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Waldkrankenhaus Erlangen: Mit Motorkraft durch den Dünndarm | BR24

© Olympus

Motorisiertes Endoskop der Firma Olympus.

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    Waldkrankenhaus Erlangen: Mit Motorkraft durch den Dünndarm

    Wenn es im Bauch zwickt, dann könnte es sein, dass etwas mit Darm nicht stimmt. Gerade Untersuchungen im Dünndarm waren bisher sehr zeitaufwendig. Am Waldkrankenhaus in Erlangen wird bald eine ganz neue Methode eingeführt.

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    Unter Medizinern galt der Dünndarm lange Zeit als kleine Black Box des menschlichen Körpers. Das liegt vor allem an seiner Position: eingepfercht zwischen Magen und Dickdarm gehört er wohl zu den am schwersten zu erreichenden Organen, die wir in uns haben.

    Gleichzeitig ist er aber lebenswichtig, sagt Martin Raithel, Chefarzt am Waldkrankenhaus Erlangen. Der Dünndarm sorgt nicht nur dafür, dass wir Nahrung in uns aufnehmen können. Er ist auch ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems und auch verantwortlich für unser allgemeines Wohlbefinden.

    Aufwendige Dünndarm-Untersuchungen

    Wenn es dem Dünndarm mal nicht so gut geht und er untersucht werden muss, standen die Mediziner in den entsprechenden Fachabteilungen immer vor einer schwierigen Wahl: Kapselendoskopie oder die Ballon-assistierte Enteroskopie?

    Bei ersterer Variante schluckt der Patient eine etwa zwei Zentimeter Kapsel, die vom Inneren des Verdauungstraktes Bilder macht. Diese Kamera kann zwar durch den ganzen Dünndarm "reisen", aber eben nur beobachten. Blutungen stillen oder Tumore rausschneiden kann sie nicht.

    Bei der Ballon-Methode wird an das Endoskop ein spezieller, aufblasbarer Ballon angebracht. Der bläst sich im Darm auf, sodass der untersuchende Arzt das Endoskop weiterschieben kann. Zwar können Mediziner mit dieser Methode auch behandeln, allerdings nur mit einer begrenzten Reichweite. Etwa 2,5 Meter können so abgedeckt werden – ein Dünndarm ist aber rund sechs Meter lang.

    © BR-Studio Franken/Henry Lai

    Das Waldkrankenhaus in Erlangen.

    Neue Methode in Erlangen

    Ab Mitte November wird deshalb am Waldkrankenhaus in Erlangen eine neue Methode ausprobiert: die sogenannte motorisierte Spiralenteroskopie. Das Untersuchungsendoskop ist dabei in weiche, spiralförmige Lamellen gehüllt. Ein Motor rotiert diese Spiralen vor oder zurück. Per Fußschalter kann der Arzt vor- oder zurückdrehen und auf diese Weise den ganzen Dünndarm präzise absuchen. Ein Vorteil für Ärzte und Patienten, wie Raithel sagt.

    "Gerade für den Patienten macht es einen Unterschied. Wenn wir einen 80-jährigen Patienten haben, ob der zwei Stunden untersucht wird oder nur eine halbe Stunde. Weil einfach mehr Schlaf- und Schmerzmittel gebraucht werden, er muss weniger lang überwacht werden und damit denke ich wird auch die Komplikationsrate etwas niedriger werden für diese Methode." Martin Raithel, Chefarzt am Waldkrankenhaus in Erlangen

    Ungefähr 65.000 Euro kostet das Gerät – keine günstige Anschaffung. Doch Martin Raithel sieht es als Investition: Durch die neue Methode spart er sich viel Zeit und kann noch besser und präziser behandeln. Das Waldkrankenhaus ist eines von etwa zehn Krankenhäusern in Deutschland, die dieses Gerät einsetzen. Doch Raithel ist überzeugt: Mit dieser Technologie steht eine neue Ära an und ihr Durchbruch steht kurz bevor – und anders als sonst in diesem medizinischen Kontext ist das etwas durchaus Positives.

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