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Medizinische Versorgung könnte in Waldkirchen neue Wege gehen | BR24

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Gerade auf dem Land wurden und werden immer mehr Kliniken geschlossen - wie etwa in Waldkirchen und Waldsassen. Doch dort tut sich etwas. Ärzte und Bürger haben Ideen, wie es mit der medizinischen Versorgung auf dem Land weitergehen könnte.

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Medizinische Versorgung könnte in Waldkirchen neue Wege gehen

In Waldkirchen (Lkr. Freyung-Grafenau) könnte es vielleicht schon bald eine deutschlandweite Premiere geben. Nachdem dort der Krankenhausbetrieb eingestellt wurde, fordern die Bürger ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ).

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Ende vergangenen Jahres ist in Waldkirchen der Krankenhausbetrieb eingestellt worden. Stattdessen wird das Haus als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) genutzt. Das heißt: Ärzte haben hier ihre Praxen zu festgelegten Sprechzeiten geöffnet, es gibt ein ambulantes Palliativteam und eine onkologische Tagesklinik.

Bürger wollen mehr

Das reicht einigen Bürgern nicht: Sie finden, in der größten Stadt im Kreis Freyung-Grafenau müsse es eine Akut-Versorgung geben. Sie fordern ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ), eine Mischform, die es so in Deutschland noch nicht gibt: ein MVZ mit 20 Betten und einer Mini-Rundumversorgung. Andreas Tausch, Mitglied im Waldkirchner SPD-Ortsverein, treibt dieses Projekt voran.

Vor allem ältere Menschen brauchen mehr Versorgung

Drei Ärzte konnte er für seine Idee bisher gewinnen, darunter den Landarzt Michael Rosenberger aus Breitenberg: "Ich habe als Notarzt öfter das Problem, dass ich Patienten, die zu krank sind, um zu Hause zu bleiben, aber nicht so krank sind, dass sie in einem High-Tech-Krankenhaus behandelt werden müssten." Vor allem ältere Leute bräuchten nicht immer die Maximalversorgung, aber mehr, als in der Kurzzeitpflege im Altenheim gewährleistet werden könne, erklärt er.

Versorgungslücken

Auch Heidi Massinger-Biebl sieht den Bedarf. Die Frauen- und Palliativärztin arbeitet bereits im jetzigen MVZ. Als CSU-Kreisrätin stimmte sie 2015 dafür, das Krankenhaus Waldkirchen in ein ambulantes Gesundheitszentrum umzuwandeln. Dennoch: "Es gibt Lücken in der Versorgung, die man mit einem IGZ schließen könnte. Auch für jüngere Patienten: Ich könnte zum Beispiel bei Krebs-Patientinnen Übelkeit und Schwäche behandeln. Dann könnten sie eine Chemotherapie schaffen." Doch für ein IGZ fehlt bisher im deutschen Gesundheitswesen der gesetzliche Rahmen.

© BR/Katharina Häringer

In Waldkirchen (Lkr. Freyung-Grafenau) könnte es vielleicht schon bald eine deutschlandweite Premiere geben. Nachdem dort der Krankenhausbetrieb eingestellt wurde, fordern die Bürger ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ).

Thema auch in Waldsassen akut

Krankenkassen trennen in der Abrechnung bislang strikt zwischen rein stationärer und rein ambulanter Behandlung. Wie also soll ein Patient abgerechnet werden, der in einem IGZ über Nacht bleibt? Und wie ist die Haftung geregelt? Diese Fragen werden gerade in Waldsassen im Kreis Tirschenreuth diskutiert. Am 1. Juli sperrte die Kliniken Nordoberpfalz AG den akutstationären Bereich des Krankenhauses zu. Hier ist die Umwandlung in ein IGZ schon beschlossen. Klinikleiter Josef Götz zeigt sich überzeugt: "Wir haben auf der einen Seite eine zunehmende Spezialisierung in der Medizin. Wenn jüngere Leute ein Problem haben, suchen sie sich einen Spezialisten. Auf der anderen Seite haben wir die ältere Bevölkerung, die vor Ort versorgt werden möchte. Und da ist das IGZ eine hervorragende Art und Weise, wie man individuell auf den Patienten eingehen und gleichzeitig kostengünstig arbeiten kann. In solchen Versorgungskonzepten liegt die Zukunft." Götz hofft, dass bis Anfang nächsten Jahres der juristische Rahmen steht. Dann könne die Umsetzung beginnen.

Zu nahe am nächsten Krankenhaus

Ärzte und Bürger in Waldkirchen beobachten genau, was sich in der Oberpfalz tut. Andreas Tausch hofft, dass hier ein Präzedenzfall entsteht, auf den man aufspringen könne. In Waldkirchen muss dann aber noch ein Träger gefunden werden. Stadt und Landkreis geben sich skeptisch. Der Landkreis denkt eher darüber nach, das bisherige MVZ um tagesklinische Einrichtungen zu erweitern. Anders als in Waldsassen liege Waldkirchen nur 15 Autominuten von Freyungs Akutkrankenhaus mit vollständiger Notfallversorgung entfernt, so die Argumentation.

Andreas Tausch gibt sich dennoch kämpferisch. Er will noch mehr Ärzte für die Idee gewinnen und hofft, in ein bis zwei Jahren ein IGZ in Waldkirchen zu haben.