallen. Der Borkenkäfer hat sich massiv vermehrt und große Schäden angerichtet.

"Der Borkenkäfer ist ja nur der Totengräber. Auslöser von dem Gesamten ist die Trockenheit, es regnet viel zu wenig." Andreas Kohlbeck, Waldbauer

Aufwändige Aufforstung

Der Schädling liebt die Wärme. Er breitet sich seit 2016 rasant aus. Doch die Frage, wie dem Wald geholfen werden kann, ist umstritten. Die einen wollen mehr Wälder stilllegen, also sich selbst überlassen, die anderen noch intensiver bewirtschaften. Kohlbeck hat die Empfehlungen des Forstamtes befolgt, vor allem Laubbäume angepflanzt: Eiche, Linde, Elsbeere, Buche und ein paar Weißtannen. Jetzt muss er die jungen Triebe hegen und pflegen wie ein Gärtner, er mäht und gießt. In diesem Jahr hat er schon über 15.000 Liter Wasser vergossen. Doch das ist keine Dauerlösung. Und so intensiv wie Kohlbeck können sich nur wenige Waldbauern um die Wiederaufforstung kümmern.

Laubbäume in Gefahr

Und auch um die Laubwälder in Bayern steht es nicht gut. Von Januar bis Juni 2019 sind 174.576 Festmeter Laubbaum-Schadholz angefallen. Die Bäume verdursten wegen der Trockenheit. Besonders betroffen ist Oberfranken. In der Nähe von Coburg bewirtschaftet Hilmar Sterzer seinen Wald. Heute muss er eine kranke Esche fällen.

"Da ist man ein bisschen traurig, weil das sind halt richtige Raritäten, große Bäume, die 100, 200 Jahre alt sind. Da geht man schon mit gemischten Gefühlen ran. Es waren letztes Jahr schon Etliche, aber dieses Jahr ist es sehr schlimm. Bei der Buche sind bestimmt 50 Prozent betroffen. Und bei der Esche wird es immer schlimmer." Hilmar Sterzer, Waldbauer

Chinesischer Pilz gefährdet Eschen

Viele Eschen leiden an einem Pilz, der mit Holzpaletten aus China nach Deutschland gekommen ist und das Eschentriebsterben ausgelöst hat. 95 Prozent der Eschen – so sagen es Experten voraus – werden den Pilz nicht überleben. Die Esche wird verschwinden, wie zuvor schon die Ulme.

"Wir wissen eigentlich schon gar nicht mehr, was wir nachpflanzen sollen an Laubwald. Es hat ja die ganze Zeit geheißen, Buche, Esche, Birke. Aber es ist alles betroffen und stirbt alles ab." Hilmar Sterzer, Landwirt

Überangebot sorgt für Preiseinbruch

Einen Tag Arbeit kostet Sterzer das Fällen, Zerlegen und Abtransportieren einer einzigen Esche.

Dabei bringt ihm der Baum heute deutlich weniger Geld ein: Vor zwei oder drei Jahren war ein Festmeter Esche noch 150 bis 160 Euro wert. Heute kann Sterzer nur noch mit etwa 85 bis 90 Euro rechnen, prognostiziert Manfred Herter von der Waldbauernvereinigung Coburger Land. Ein herber Verlust. Und noch schlimmer: Der Fichtenwald von Sterzer ist auch noch vom Borkenkäfer befallen. Den muss er nun maschinell fällen lassen. Ein Verlustgeschäft. Es gibt einfach zu viel Schadholz auf dem Markt. Der Preis ist im Keller. Frustrierend für die Waldbauern.

"Wenn man nur noch arbeiten soll, um den Wald zu erhalten, dann sehe ich es ehrlich gesagt nicht ein, dass ich das nur aus meiner Tasche zahle, weil die Allgemeinheit will auch Wald." Hilmar Sterzer, Landwirt

Leistung der Waldbauern ist immens

In ganz Deutschland stapeln sich Baumstämme, an Waldstraßen, in Sägewerken und in Nassholzlagern. Käferholz muss schnell aus dem Wald, wird weit entfernt gelagert und feucht gehalten, um Schädlinge abzuhalten. Ein Ende ist bisher nicht in Sicht. Försterin Ramona Resch aus Landshut versteht den Frust der Waldbauern.

"Das ist wieder das alte ‚Eigentum verpflichtet‘. Das ist einfach so, dass die Waldbesitzer jetzt an ihre Grenzen kommen. Das ist glaube ich etwas, das man in der Gesellschaft auch anerkennen sollte, was die Waldbesitzer für unser Allgemeinwohl leisten." Ramona Resch, Försterin in Landshut

Klar ist: Der Waldumbau ist eine Generationenaufgabe. Wälder, die heute gepflanzt werden, müssen dem Klima und den Schädlingen der nächsten 100 Jahre standhalten.