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Waldmedizin - Wie uns der Wald heilen kann | BR24

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Weltweit beschäftigen sich Wissenschaftler mit der Wirkung des Waldes auf unsere Gesundheit. Woran liegt es, dass uns das Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Erleben des Waldes so gut tut?

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Waldmedizin - Wie uns der Wald heilen kann

"Waldbaden“ klingt erstmal esoterisch. Tatsächlich erforschen aber immer mehr Wissenschaftler die Wirkung des Waldes auf unsere Gesundheit. Erste Erkenntnisse zeigen: Das Eintauchen in den Wald ist nicht nur erholsam. Der Wald kann noch viel mehr.

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In Japan gibt es die wissenschaftliche Forschung zur Waldmedizin schon länger als bei uns. "Shinrin Yoku" nennen die Japaner das "Baden im Wald". Wirkungen wie Blutdruck senken, das Immunsystem stärken durch mehr Killerzellen und weniger Herzkreislaufprobleme schreiben sie dem Waldbaden zu. Das Eintauchen in den Wald mit allen Sinnen gilt dort als wirksame Präventivmedizin gegen fast alle Zivilisationskrankheiten, die durch Stress begünstigt werden. "Das Waldbaden ist in den letzten Jahren von einem Gefühl zu einer Wissenschaft geworden", erklärt Qing Li. Der Mediziner aus Japan ist Professor an der Nippon Medical School in Tokio und zählt zu den wichtigsten Experten für Waldbaden.

Qing Li hat als einer der ersten die heilsame Wirkung des Waldes systematisch erforscht. Meistens schickt er Menschen regelmäßig zum Waldbaden und misst vorher und nachher verschiedene medizinische Werte in deren Körper. Mit seinen Messungen konnte er zeigen, dass der Wald Stress reduziert: Der Cortisol-Spiegel sinkt, das Adrenalin geht ebenfalls zurück. Der Herzschlag wird ruhiger.

Der Wald verändert auch unser Gehirn

Auch langfristig kann der Wald offenbar auf unseren Körper wirken: Je näher Menschen an einem Wald wohnen, desto besser funktioniert offenbar die Stressverarbeitung im Gehirn. Denn die Struktur der Amygdala scheint sich durch die Anwesenheit der Bäume zu verändern. Diesen Zusammenhang haben Forscher vom Max-Planck Institut für Bildungsforschung in Berlin herausgefunden. Der Wald verändert offenbar unser Gehirn. Aber wie machen die Bäume das?

Bäume geben ätherische Öle in die Luft ab

Verantwortlich für viele dieser Wirkungen sind vermutlich die ätherischen Öle, Terpene und andere Aromastoffe, die der Wald in die Luft abgibt. Die Bäume stellen sie her, um sich vor Insekten und Bakterien zu schützen. Besonders viele dieser Terpene geben Nadelbäume ab. Auch im Waldboden befinden sich solche Stoffe. Diese Terpene kann unser Körper über die Lunge oder über die Haut aufnehmen.

Der bayerische Wald in der Therapie

Bereits die erste Reha-Kliniken in Bayern nutzen den Wald als Therapiehilfe, denn er soll nicht nur präventiv wirken. Wald soll auch helfen, Kranke wieder gesund zu machen. Menschen mit Atemwegserkrankungen zum Beispiel oder Menschen mit erhöhtem Blutdruck. Wichtig dabei ist allerdings ein ausgebildeter Mediziner, der die Kranken richtig anleitet, sagt die Professorin Angela Schuh vom Lehrstuhl für Public Health der LMU München. Sie hat eine Ausbildung für Waldtherapeuten entwickelt. Jedoch gibt Angela Schuh zu bedenken: "Unter den selbsternannten Waldtherapeuten sind auch viele Heilsbringer. Der Wald wird von ihnen in esoterischer Richtung instrumentalisiert."

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