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Kiefern, Fichten und Buchen: Waldsterben 2.0 in Franken | BR24

© BR/Rüdiger Baumann

Waldsterben 2.0 in Bayern: Trocken- und Hitzeschäden sowie zunehmender Schädlingsbefall machen den Staatsforsten und Waldbesitzern zu schaffen.

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    Kiefern, Fichten und Buchen: Waldsterben 2.0 in Franken

    Fränkische Waldbesitzer und Förster sehen mit Sorge auf ihren Waldbestand. Egal, ob im Steigerwald, im Fichtelgebirge, im Veldensteiner Forst oder im Reichswald: Kiefern und Fichten zeigen starke Hitzeschäden. Zudem breitet sich der Borkenkäfer aus.

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    Von
    • Rüdiger Baumann

    Die fränkischen Waldbesitzer, die Staatsforsten haben derzeit viele Herausforderungen zu bewältigen: Vergangene Trocken- und Hitzejahre haben den Bäumen stark zugesetzt. Auch die Schädlinge nehmen immer mehr zu. Im Landkreis Bamberg kämpfen die Waldbesitzer mit immer Borkenkäfern. In Oberfranken sterben die Kiefern und Fichten, in Unterfranken sind auch die Buchen betroffen.

    Buchdrucker-Befall von Fichten im Landkreis Bamberg

    Eigentlich sehen die Fichten gesund aus, doch im Wurzelbereich liegt Bohrmehl. Der Borkenkäfer, hier speziell der Buchdrucker, hat erneut zugeschlagen. Waldbesitzer Christian Dorsch aus Poxdorf im Landkreis Bamberg ist verzweifelt: "Das ist ein Riesenproblem momentan, dass das in einer rasenden Geschwindigkeit vorwärts geht. Ich weiß gar nicht wer mir noch helfen soll."

    Nadelwaldgebiete extrem betroffen

    Früher gab es zwei Borkenkäfergenerationen pro Jahr jetzt sind es drei bis vier. Der Befallsdruck nimmt zu, heißt es von der bayerischen Forstverwaltung. Das Waldsterben 2.0 hat die Nadelwaldgebiete Bayerns voll erwischt: Frankenwald, Fichtelgebirge, Coburger Land oder Veldensteiner Forst, teilweise sind "nur" 30 Prozent der Flächen betroffen, oft die Hälfte und manchmal sind sogar 70 Prozent der Bäume geschädigt oder tot.

    Monokulturen geschwächt

    Die Hitzesommer 2018 und 2019 haben die Fichten- und Kiefernmonokulturen massiv geschwächt auch in Mittelfranken. Jetzt hat der Borkenkäfer leichtes Spiel. Das befallene Holz muss aus dem Wald, damit sich der Schädling nicht noch weiterverbreitet.

    Zu viel gefälltes Holz – Preise im Keller

    Für viele Waldbesitzer war der Forst immer die Sparkasse, die man nur in Notzeiten angepackt hat. Die Waldbesitzervereinigung Bamberg hat im ersten Halbjahr 2020 schon so viel Holz gefällt, wie im gesamten Jahr 2019. Millionen Festmeter liegen auf Poldern, oft am Waldrand in der prallen Sonne. Das schönste Bauholz verdirbt so in wenigen Wochen, bekommt Risse und taugt am Ende nur noch als Brennholz.

    Es ist viel zu viel Holz am Markt, die Preise sind im Keller. Einnahmen aus dem Holzverkauf decken oft nicht einmal die Kosten für das Fällen und den Abtransport decken. Patrick Hammerschmidt von der Waldbesitzervereinigung Bamberg verkauft das fränkische Holz deshalb bis nach China: "Das hat einen riesigen Vorteil, das Holz geht schnell weg und wir kennen eine feste Summe an Festmetern, die wir zeitnah, ohne dass wir zwischenlagern müssen, direkt aus den Wäldern vermarkten können.“

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    Schon jetzt zum Halbjahr 2020 mussten in Bayern so viele Bäume gefällt werden, wie im gesamten Jahr 2019.

    Kritik vom Umweltminister

    Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber hält das für "ökologischen Wahnsinn" und beschreibt das Vorgehen als den "völlig falschen Weg". Glauber sieht den Freistaat in der Verantwortung und will sich dafür einsetzen, dass in die Ausschreibungen in Bayern die Energiebilanz mit einbezogen wird. "Und dann werden wir ganz schnell zu regionaler Vermarktung kommen", meint der Minister.

    Auch Buchen und Eichen immer mehr betroffen

    Inzwischen kommen auch aus immer mehr Mischwaldgebieten Nachrichten, dass auch Buchen und Eichen deutliche Schäden zeigen. Etwa im Steigerwald: fehlender Blattaustrieb, kaputte Spitzen, Dürre und Hitzeschäden. Trockenstress auf mindestens 3000 Hektar.

    Der Steigerwald ist das Revier von Ulrich Mergner. Hier leitet er den Forstbetrieb der Bayerischen Staatsforsten. Über 30 Jahre Forsterfahrung hat er auf dem Buckel: "Wir haben letztes Jahr festgestellt, dass die Buche nicht mehr richtig ausgetrieben hat im Mai." In Hitzesommern werfen Buchen schon mal frühzeitig Blätter ab, aber dass der Austrieb nicht kam, hat Ulrich Mergner "noch nie erlebt". Inzwischen sind Teile der Kronen der geschädigten Bäume abgestorben.

    Appell an bayerische Staatsregierung

    Richard Mergner vom Bund Naturschutz in Bayern richtet deshalb einen Appell an die bayerische Staatsregierung in Sachen Klimaschutz: "Die Bilder in Oberfranken, oder dort wo die Fichte dominiert, sind natürlich vielfach schlimmer. Aber trotzdem ist es ein Alarmsignal und ein klarer Weckruf an die Politik, dass gegen die Klimakrise vorgegangen werden muss."

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    Besonders betroffen vom Baumsterben sind die Wälder, die hauptsächlich Nadelbaum-Bestand haben.

    DokThema "Wassermangel – Trocknet Bayern aus?"

    Der Film "Wassermangel – Trocknet Bayern aus?", am Mittwoch, 22.07.2020 um 22.00 Uhr im BR Fernsehen geht den Ursachen für das Waldsterbens 2.0 nach. Klimaforscher erklären die Veränderungen bei Temperatur und Niederschlag, die Bayern in den kommenden 30 Jahre zu erwarten hat.

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